Claude Opus 5.5 ist schneller, billiger und soll natürlicher klingen als sein Vorgänger
Update –
- Benchmark-Ergebnisse von Artificial Analysis ergänzt
Anthropic bringt mit Claude Opus 5.5 das erste Modell einer neuen Modellfamilie auf den Markt. Es soll auf dem Niveau von Claude Fable 5.1 arbeiten, dabei aber deutlich günstiger und schneller als sein Vorgänger sein.
Laut Anthropic erreicht Opus 5.5 "bei den meisten Aufgaben" das Leistungsniveau von Claude Fable 5.1, kostet aber rund 40 Prozent weniger im Betrieb als der Vorgänger Opus 5. In den kommenden Wochen sollen auch Claude Sonnet 5.5 und Haiku 5.5 folgen, die ähnliche Verbesserungen bei Leistung, Effizienz und Sicherheit mitbringen sollen. In Benchmarks liegt das neue Opus-Modell größtenteils vor Fable 5.1 und auch vor OpenAIs GPT-6-Astra, das deutlich höher bepreist ist.
| Benchmark / Fähigkeit | Opus 5.5 | Fable 5.1 | Opus 5 | GPT-6 Astra | GPT-5.6 Sol |
|---|---|---|---|---|---|
| Agentic coding Terminal-Bench 4.0¹ |
66.4% | 55.8% | 52.3% | 57.9% | 37.3% |
| Agentic coding FrontierCode v1.1 (Main) |
54.4% | 50.3% | 48.0% | 53.3% | 47.5% |
| Agentic coding CursorBench 4.0 |
57.8% | 51.8% | 46.6% | — | 41.7% |
| Knowledge work GDPval-AA v2.1 |
1846 | 1735 | 1708 | 1542 | 1588 |
| Business workflows AutomationBench¹ |
40.0% | 31.4% | 26.9% | 41.4% | 28.8% |
| Multidisciplinary reasoning Humanity's Last Exam |
67.7% (with tools) |
65.6% (with tools) |
63.6% (with tools) |
57.2% (with tools) |
— |
| Agentic scientific research Terminal-Bench-Science 0.1¹ |
58.7% | 52.6% | 29.0% | 64.6% | 22.4% |
| Computer use OSWorld 2.0 |
81.8% (partial) |
80.7% (partial) |
74.0% (partial) |
— | — |
| Visual chart recognition Chartography |
89.0% (with tools) |
88.4% (with tools) |
83.4% (with tools) |
— | — |
Anthropic reagiert mit der neuen Serie nach eigenen Angaben primär auf Kundenfeedback zu Kosten, Effizienz und Kommunikationsqualität, insbesondere in Branchen wie Finanzdienstleistungen, Recht und Softwareentwicklung. Das Kontextfenster bleibt mit einer Million Token unverändert.
Niedrigere Preise und höhere Geschwindigkeit
Opus 5.5 wird laut Anthropic für 4 Dollar pro Million Input-Token und 20 Dollar pro Million Output-Token angeboten. Opus 5 kostete noch 5 Dollar oder 25 Dollar pro Million Token. Das entspricht einer Preissenkung von 20 Prozent bei den reinen Tokenkosten. Zusätzlich hat Anthropic die Kosten für Cache-Reads um 60 Prozent reduziert.
Die gesamten Betriebskosten, also die Token-Kosten in Kombination mit dem Token-Verbrauch, sollen laut Anthropic rund 40 Prozent unter denen von Opus 5 liegen, da das Modell zudem weniger Token für qualitativ hochwertige Ergebnisse benötige und Ausgaben mehr als 30 Prozent schneller generiere.
| Preis pro 1M tokens | Claude Opus 5.5 | Claude Opus 5 |
|---|---|---|
| Cache reads | $0.20 | $0.50 |
| Input tokens | $4 | $5 |
| Output tokens | $20 | $25 |
| Cache writes | $5 | $6.25 |
Für Abonnenten steigen die Fünf-Stunden-Nutzungslimits um 20 Prozent. Da das Modell günstiger ist, reichen die Limits laut Anthropic insgesamt 25 Prozent weiter. Nutzer können zudem einen Limit-Reset aufsparen und dann einsetzen, wenn sie ihn am dringendsten benötigen.
Auf Coding-Benchmarks positioniert Anthropic das Modell direkt gegen die Konkurrenz im Preis-Leistungs-Kampf: Auf FrontierCode schlage Opus 5.5 OpenAIs GPT-6 Astra bei etwa 20 Prozent der Kosten pro Aufgabe. Auf Terminal Bench 4.0 erreiche es die gleiche Leistung wie Astra bei 40 Prozent der Kosten, auf CursorBench übertreffe es GPT-5.6 Sol um 11 Punkte bei einem Drittel der Kosten.
Die Preissenkung ist eine Reaktion auf den Preisdruck durch OpenAI und insbesondere chinesische KI-Modelle, die zwar weniger Leistung bieten, dafür aber nur einen Bruchteil der Kosten verursachen.
Anthropic verspricht weniger "Claudish"
Neben den Effizienzgewinnen soll Opus 5.5 auch natürlicher kommunizieren als frühere Modelle. Das Modell stelle die wichtigsten Informationen an den Anfang, verwende weniger Fachjargon und halte sich besser an vorgegebene Schreibregeln. Frühe Tester hätten den Schreibstil als klarer und leichter verständlich beschrieben, was das Modell laut Anthropic zu einem besseren Arbeitspartner bei langen Sitzungen mache. An den aktuellen Claude-Modellen gibt es reichlich Kritik ob ihrer phrasenhaften, komplizierten Ausdrucksweise, auch "Claude"-ish genannt.

Opus 5.5 ist zudem das erste Opus-Modell, das mit Schutzmaßnahmen auf dem Niveau von Fable 5.1 für die Bereiche Cybersecurity, Biologie und Frontier-LLM-Entwicklung ausgestattet ist. Wenn diese Safeguards eingreifen, wird die Anfrage laut Anthropic transparent an ein anderes Modell weitergeleitet.
Konkret bedeutet das: Nutzer können weiterhin Bugs in ihrem Code identifizieren und beheben, aber die meisten Cybersecurity-Aufgaben werden an das ältere Opus 4.8 umgeleitet. Anfragen, die von Klassifikatoren für Biologie oder Frontier-LLM-Entwicklung markiert werden, landen bei Opus 5. Verifizierte Organisationen können sich über das Life Sciences Verification Program für den biologischen Forschungseinsatz bewerben. Für Cybersecurity-Arbeit soll das bestehende Cyber Verification Program in den kommenden Wochen auf Opus 5.5 ausgeweitet werden.
Claude Opus 5.5 ist ab sofort auf allen Plattformen verfügbar, darunter Amazon Web Services, Google Cloud und Microsoft Azure. Auf der Claude Platform können Entwickler über die Modellkennung claude-opus-5-5 starten.
Strengere Standards für kommende Modelle
Anthropic kündigt außerdem an, die Umgebungen für das Reinforcement Learning künftig strenger zu filtern. Fehlerhafte Trainingsumgebungen seien eine Hauptquelle für fehlgeleitetes Modellverhalten. Zusätzlich arbeite das Unternehmen an verbesserten Alignment-Rewards, automatisierten Methoden zur Erstellung neuer Sicherheitstrainingsszenarien und einer Stärkung von Sicherheit und Monitoring.
Für noch leistungsfähigere Modelle, die potenziell KI-Forschung vollständig automatisieren könnten, fordert Anthropic, ähnlich wie OpenAI, einen höheren Sicherheitsstandard. Öffentliche Politik solle dabei eine größere Rolle spielen. Vor der Veröffentlichung wurde Opus 5.5. von den externen Organisationen Frontier Design und METR getestet.
Anti-Distillation und EU AI Act Compliance
Anthropic führt mit Opus 5.5 auch Maßnahmen gegen sogenannte Distillationsangriffe ein. Dabei nutzen Angreifer laut Anthropic Tausende gefälschter Konten, um die Fähigkeiten eines Modells in industriellem Maßstab zu extrahieren und hochfähige Modelle ohne die eingebauten Sicherheitsvorkehrungen zu erstellen. Anthropic verweist auf einen Bedrohungsbericht vom September 2026, der die bisher erkannte und unterbundene illegale Distillationsaktivität dokumentiere.
Opus 5.5 startet mit "Preserved Thinking", einer Anti-Distillations-Maßnahme, die bereits mit Fable 5.1 eingeführt wurde. Sie verhindert, dass API-Nutzer den vorherigen Kontext von Claude bearbeiten, um dessen Reasoning zu extrahieren. Die Maßnahme gilt für Fable 5.1 und Opus 5.5 bei API-Konten, die am oder nach dem 31. August 2026 erstellt wurden.
Zudem kommt Opus 5.5 mit Wasserzeichen-Maßnahmen zur Einhaltung des EU‑AI‑Acts. Das Modell ist nicht mehr mit deaktiviertem "Thinking"-Modus verfügbar, dafür aber mit Zero Data Retention.
Artificial Analysis sieht Opus 5.5 an der Spitze seines Intelligenz-Index
Auch die unabhängige Analyseplattform Artificial Analysis bestätigt die starke Positionierung von Opus 5.5. Auf der maximalen Aufwandsstufe erreiche das Modell 58 Punkte im Artificial Analysis Intelligence Index, der höchste jemals gemessene Wert und mehrere Punkte über dem bisherigen Spitzenreiter.
Opus 5.5 erziele führende Ergebnisse in sechs von zehn Evaluierungen des Index, darunter Humanity's Last Exam mit 61,4 Prozent (bisheriger Bestwert: 59,1 Prozent von Claude Fable 5.1) und SciCode mit 66,9 Prozent (63,1 Prozent, ebenfalls Fable 5.1). Auf Terminal-Bench 4.0 liege Opus 5.5 mit 59,6 Prozent gleichauf mit GPT-6 Astra und 11 Punkte über Opus 5.

Laut Artificial Analysis bringe Opus 5.5 Anthropic damit auf Augenhöhe mit OpenAIs GPT-6 Astra bei Benchmarks wie Terminal-Bench 4.0 und AutomationBench-AA, während es den Vorsprung bei agentenbasierter Wissensarbeit ausbaue. Auf dem privaten Benchmark AA-Briefcase erreiche Opus 5.5 einen Elo-Wert von 1822, ein Plus von 143 gegenüber Fable 5.1. Es sei das erste Mal, dass ein Anthropic-Modell bei der Präsentationsqualität GPT-5.6 Sol übertreffe. Auf dem OpenAI-Benchmark "GPDval", der die Leistung von KI auf realistischen Aufgaben der Wissensarbeit evaluieren soll, erreicht Opus 5.5 ebenfalls fast durchgängig neue Bestwerte.

Allerdings weist Artificial Analysis auf einen Effizienznachteil hin: Opus 5.5 verwende auf maximaler Einstellung rund 119.000 Output-Token pro Aufgabe, deutlich mehr als Opus 5 mit 73.000, Fable 5.1 mit 78.000 oder GPT-6 Astra mit nur 27.000. Trotz dieses höheren Token-Verbrauchs liege Opus 5.5 dank der niedrigeren Tokenpreise bei den Kosten pro Aufgabe auf dem Niveau von Opus 5, aber eben nicht günstiger. Vier der fünf Aufwandsstufen von Opus 5.5 befänden sich dafür auf der sogenannten Pareto-Grenze, dem optimalen Verhältnis von Intelligenz zu Kosten pro Aufgabe, und überträfen oder unterböten damit andere Modelle mit einem Indexwert über 50.
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