Anzeige
Skip to content

AMD übernimmt KI-Weltmodell-Startup World Labs für 8,2 Milliarden US-Dollar

Image description
GIT-Image-2 prompted by THE DECODER

Kurz & Knapp

  • Der Chiphersteller AMD übernimmt das auf räumliche Intelligenz spezialisierte Startup World Labs für rund 8,2 Milliarden US-Dollar.
  • World Labs entwickelt sogenannte Weltmodelle, die dreidimensionale Umgebungen aus Text-, Bild- und Videoeingaben simulieren und rekonstruieren können, um die Schwächen herkömmlicher Sprachmodelle beim Verständnis von Physik und Raumstrukturen zu beheben.
  • Gründerin Fei-Fei Li wird als Chief Scientist und Executive Vice President die KI-Spitzenforschung bei AMD leiten.

Der Chiphersteller AMD kauft das auf räumliche Intelligenz spezialisierte Startup World Labs. KI-Pionierin Fei-Fei Li wird als Executive Vice President und Chief Scientist Teil des AMD-Führungsteams.

Die reine Aktientransaktion hat laut AMD einen Wert von rund 8,2 Milliarden Dollar. Der Abschluss wird bis Ende 2026 erwartet, vorbehaltlich regulatorischer Genehmigungen. Gründerin Li wird direkt an CEO Lisa Su berichten und soll bei AMD die Frontier-Forschung leiten. In einem Blogpost schreibt sie, dass die Skalierung der Forschung eine engere Anbindung an die Hardware erfordere. "Ohne einen fokussierten Hardware-Ansatz ist KI in Effizienz und Skalierung eingeschränkt", so Li.

World Labs wurde Anfang 2024 von Li zusammen mit den Forschern Ben Mildenhall und Justin Johnson in San Francisco gegründet und beschäftigt rund 70 Mitarbeiter. Das Startup entwickelt sogenannte Weltmodelle: KI-Software, die dreidimensionale Umgebungen aus Text-, Bild- und Videoeingaben generieren, rekonstruieren und simulieren kann. Anfang September stellte World Labs mit Atlas sein erstes Weltmodell vor, das komplette räumliche Szenen aus wenigen Bildern generiert, rekonstruiert und simuliert.

Der Ansatz basiert auf der Überzeugung, dass Sprache allein für leistungsfähige KI-Modelle nicht ausreicht. "Das Universum besteht nicht aus Wörtern, sondern aus realen Dingen", schreibt Li.

Anzeige

In einem ausführlichen Essay legte sie kürzlich dar, warum aktuelle multimodale Sprachmodelle bei räumlichen Aufgaben fundamental versagen: Sie schneiden kaum besser als Zufall ab, wenn es darum geht, Distanzen, Orientierungen und Größen zu schätzen, können Objekte nicht mental rotieren und grundlegende Physik nicht vorhersagen. Viele der wichtigsten Probleme, die KI lösen soll, von der Wissenschaft über Unterhaltung bis zur Robotik, erfordern Modelle, die über Struktur und Verhalten der physischen Welt schlussfolgern können, so Li.

Weltmodelle gelten derzeit als die nächste große Wette nach reinen Sprachmodellen. Google-Deepmind-Gründer Demis Hassabis etwa betrachtet sie als entscheidenden Schritt auf dem Weg zur allgemeinen künstlichen Intelligenz. Ein internationales Forscherteam um die Peking University hat mit OpenWorldLib eine standardisierte Definition vorgeschlagen, die drei Fähigkeiten verlangt: Sie müssen ihre Umgebung wahrnehmen, mit ihr interagieren und sich Dinge merken.

AMD will mit Modellexpertise die Lücke zu Nvidia verkleinern

Für AMD geht es bei der Übernahme darum, ein tieferes Verständnis für die Entwicklung von KI-Workloads zu gewinnen und daraus künftige Hardware-Roadmaps abzuleiten. "Je mehr man Ende-zu-Ende versteht, desto bessere Systeme baut man", sagte AMD-CEO Lisa Su in einem Interview mit Bloomberg Television. Deshalb habe man World Labs übernommen.

AMD positioniert sich damit weiter als wichtigster Herausforderer von Nvidia im KI-Chip-Markt, ohne jedoch auch nur ansatzweise im gleichen Ausmaß zu profitieren: AMD hat eine Marktbewertung von rund einer Billion Dollar, Nvidia liegt bei circa fünf.

Anzeige

Nvidia bündelt KI-Chips bereits seit Jahren mit Modellen und Services, veröffentlicht Open-Weight-Modelle und baut eigene Dienste auf, um ein Ökosystem zu befeuern, das letztlich auf seiner Hardware läuft. Die kürzliche Übernahme der KI-Plattform Hugging Face für rund 13 Milliarden Dollar verdoppelte diesen Einsatz.

Vor der Übernahme hatte World Labs 2024 eine erste Finanzierungsrunde über 230 Millionen Dollar abgeschlossen, an der unter anderem Andreessen Horowitz, Nvidia und AMD beteiligt waren. Anfang 2025 folgte eine weitere Runde über eine Milliarde Dollar mit Investoren wie Autodesk, wobei Bloomberg die Bewertung auf rund fünf Milliarden Dollar bezifferte. Mit der Übernahme für 8,2 Milliarden Dollar hat sich der Wert des Startups innerhalb weniger Monate vervielfacht.

Womöglich ist der Verkauf aber auch ein Eingeständnis, dass die bisher eingesammelte Summe, so respektabel sie klingen mag, nicht ansatzweise genug ist, um mit den führenden KI-Laboren und Tech-Giganten mitzuhalten, die derzeit ein extremes Tempo vorlegen. Die Übernahmemitteilung klingt jedenfalls nicht so, als hätte AMD wegen der noch konzeptionellen Produkte zugeschlagen, sondern wegen des Know-hows.

KI-News ohne Hype – von Menschen kuratiert

Mit dem THE‑DECODER‑Abo liest du werbefrei und wirst Teil unserer Community: Diskutiere im Kommentarsystem, erhalte unseren wöchentlichen KI‑Newsletter, 6× im Jahr den "KI Radar"‑Frontier‑Newsletter mit den neuesten Entwicklungen aus der Spitze der KI‑Forschung, bis zu 25 % Rabatt auf KI Pro‑Events und Zugriff auf das komplette Archiv der letzten zehn Jahre.

Quelle: AMD | Fei-Fei Li