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EU prüft Folgen der Anthropic-Sperre, Forscher fordern "Airbus-Moment" für KI

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Kurz & Knapp

  • Nach der US-Sperre für Anthropics KI-Modelle Fable 5 und Mythos 5 für Nicht-US-Bürger prüft die EU-Kommission nun die Konsequenzen.
  • Europäische Forscher sehen in dem Vorgang einen Weckruf für die digitale Souveränität, da ein US-Beschluss europäische Unternehmen über Nacht von kritischer Technologie abschnitt.
  • Uneinigkeit herrscht über die Lösung: Einige Experten fordern massive Investitionen in eigene KI-Infrastruktur, andere plädieren für vertraglich abgesicherte Zugänge zu US-Modellen.

Nachdem die US-Regierung den Zugang zu Anthropics neuen Modellen Fable 5 und Mythos 5 für Nicht-US-Bürger untersagt hat, prüft die EU-Kommission die Konsequenzen. Europäische Fachleute sehen einen Weckruf, sind sich über die Antwort aber uneinig.

Die Europäische Kommission bewertet nach eigenen Angaben aktuell die praktischen Folgen der US-Exportkontrollanordnung, die Anthropic zur weltweiten Abschaltung seiner Modelle Fable 5 und Mythos 5 gezwungen hat.

Thomas Regnier, Kommissionssprecher für technologische Souveränität, sagte laut Euronews, Notfallmaßnahmen dürften "nicht diskriminierend gegenüber Partnern" sein. Es handle sich um eine "geteilte Herausforderung, die nicht auf eine einzelne Jurisdiktion oder ein einzelnes Unternehmen beschränkt ist". Die Entwicklung sei "eine weitere Illustration dafür, warum Europa seine technologische Souveränität stärken muss".

Vor wenigen Tagen hatte Anthropic seine fortgeschrittensten Modelle nach einer Anordnung der US-Regierung weltweit abgeschaltet, nachdem nationale Sicherheitsbedenken laut geworden waren. Aktuell laufen Verhandlungen zur Wiederherstellung des Zugangs. Anthropic-CEO Dario Amodei nimmt am Mittwoch gemeinsam mit den Chefs weiterer führender KI-Unternehmen an einem Arbeitsessen mit den G7-Staats- und Regierungschefs teil.

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Forscher sehen Weckruf, streiten aber über den Weg

In einer Sammlung von Statements, die das Science Media Center veröffentlichte, sprechen auch mehrere europäische Forschende von einem Weckruf. Thorsten Holz vom Max-Planck-Institut für Sicherheit und Privatsphäre nennt es bemerkenswert, dass ein einziger ausländischer Verwaltungsakt ein Modell "über Nacht für alle nicht-US-Bürger abschalten" konnte, inklusive europäischer Unternehmen. Digitale Souveränität bedeute nicht Autarkie, sondern die Fähigkeit, kritische Technologien auch bei geopolitischen Konflikten nutzen zu können.

Konrad Rieck von der TU Berlin formuliert es schärfer: US-Modelle könnten "jederzeit und teils aus undurchsichtigen Gründen abgeschaltet" werden, Europa müsse eigene leistungsfähige Modelle entwickeln und souverän betreiben. Gitta Kutyniok von der LMU München fordert in diesem Sinne einen "Airbus-Moment" für KI mit gemeinsamen, ambitionierten Investitionen in Foundation-Modelle, Chipdesign und energieeffizientes Computing. Wer erst handle, wenn die Strukturen etabliert seien, habe kaum noch Gestaltungsspielraum.

Deutlich skeptischer ist Paul Röttger vom Oxford Internet Institute. Er glaube nicht, dass mehr Investitionen in eine europäische KI die Lösung seien: "Europa wird nicht in der Lage sein, in Konkurrenz zu den USA Modelle wie Mythos oder Fable 5 zu entwickeln." Stattdessen sollte der Zugang vertraglich abgesichert werden, etwa gekoppelt an Investitionen in Rechenzentren und flankiert von glaubhaften handelspolitischen Drohungen.

Wie schwer der Aufbau eigener Kapazitäten tatsächlich wäre, deuten zwei weitere Stimmen an. Matthias Hein von der Universität Tübingen warnt, Europa brauche nicht nur einen, sondern mehrere eigene Anbieter, denn auf die Bereitschaft kommerzieller Konzerne, weiterhin Open-Weight-Modelle herauszugeben, dürfe man sich nicht verlassen. Jonas Geiping vom ELLIS Institut Tübingen verweist auf die strukturellen Hürden dahinter: Das französische Unternehmen Mistral sei in den vergangenen zwei Jahren "stark zurückgefallen", und selbst wenn neue Akteure entstünden, fehle es an Grundlagen wie großflächigen Rechenzentren und einer ausreichenden Stromerzeugung, die in Deutschland inzwischen wieder auf dem Niveau von 1985 liege.

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Geiping warnt zudem davor, die Lage mit historischen Parallelen wie dem Spannungsfeld um Nuklearwaffen zu vergleichen, das Anthropic selbst gerne heranziehe. Anders als dort sei KI tief mit der Wirtschaft verzahnt. Eine Abschaltung oder Einschränkung im Zuge eines diplomatischen Konflikts hätte nicht nur Folgen für die Verteidigungsfähigkeit, sondern könnte auch der europäischen Wirtschaft schwere Schäden zufügen, wenn Prozesse ohne starke KI nicht mehr funktionierten.

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Quelle: Euronews