Bericht über verzögertes Nvidia-KI-Rack lässt asiatische Tech-Aktien fallen
Kurz & Knapp
- Nvidias nächstes KI-Serversystem Kyber NVL144 verzögert sich laut einem Bericht von SemiAnalysis wegen Fertigungsproblemen bei Leiterplatten auf das Jahr 2028. Dies führte zu starken Kursverlusten bei asiatischen Zulieferern.
- Nvidia hat zudem geplante Architekturen wie das NVL72x2-Rack und den leistungsstärkeren Rubin-Ultra-Chip komplett gestrichen. Auch eine wichtige Verbindungstechnik verschiebt sich auf die übernächste Generation.
- Diese Verzögerungen verschaffen Konkurrenten wie AMD und Google einen zeitlichen Vorteil. Analysten werten die Kurseinbrüche jedoch primär als Gewinnmitnahmen und nicht als Zeichen für sinkende KI-Investitionen.
Ein Bericht der Analysefirma SemiAnalysis meldet eine Verzögerung von Nvidias nächster KI-Server-Rack-Generation um mehr als ein Jahr. Zulieferer aus Japan, Taiwan, Südkorea und Hongkong verloren daraufhin deutlich an Wert.
Asiatische Technologiewerte gaben nach, nachdem die Analysefirma SemiAnalysis in einem Beitrag auf X berichtete, dass Nvidias nächstes KI-Server-Rack-System Kyber NVL144 wegen Fertigungsproblemen um mehr als zwölf Monate auf das Jahr 2028 verschoben werde.
Das Problem liegt laut SemiAnalysis bei den Leiterplatten, konkret beim sogenannten PCB-Midplane. Diese zentrale Platine verbindet die einzelnen Komponenten miteinander und lässt sich offenbar nur schwer fehlerfrei herstellen. Nvidia-Chef Jensen Huang hatte Kyber NVL144 erst drei Monate zuvor auf der Hausmesse GTC gezeigt.
Der Bericht traf auf ohnehin nervöse Investoren. Nach der jahrelangen KI-Rallye lösen selbst kleine Rückschläge heftige Kursbewegungen aus. Der japanische Leiterplattenhersteller Ibiden, für den Nvidia der größte Kunde ist, fiel zeitweise um bis zu zehn Prozent. Kingboard Laminates verlor in Hongkong 18 Prozent, Elite Material in Taiwan zehn Prozent und Samsung Electro-Mechanics in Südkorea elf Prozent. Der Absturz folgt auf enorme Zugewinne: Samsung Electro-Mechanics legte in diesem Jahr um mehr als 600 Prozent zu, Kingboard Laminates um mehr als 470 Prozent.
Gestrichene Architekturen öffnen ein Fenster für die Konkurrenz
SemiAnalysis nennt weitere Rückschläge: Eine als Alternative geplante Bauform namens NVL72x2, bei der zwei Oberon-Racks Rücken an Rücken gestellt werden sollten, sei komplett gestrichen worden. Cloud-Anbieter und große Rechenzentrumsbetreiber hätten sich wegen des ungewöhnlichen Designs und des hohen Betriebsaufwands gewehrt. Auch die leistungsstärkere Variante des kommenden Chips Rubin Ultra mit vier Compute-Dies sei gestrichen. Übrig bleibe nur die kleinere Version mit zwei Compute-Dies, die etwa die halbe reale Rechenleistung liefere.
Eine wichtige Verbindungstechnik, der sogenannte CPO-NVSwitch, der viele Chips zu einem großen System zusammenschließt, kommt laut Roadmap erst mit der übernächsten Generation namens Feynman. Damit fehlt Nvidia vorerst eine erprobte Lösung, um Rubin Ultra auf sehr große Systeme zu erweitern. Das eröffne Wettbewerbern wie AMDs MI500X oder Googles TPUv8i Broadfly ein Zeitfenster. Nvidia wolle den Ausfall durch den Verkauf von mehr Oberon-Rubin-Racks der bestehenden Bauart ausgleichen.
Eine Verzögerung von Kyber bedeute aber nicht zwangsläufig, dass insgesamt weniger in KI investiert werde, sagte Gary Tan von Allspring Global Investments laut Bloomberg. Sie zeige eher, dass Nvidias ehrgeizigstes System länger brauche. Die aktuelle Kursschwäche sei vor allem von Gewinnmitnahmen getrieben. Shawn Oh von NH Investment & Securities verwies auf die wachsende Unsicherheit rund um Nvidias Ausbaupläne, die alternativen KI-Plattformen mehr Spielraum verschaffe.
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