ChatGPT wird zum Gesundheitsberater: OpenAI verbindet Apple Health und Patientenakten
OpenAI rollt seine im Januar erstmals vorgestellte Gesundheitsfunktion "Health in ChatGPT" nun breit für US-Nutzer ab 18 Jahren aus.
Nutzer können Apple Health, medizinische Akten und Wellness-Apps verbinden, um Laborergebnisse zu verstehen, Arztbesuche vorzubereiten oder Schlaf- und Aktivitätsdaten auszuwerten. Verbundene Gesundheitsdaten werden laut OpenAI nicht für Modelltraining oder Werbung verwendet.
Wer ChatGPT kostenlos nutzt, bekommt schlechtere Gesundheitstipps. OpenAI setzt hier das Modell GPT-5.5 Instant ein, das in Gesundheits-Benchmarks schwächer abschneidet als das neue Spitzenmodell GPT-5.6 Sol für zahlende Nutzer. Diese Zweiklassengesellschaft dürfte OpenAI ethisch so verargumentieren: Beide Modelle übertreffen die Antworten von Ärzten im anspruchsvollen Test HealthBench Professional.

Solche Benchmarks sind jedoch künstliche Testumgebungen, die Wissen abfragen, und es kann viele Gründe geben, warum Ärzte hier schlechter abschneiden: etwa Zeitdruck, Müdigkeit oder die Tatsache, dass sie im Test ohne ihre üblichen Hilfsmittel wie Patientenakte oder Kollegengespräch arbeiten. Zudem kann ein Arzt einen Patienten körperlich untersuchen, nonverbale Signale wahrnehmen und den Gesamtzustand auf Basis seiner Erfahrung einschätzen. An der Entwicklung der Health-Funktionen waren laut OpenAI mehr als 260 Ärzte beteiligt.
Was OpenAI aus dem Vorabtest außerdem lernte: Mehr als 70 Prozent der Teilnehmer stellten Gesundheitsfragen außerhalb des eigenen Gesundheitsbereichs, weil der Wechsel dorthin zu umständlich war. Die Health-Funktion kann daher jetzt in alle Gespräche einfließen. Der separate Bereich bleibt unter anderem für Datenpflege und als Archiv bestehen.
Das bessere Dr. Google, aber kein Arztersatz
Laut OpenAI stellen inzwischen wöchentlich über 300 Millionen Menschen gesundheitsbezogene Fragen an ChatGPT, im Januar waren es noch 230 Millionen. OpenAI betont in der Ankündigung der neuen Funktion mehrfach, dass ChatGPT ärztliche Beratung nicht ersetzt und weiterhin Fehler machen kann.
Ob und wann Health in ChatGPT auch in Europa verfügbar sein wird, geht aus der aktuellen Ankündigung nicht hervor. Im Januar hatte OpenAI die Funktion ausdrücklich vom Europäischen Wirtschaftsraum, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich ausgeschlossen. Mögliche Gründe sind die strengeren Datenschutzanforderungen in der EU und eine denkbare Einstufung als Medizinprodukt unter dem EU AI Act.
Dass KI-Diagnosen riskant sein können, zeigt der aktuelle Radiologie-Benchmark RadLE 2.0: Von 16 getesteten KI-Modellen erreichte keines das Niveau menschlicher Radiologen. Der Grund: Viele Modelle lieferten falsche Befunde mit hoher Selbstsicherheit, statt ehrlich einzugestehen, dass sie an ihre Grenzen stoßen.
Aber es gibt auch spektakuläre Berichte, bei denen KI Zusammenhänge in Gesundheitsdaten fand, die menschliche Profis übersahen. MIRA, ein System für elektronische Patientenakten, und AMIE konnten in simulierten Sprechstunden mit Hausärzten mithalten.
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