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Forscher: KI-Agenten machen Entwickler nicht überflüssig, sondern bringen neue Disziplinen

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Die gängige Erzählung lautet, KI-Agenten übernähmen immer mehr Programmieraufgaben und Entwickler würden überflüssig. Laut einem Paper von Forschern der Chalmers University of Technology und der Volvo Group greift das zu kurz.

Die Forscher vertreten eine andere These: Agentische KI-Systeme erweitern Software-Engineering um sogenannte "semi-executable artifacts". Damit sind Prompts, Workflows, Policies, Eskalationsregeln und Entscheidungsroutinen gemeint. Diese Artefakte prägen das Systemverhalten ebenso direkt wie Code, hängen aber von menschlicher oder probabilistischer Interpretation ab.

Sechs Ringe statt nur Code

Kernstück des Papers ist der "Semi-Executable Stack", ein Diagnosemodell mit sechs Ringen. Innen liegt klassischer Code als Ring 1. Darauf folgen Prompts und natürlichsprachliche Spezifikationen als Ring 2, dann orchestrierte Agent-Workflows als Ring 3. Ring 4 umfasst Kontrollsysteme wie Guardrails und Monitoring. Ring 5 bildet die operative Organisationslogik ab, etwa Entscheidungsroutinen. Ring 6 beschreibt die gesellschaftliche und institutionelle Passung, etwa den EU AI Act.

Der "Semi-Executable Stack": Vom ausführbaren Code im Zentrum bis zur gesellschaftlichen Passung am Rand erweitert sich laut den Forschern das Ingenieursobjekt des Software Engineering auf sechs Ringe. Je weiter außen, desto stärker hängt die Ausführung von menschlicher Interpretation statt deterministischer Maschinenlogik ab. | Bild: Feldt et al.

Historisch habe sich Software-Engineering auf die Ringe 1 und 2 konzentriert, so die Autoren. Jetzt würden die Ringe 2 bis 5 zu erstrangigen Ingenieursobjekten. Ring 6 bestimme zunehmend, was in der Praxis überhaupt funktioniere.

Die größte Lücke sehen die Autoren in den äußeren Ringen 5 und 6. Für Entscheidungsroutinen, Governance und institutionelle Passung fehlten die Engineering-Methoden, die für Code längst existierten. Die meiste Forschung konzentriere sich weiterhin auf Codegenerierung, Bug-Fixing, Testing und Benchmarks in den Ringen 1 bis 3.

Die Forscher argumentieren mit drei Beobachtungen. Erstens müsse KI nicht so gut sein wie der beste Ingenieur, um Arbeitsweisen zu verändern. Sie müsse nur gut genug sein. Zweitens zähle Masse mehr als Spitzenleistung. Viele kleine, alltägliche KI-Einsätze brächten der Organisation am Ende mehr als der seltene Zugriff auf einen Top-Experten. Drittens wachse der Bedarf an sauberem Engineering, wenn mehr Fachleute per natürlicher Sprache eigene Systeme bauten.

Einwände werden zu Ingenieursproblemen

Statt typische Einwände abzubügeln, deuten die Forscher sie in Aufgaben um. Wenn Agenten halluzinieren, werden Prüfung und Überwachung selbst zum eigentlichen Engineering. Wenn KI schneller produziert, wächst der Wartungsaufwand mit, etwa durch "Prompt-Drift": Jemand passt einen Prompt an, das System verhält sich danach anders, und niemand weiß später noch, warum.

Sollten Organisationen sich schwer mit dieser Umstellung tun, wird zudem der Übergang selbst zur Ingenieursaufgabe. Und dass sich anspruchsvolles Urteilsvermögen kaum automatisieren lässt, ist gerade der Grund, warum es wichtiger wird statt unwichtiger, wenn niedrigere Aufgaben billiger und automatisierter würden, so die Forscher.

Für Praktiker formuliert das Paper eine klare Botschaft: Die knappe Fähigkeit verschiebe sich von "schneller bauen" zu "entscheiden, was es wert ist, gebaut zu werden und wie es validiert und gewartet wird". Teams, die KI nur als Effizienzwerkzeug für Ring 1 und 2 behandelten, gewönnen möglicherweise lokale Produktivität, verpassten aber die tiefere Frage organisatorischer Neugestaltung.

Das Paper begleitet eine Keynote von Robert Feldt beim Agentic Engineering 2026 Workshop in Rio de Janeiro. Es stützt sich unter anderem auf industrielle Arbeiten im Automotive-Umfeld mit Volvo-Partnern.

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