Anthropics neues Claude Sonnet 5 soll die Preis-Leistungs-Lücke zum Opus-Modell schließen
Kurz & Knapp
- Anthropic veröffentlicht Claude Sonnet 5, das laut dem Unternehmen autonomer als bisherige Versionen agiert und selbstständig Pläne erstellen sowie Werkzeuge wie Browser und Terminals nutzen kann.
- In Tests schneidet Sonnet 5 besser ab als der Vorgänger Sonnet 4.6 und nähert sich dem größeren Modell Opus 4.8 an. Bei praxisnahen Aufgaben zur Wissensarbeit erzielt die neue Version sogar knapp bessere Ergebnisse als Opus 4.8.
- Das Modell ist ab sofort auf allen Plattformen von Anthropic verfügbar, zum Start etwas vergünstigt, dann zum Sonnet-Standardpreis.
Update vom 1. Juli 2026:
Anthropic hat einen korrigierten BrowseCom-Benchmark geschickt, in dem Sonnet 5 in etwa auf Augenhöhe mit Opus 4.8 liegt und der Abstand zum Vorgängermodell noch etwas deutlicher ist.

Ursprünglicher Artikel vom 30. Juni 2026:
Anthropic veröffentlicht Claude Sonnet 5. In Benchmarks rückt es deutlich näher an das größere Opus 4.8 heran und übertrifft es teilweise. Das Modell ist ab sofort zu einem Einführungspreis verfügbar.
Anthropic hat Claude Sonnet 5 vorgestellt. Es soll laut Unternehmen das bislang agentischste Modell der Sonnet-Reihe sein. Es könne Pläne erstellen, Tools wie Browser und Terminals verwenden und autonom auf einem Niveau arbeiten, das noch vor wenigen Monaten größeren und teureren Modellen vorbehalten gewesen sei. Zuletzt lagen die deutlichsten Fortschritte bei agentischen Fähigkeiten vor allem bei den Opus-Modellen. Sonnet 5 soll diese Lücke nun verkleinern.
Benchmarks zeigen deutlichen Sprung gegenüber dem Vorgänger
Die von Anthropic veröffentlichten Benchmark-Ergebnisse zeigen, dass Sonnet 5 seinen Vorgänger Sonnet 4.6 in allen getesteten Kategorien übertrifft und sich dem teureren Opus 4.8 annähert. Beim agentischen Programmieren erreicht Sonnet 5 auf SWE-bench Pro 63,2 Prozent, gegenüber 58,1 Prozent bei Sonnet 4.6 und 69,2 Prozent bei Opus 4.8.
Auf Terminal-Bench 2.1 kommt Sonnet 5 auf 80,4 Prozent, während Sonnet 4.6 bei 67,0 Prozent liegt. Beim multidisziplinären Reasoning (Humanity's Last Exam) erreicht das Modell mit Werkzeugen 57,4 Prozent und liegt damit fast gleichauf mit Opus 4.8 (57,9 Prozent). Bei der Computernutzung (OSWorld-Verified) erzielt Sonnet 5 81,2 Prozent gegenüber 78,5 Prozent des Vorgängers.

Beim Wissensarbeit-Benchmark GDPval-AA v2, der KI-Fähigkeiten anhand realer Aufgaben der Wissensarbeit testen soll, übertrifft Sonnet 5 mit einem Score von 1618 sogar das größere Opus 4.8, das bei 1615 liegt. Feedback von Anthropics Early-Access-Partnern sei laut dem Unternehmen konsistent gewesen: Sonnet 5 verhalte sich deutlich agentischer als seine Vorgänger. Das zeige sich etwa beim agentischen Suchverhalten (korrigierter Benchmark siehe Update).
Keine Angst vor der Cybersecurity
Zuletzt machte Anthropic vor allem mit der Nichtveröffentlichung von Modellen Schlagzeilen. Die US-Regierung blockiert derzeit weitgehend die beiden leistungsfähigsten Modelle, Mythos 5 und Fable 5, aus Sorge vor möglichen Cybersecurity-Angriffen.
Entsprechend bemüht sich Anthropic bei der Ankündigung von Sonnet 5, deutlich zu machen, dass in diesem Bereich keine Gefahr droht. Das Modell sei nicht gezielt auf Cybersecurity-Aufgaben trainiert worden. Bei Tests zu potenziell gefährlichen Cyber-Fähigkeiten wie der Entwicklung von Software-Exploits schneide es deutlich schlechter ab als Opus 4.8 und Mythos 5.

Da Sonnet 5 bei diesen Aufgaben aber dennoch etwas stärker als sein Vorgänger abschneidet, hat Anthropic laut eigenen Angaben Cyber-Schutzmaßnahmen standardmäßig aktiviert. Diese erkennen und blockieren gefährliche Cyber-Nutzung in Echtzeit und entsprechen den Schutzmaßnahmen von Claude Opus 4.7 und 4.8. Sie seien allerdings weniger strikt als die bei Fable 5 eingesetzten Maßnahmen, über die sich Nutzer schnell beschwerten, da Anthropic das Gesamtrisiko durch Sonnet 5 im Bereich Cybersicherheit als gering einschätze.
Das Modell lehne zudem bösartige Anfragen besser ab und widerstehe Prompt-Injection-Angriffen zuverlässiger im Vergleich zu Sonnet 4.6. Halluzinationen und sogenanntes sycophantisches Verhalten, also übertriebene Zustimmung, treten laut Anthropic ebenfalls seltener auf als beim Vorgänger. Die vollständige Sicherheitsbewertung hat Anthropic in der Claude Sonnet 5 System Card veröffentlicht.
Einführungspreis bis Ende August 2026
Claude Sonnet 5 ist ab sofort auf allen Plänen verfügbar. Es dient als Standardmodell für Free- und Pro-Nutzer und steht auch Max-, Team- und Enterprise-Nutzern zur Verfügung. Entwickler können es zudem in Claude Code und auf der Claude Platform nutzen. Über die API ist es unter der Bezeichnung "claude-sonnet-5" erreichbar. Das Trainingswissen reicht bis Januar 2026, das Kontextfenster umfasst eine Million Tokens.
Anthropic bietet einen Einführungspreis von 2 US-Dollar pro Million Input-Tokens und 10 US-Dollar pro Million Output-Tokens bis zum 31. August 2026 an. Danach steigt der Preis auf 3 beziehungsweise 15 US-Dollar pro Million Tokens, was dem Preis der Vorgänger entspricht.
Über den Tokenverbrauch ist allerdings nichts bekannt. Da das Modell stärker agentisch arbeitet, dürfte es tendenziell mehr Tokens benötigen und die Arbeit damit trotz gleicher Tokenpreise teurer ausfallen als mit den Vorgängern. Beim Sprung von Opus 4.6 auf 4.7 war das ähnlich.
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