AR-Scans aus Pokémon Go fließen in räumliche KI-Modelle für das Militär
Kurz & Knapp
- Freiwillig erstellte 3D-Scans von Pokémon-Go-Spielern flossen in das Training von KI-Modellen des Unternehmens Niantic Spatial ein, die eine kamerabasierte Navigation ohne GPS ermöglichen.
- Niantic Spatial kooperiert nun mit dem US-Rüstungsdienstleister Vantor. Die Kombination ihrer Technologien soll Drohnen und autonomen Systemen bei gestörten Satellitensignalen die Orientierung sichern.
- Vantor sicherte sich zudem kürzlich einen Millionenauftrag der US Army für 3D-Geländedaten.
Freiwillige AR-Scans von Pokémon-Go-Spielern flossen in Niantics räumliche KI-Modelle. Diese Technik wird nun mit einem US-Rüstungsdienstleister für GPS-unabhängige Navigation kombiniert.
Daten, die von Pokémon-Go-Spielern gesammelt wurden, sind laut einem Bericht des Telegraph (auf Grundlage der niederländischen Zeitung Trouw) in das Training eines KI-Modells geflossen, das Militärdrohnen unterstützen könnte.
Hintergrund ist ein Update aus dem Jahr 2021, mit dem der Entwickler Niantic In-Game-Anreize einführte, damit Spieler reale Orte mit ihren Smartphones scannen. Millionen Nutzer scannten daraufhin verstärkt Straßen, Gebäude, Parks und Bäume und erzeugten laut der Website DroneXL Milliarden visueller Mapping-Daten. Die Teilnahme erforderte ein Opt-in, Berechtigungen wurden eingeholt.
Das Spin-off Niantic Spatial wandelte die Scans in eine umfangreiche 3D-Karte um, die genutzt werden kann, wenn Satellitensignale nicht verfügbar sind. Maschinen sollen sich so per Kamera lokalisieren und navigieren, auch ohne GPS.
Vom Spiel zur Defense-Kooperation
Im Dezember 2025 kündigte Niantic Spatial eine Partnerschaft mit Vantor an, einer amerikanischen Defense-Intelligence-Firma, die auf Spatial-Detection-Software für Drohnen spezialisiert ist, einschließlich militärischer UAVs. Die Kooperation adressiere laut Ankündigung "GPS-Nichtverfügbarkeit, Spoofing, Interference und Jamming". Wenn Satellitensignale kompromittiert seien, verlören autonome Systeme und Feldteams ihre Orientierung.
Technisch kombinieren beide Firmen Niantics bodengebundenes Visual Positioning System mit Vantors Raptor-Software und dessen 3D-Terraindaten aus über zwei Jahrzehnten Satellitenbildern. Daraus entsteht ein gemeinsames Koordinatensystem für Drohnen, Fahrzeuge und AR-Brillen. Laut einem Niantic-Spatial-Blog zeigten frühe Tests eine Fehlerreduktion von bis zu 70 Prozent und eine Genauigkeit von rund 1,5 Metern. Das visuelle System ist immun gegen herkömmliche Signal-Jammer.
Keine direkte Datenweitergabe, aber Training der Foundation Models
Beide Unternehmen erklärten gegenüber Guardian Australia, die Boden-Scans aus dem Spiel seien nicht direkt an Vantor übergeben worden, sondern zum Training von Niantics Foundation Models verwendet worden. Ein Sprecher von Niantic Spatial betonte, die AR-Scans seien freiwillig von Spielern eingereicht worden, die sich für die Funktion entschieden hatten, und unterlägen den damals geltenden Nutzungs- und Datenschutzbestimmungen.
Im Februar 2026 erhielt Vantor zudem einen US-Army-Auftrag von bis zu 217 Millionen Dollar für das Programm One World Terrain, bei dem es um hochpräzise 3D-Geländedaten für die Synthetic Training Environment der Army geht, also um realitätsnahe Simulation und Missionsvorbereitung. Öffentlich belegt ist allerdings nicht, dass Pokémon-Go-Scans Bestandteil dieses konkreten Vertrags sein werden. GPS-Jamming und Spoofing kommen unter anderem in den Kriegen in der Ukraine und im Iran zum Einsatz, um Kamikaze- und Aufklärungsdrohnen sowie GPS-gelenkte Raketen in die Irre zu führen.
Vor kurzem hatte Niantic seine Spielsparte von der Geospatial-KI-Sparte getrennt: Im März 2025 übernahm das saudisch finanzierte Unternehmen Scopely die Gamesparte für 3,5 Milliarden Dollar, während Niantic Spatial als eigenständiges Unternehmen für die räumlichen KI-Modelle weiterbesteht.
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