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Denkschritte von KI-Modellen lassen sich in deren internen Zuständen nachweisen

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Lassen sich die verschiedenen Denkschritte, die ein Sprachmodell beim Lösen einer Aufgabe im Text zeigt, auch in seinen internen Zuständen wiederfinden? Eine neue Studie hat es getestet.

Wenn ein Reasoning-Modell eine Aufgabe Schritt für Schritt löst, macht es im Text verschiedene Dinge: Es liest Angaben aus, zerlegt das Problem, ruft eine Formel ab oder rechnet. Eine Studie von Forschenden des südkoreanischen KAIST und des Naver AI Lab hat untersucht, ob sich diese Denkschritte auch in den internen Zahlenrepräsentationen des Modells voneinander trennen lassen. Das Ergebnis: Ja, am deutlichsten in den mittleren Schichten des Modells.

Dazu definierten die Forschenden acht wiederkehrende Denkoperationen wie Extraktion, Zerlegung, Abruf einer Formel, Deduktion und Berechnung. Sie ließen drei Modelle (Qwen2.5-7B, Qwen3-8B und Gemma4-31B) Mathematikaufgaben lösen, zerlegten die Lösungswege in Abschnitte und ließen jeden Abschnitt von GPT-5 einer dieser Operationen zuordnen.

Zweiteilige Grafik aus dem Paper, links dieselbe Antwort von Qwen3-8B dreimal untereinander mit farbigen Markierungen für Extraction, Recall und Decomposition, rechts ein Streudiagramm der Abschnitte entlang der Achsen Decomposition-Score und Recall-Score.
Dieselbe Antwort erhält je nach geprüfter Reasoning-Operation ein anderes Aktivierungsmuster, und die Abschnitte ordnen sich im Streudiagramm entlang der jeweiligen Richtung an. | Bild: Jeong et al.

Denkschritte sind intern klar unterscheidbar

Die verschiedenen Denkoperationen lassen sich in den internen Repräsentationen deutlich voneinander trennen, und zwar über alle drei Modelle hinweg. Am stärksten ist diese Trennung in den mittleren Schichten des Modells ausgeprägt.

Die Forschenden prüften, ob dahinter nur die Wortwahl steckt. Ein Klassifikator, der allein die verwendeten Tokens auswertet, schnitt schlechter ab als die Analyse der internen Repräsentationen. Auch die reine Position eines Abschnitts im Lösungsweg erklärt den Effekt nicht. Die internen Zustände enthalten also Information über die Art des Denkschritts, die über den bloßen Wortlaut hinausgeht.

Links AUROC-Werte für acht Reasoning-Operationen in Qwen3-8B, Qwen2.5-7B und Gemma4-31B mit Konfidenzintervallen, rechts der über alle Operationen gemittelte AUROC über die Modelltiefen Embed, Early, Middle und Late.
Über alle drei Modelle hinweg lassen sich die Operationen zuverlässig trennen, am deutlichsten in den mittleren Schichten. | Bild: Jeong et al.

Gleiche Wörter erhalten je nach Denkschritt eine andere Repräsentation

Häufige Funktionswörter wie "a", "is" oder "the" tauchen in ganz unterschiedlichen Denkschritten auf. In den frühen Schichten sind ihre Repräsentationen noch vermischt, in den mittleren und späteren Schichten trennen sie sich je nach umgebender Operation. Dasselbe Wort wird also unterschiedlich dargestellt, abhängig davon, in welchem Denkschritt es vorkommt.

Die Forschenden testeten außerdem, ob ein Denkschritt für sich allein entsteht. Blockierten sie mit einem gezielten Eingriff die Aufmerksamkeit auf die 30 vorangehenden Tokens, wurde das Signal für die jeweilige Operation schwächer. Ein Denkschritt entsteht demnach nicht isoliert, sondern hängt vom vorangegangenen Text ab.

Raster aus 18 Streudiagrammen für drei Operationspaare über Embedding-Layer sowie die Schichten 1, 11, 21, 27 und 36 von Qwen3-8B, jeder Punkt ist ein Vorkommen eines gemeinsamen Tokens.
Dieselben Wörter liegen in frühen Schichten noch übereinander und trennen sich in mittleren und späten Schichten nach der umgebenden Operation. | Bild: Jeong et al.

Auch bei falsch gelösten Aufgaben blieb erkennbar, welche Art von Schritt das Modell gerade ausführte – etwa Rechnen, Formelabruf oder Deduktion. Ein fehlerhafter Rechenschritt ähnelte intern also weiterhin einem Rechenschritt, auch wenn das Ergebnis falsch war.

Die Trennbarkeit der Denkschritte zeigte sich zudem auch in zusätzlichen Tests: Sie ließ sich mit Llama-3-8B replizieren, und bei Qwen3-8B funktionierten die gelernten Klassifikatoren auch auf GPQA-Diamond und MATH-500. Die Experimente beschränken sich jedoch auf mathematische Aufgaben und wenige Modelle. Ob sich die Erkenntnisse nutzen lassen, um etwa Fehler zu erkennen oder das Modell während der Antwort zu steuern, bleibt offen und sollte in einem nächsten Schritt untersucht werden.

Die Frage nach dem Verhältnis von ausgegebenem Text und interner Rechnung ist sicherheitsrelevant, weil das Mitlesen der Gedankenkette laut OpenAI eines der wenigen verfügbaren Kontrollwerkzeuge ist. Anthropic zeigte, dass Modelle genutzte Hinweise nur in 25 bis 39 Prozent der Fälle offenlegen. Ein Verfahren, das die internen Zahlenvektoren eines Modells in lesbaren Text übersetzt, förderte zudem zutage, dass Claude Opus 4.6 mehr verarbeitet, als im ausgegebenen Reasoning steht. Bei OpenAIs Modell Astra verlagert die Technik Recurrent Depth einen Teil des Reasonings in die internen Zahlenrepräsentationen, also genau dorthin, wo die KAIST-Arbeit ansetzt.

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