"Cyber-Atomwaffen des KI-Zeitalters": Neue chinesische Tools sollen Gegengewicht zu Anthropics Mythos bilden
Kurz & Knapp
- Das chinesische Cybersicherheitsunternehmen 360 Security Technology hat zwei KI-Werkzeuge zur automatisierten Schwachstellensuche und Cyberabwehr vorgestellt, die mit dem Modell Mythos von Anthropic konkurrieren sollen.
- Laut Gründer Zhou Hongyi haben chinesische Spitzenmodelle noch einen Leistungsrückstand von 20 bis 30 Prozent auf westliche Systeme. Um dies auszugleichen, nutzt das Unternehmen einen Agenten-Ansatz, der die Modelle mit Sicherheitswissen und automatisierten Werkzeugen kombiniert.
- Zhou vergleicht leistungsstarke KI-Modelle mit Cyber-Atomwaffen und fordert eine gleichwertige strategische Abschreckung für China, um ein Monopol der USA zu verhindern.
Das chinesische Cybersicherheitsunternehmen Qihoo 360 Security Technology hat nach eigenen Angaben zwei KI-Werkzeuge entwickelt, die mit Anthropics Mythos mithalten sollen. Die Rhetorik erinnert an das Wettrüsten im Kalten Krieg.
360-Gründer Zhou Hongyi stellte die Werkzeuge auf einer Fachkonferenz in Peking vor. "Tu Long Feng" suche automatisch nach Schwachstellen, "Yi Tian Zhen" automatisiere die Cyberabwehr. Tu Long Feng habe bereits 3.432 Schwachstellen gefunden.
Laut Zhou hätten chinesische Spitzenmodelle noch einen Rückstand von 20 bis 30 Prozent auf die leistungsstärksten westlichen Modelle. 360 kompensiere dies durch einen Agenten-Ansatz, der Modelle mit Sicherheitswissen und automatisierten Werkzeugen kombiniere. "China kann nicht warten, bis die Modelle vollständig aufgeholt haben, um mit der Schwachstellensuche zu beginnen – dafür fehlt uns die Zeit", sagt Zhou.
Zuvor hatte Jie Tang, Professor an der Tsinghua-Universität und Gründer von Z.ai, geschätzt, dass ein chinesisches Modell der Mythos-Klasse vor Q1 2027 erscheinen würde.
Aufrüstungsrhetorik wie im Kalten Krieg
Ohne unabhängige Tests und Benchmarks, wie sie etwa OpenAI und Anthropic geliefert haben, ist eine solche Behauptung nicht verifizierbar. Interessant ist sie in einem anderen Kontext: der Rhetorik.
Zhou zieht in seiner Rede den Vergleich zu Atomwaffen selbst und ganz explizit. Mythos' Fähigkeit, autonom Schwachstellen zu finden und Angriffsketten zu konstruieren, sei das Äquivalent zu "Cyber-Atomwaffen des KI-Zeitalters".
Und weiter: "Warum kam es nie zu einem echten Atomkrieg? Weil beide Seiten im Besitz von Atomwaffen waren und einander abschreckten. In der Cybersicherheit verhält es sich genauso." China benötige daher eine "gleichwertige strategische Abschreckung". Eine Waffe, "die das gesamte Gefüge von Angriff und Verteidigung verschieben kann, darf nicht nur in den Händen anderer liegen."
Zhou warnt vor "einseitiger Transparenz": Die USA könnten mit Mythos chinesische Systeme nach Schwachstellen durchleuchten, während China blind bleibe. "Der Feind ist schneller und in der Überzahl. Während wir noch auf menschliche Experten zur Analyse angewiesen sind, lässt der Gegner bereits eine Armee von Hacker-Agenten gleichzeitig arbeiten."
Er ordnete zudem das Exportverbot für Anthropics Fable 5 ein, die "zivile, kastrierte Version von Mythos". Würde das Modell gejailbreakt, hätte potenziell die ganze Welt Zugriff auf Mythos-Fähigkeiten. "Das ist es, was die US-Regierung unter keinen Umständen dulden kann. Sie muss sicherstellen, dass sie diese Fähigkeit exklusiv besitzt, um ein absolutes Monopol auf diese strategische Ressource zu behalten", sagt Zhou.
Sogar die Namen der beiden Tools sind martialisch gewählt, wohl in Anlehnung an einen klassischen chinesischen Kampfkunstroman, in dem legendäre Waffen ihrem Besitzer die Vorherrschaft verleihen.
Auch die US-Regierung begründet ihre Exportkontrollen für Chips und Mythos mit nationaler Sicherheit. Beide Seiten werfen sich seit Jahren gegenseitig Cyberangriffe auf kritische Infrastruktur vor. Das Muster ist das des Kalten Krieges, übertragen auf KI: Eine Seite entwickelt eine Fähigkeit, die andere erklärt, sie könne es sich nicht leisten, ohne Gegenstück dazustehen.
Hinweis: Das chinesische Transkript wurde mit KI übersetzt und die entnommenen Zitate wurden mit drei weiteren KI-Systemen auf Korrektheit überprüft.
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