Anzeige
Skip to content

Anthropic will mit KI Wirkstoffe gegen Krankheiten erforschen, die für Pharmakonzerne unattraktiv sind

Image description
Nano Banana Pro prompted by THE DECODER

Kurz & Knapp

  • Anthropic startet eigene Programme zur Medikamentenentwicklung für vernachlässigte Krankheiten, die für die klassische Pharmabranche wirtschaftlich unattraktiv sind.
  • Laut dem Novartis-CEO Vas Narasimhan können neue KI-Modelle die Entwicklungszeit von Medikamenten von heute zwölf auf sieben bis acht Jahre verkürzen. Zudem könnte sich die Erfolgsquote durch bessere Sicherheitsvorhersagen von acht auf 16 Prozent verdoppeln.
  • Auch Google Deepmind und OpenAI drängen mit Initiativen wie Isomorphic Labs oder ChatGPT Health zunehmend in den medizinischen Bereich.

Anthropic hat angekündigt, dass es eigene Programme zur Medikamentenentwicklung für vernachlässigte Krankheiten startet.

Das Unternehmen will in der frühen, vorklinischen Phase Wirkstoffe gegen Krankheiten erforschen, die für die klassische Pharma- und Biotech-Branche wirtschaftlich unattraktiv sind. Anthropic begründet den Schritt mit seiner gemeinnützigen Mission und dem Ziel, durch eigene Erfahrung bessere KI-Modelle und Werkzeuge für die gesamte Branche zu entwickeln. Die Ankündigung (1:08:34) erfolgte bei einer Veranstaltung zum neuen Wissenschafts-KI-Tool "Claude Science".

Auf der Veranstaltung wurden auch erste Beispiele vorgestellt, wie generative KI die medizinische Forschung beschleunigen soll. Ein Forscher an der UCSF hat laut Anthropic mit Claude Science in wenigen Minuten eine Viruskontamination gefunden, die sein Team zuvor ein Jahr lang übersehen hatte. Anthropic selbst sagt, Claude habe in unter einer Stunde 100 seltene genetische Krankheiten analysiert und 32 Kandidaten für ein computergestütztes Screening identifiziert.

Kleine Beschleuniger mit großer Wirkung

Der CEO von Novartis, Vas Narasimhan, erklärte, dass die Entwicklung eines Medikaments vom fertigen Wirkstoffkandidaten bis zur Zulassung heute rund zwölf Jahre dauere. Er unterschied drei Arten von Verzögerungen: Informationslatenz, operative und biologische Latenz.

Anzeige
DEC_D_Incontent-1

Neue Werkzeuge und Modelle könnten die ersten beiden Kategorien stark verkürzen, die etwa 40 Prozent der Gesamtzeit ausmachten. Die biologische Latenz, also die Zeit für Tierversuche, Zellmodelle und klinische Studien am Menschen, bleibe jedoch bestehen. Insgesamt könne die Entwicklungszeit so auf sieben bis acht Jahre sinken.

Bei der Erfolgsquote sieht der Novartis-CEO Potenzial für eine Steigerung von 8 auf 16 Prozent. Bessere Sicherheitsvorhersagen und optimierte Moleküleigenschaften könnten dazu beitragen, bei der Patientenauswahl bleibe der Effekt aber abzuwarten. Die größte Herausforderung bleibe die Frage, ob ein Wirkstoffziel biologisch überhaupt das richtige für eine Krankheit sei.

Hochgerechnet auf die größeren Pharmaunternehmen wären selbst solche scheinbar kleinen Verbesserungen laut dem Novartis-CEO enorm. Zusammen geben sie jährlich 150 bis 200 Milliarden Dollar für Forschung und Entwicklung aus und haben in 120 Jahren nur 800 bis 1.000 Medikamente hervorgebracht. Mehr Krankheiten könnten behandelt und bisher als unangreifbar geltende Wirkstoffziele adressiert werden.

Generative KI in der Gesundheitsversorgung

Neben Anthropic versuchen sich auch andere KI-Unternehmen an medizinischen Themen. Gemeinsam mit Alphabet gründete DeepMind-Chef Demis Hassabis das Unternehmen Isomorphic Labs, das KI gezielt für die Entwicklung neuer Wirkstoffe einsetzt. Google DeepMinds Proteinstruktur-Vorhersagetool AlphaFold gilt zudem als Vorzeigebeispiel für den Einsatz von KI in der Biologie; dessen Mitentwickler John Jumper wechselte kürzlich zu Anthropic.

Anzeige
DEC_D_Incontent-2

Im klinischen Bereich stellte Google Deepmind 2026 einen sogenannten AI-Co-Clinician vor, der auf dem Konzept der triadischen Versorgung basiert: KI-Agenten sollen Patienten in ihrem Behandlungsverlauf unterstützen, während der Arzt die klinische Autorität behält.

Auch OpenAI hat sich in den vergangenen Jahren schrittweise im Gesundheitsbereich positioniert. Auf Produktseite hat OpenAI Anfang 2026 mit ChatGPT Health einen eigenen Gesundheitsbereich innerhalb von ChatGPT eingeführt, über den Nutzer medizinische Akten, Apple-Health-Daten und Wellness-Apps verknüpfen können.

Trotz aller Fortschritte mahnen unabhängige Fachleute zur Vorsicht, primär beim Einsatz von KI im klinischen Alltag, also bei Diagnosen, Behandlungsplänen und der direkten Patientenversorgung. Catherine Pope von der University of Oxford bezeichnete die bisherigen Ergebnisse als ein Stück entfernt von der unordentlichen, komplexen, menschlichen Welt der alltäglichen Gesundheitsversorgung.

KI-News ohne Hype – von Menschen kuratiert

Mit dem THE‑DECODER‑Abo liest du werbefrei und wirst Teil unserer Community: Diskutiere im Kommentarsystem, erhalte unseren wöchentlichen KI‑Newsletter, 6× im Jahr den "KI Radar"‑Frontier‑Newsletter mit den neuesten Entwicklungen aus der Spitze der KI‑Forschung, bis zu 25 % Rabatt auf KI Pro‑Events und Zugriff auf das komplette Archiv der letzten zehn Jahre.

Quelle: Anthropic