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Gekränkte Eitelkeit oder gestohlene Stiftung? Der Prozess um OpenAI hat begonnen

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Kurz & Knapp

  • Der Prozess zwischen Elon Musk und OpenAI-Chef Sam Altman hat begonnen. Musk fordert 150 Milliarden US-Dollar Schadensersatz und die Rückabwicklung der OpenAI-Umstrukturierung.
  • Musk wirft Altman vor, die ursprüngliche Non-Profit-Organisation gestohlen zu haben. OpenAI entgegnet, Musk klage nur aus Neid, weil er einst selbst die absolute Kontrolle über das Unternehmen übernehmen wollte.
  • Das einmonatige Verfahren wird von strengen Sicherheitsvorkehrungen begleitet. Die Richterin ermahnte beide Parteien zudem, sich während des Prozesses mit Äußerungen in sozialen Medien zurückzuhalten.

Im Bundesgericht in Oakland hat der mit Spannung erwartete Prozess zwischen Elon Musk und OpenAI-Chef Sam Altman begonnen. Am ersten Verhandlungstag schilderten beide Seiten zwei grundverschiedene Versionen der Frühgeschichte des KI-Labors.

Musk verglich die Umwandlung von OpenAI in ein gewinnorientiertes Unternehmen mit einem der größten Raubzüge der Geschichte, berichtet die New York Times. "Es ist nicht in Ordnung, eine Wohltätigkeitsorganisation zu stehlen", sagte Musk im Zeugenstand. Würde das Vorgehen Altmans nicht gestoppt, "wird das anderen die Lizenz geben, jede Wohltätigkeitsorganisation in Amerika auszuplündern".

OpenAIs Chefanwalt William Savitt zeichnete in seinem Eröffnungsplädoyer ein anderes Bild: Musk selbst sei der gierige Kapitalist gewesen, der die volle Kontrolle über OpenAI habe übernehmen wollen. Als die übrigen Gründer ablehnten, sei er beleidigt gegangen. "Wir sind hier, weil Musk seinen Willen bei OpenAI nicht durchsetzen konnte", sagte Savitt. "Meine Mandanten hatten den Nerv, ohne ihn weiterzumachen und Erfolg zu haben."

Die neunköpfige Jury unter Bundesrichterin Yvonne Gonzalez Rogers wird in dem auf rund einen Monat angesetzten Verfahren ehemalige Vorstandsmitglieder, Mitarbeiter und Tech-Größen anhören. Musk fordert 150 Milliarden US-Dollar Schadensersatz und eine gerichtliche Anordnung, die im Oktober vollzogene Umstrukturierung von OpenAI rückgängig zu machen.

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Gegensätzliche E-Mail-Spuren zur Profitfrage

Musk schilderte sein Gespräch mit Google-Mitgründer Larry Page als Auslöser der OpenAI-Gründung. Page habe ihn als "Speziesisten" beschimpft, weil er Menschen über künftige digitale Lebensformen stelle. "Ich wollte ein Unternehmen als Gegengewicht zu Google, als Gegenteil von Google", sagte Musk. Er habe den Namen erfunden, Schlüsselpersonen rekrutiert und die Finanzierung beschafft.

Savitt konterte mit E-Mails aus den Gründungsjahren: 2015 habe Musk geschrieben, eine "Standard-C-Corp mit paralleler Non-Profit" sei wahrscheinlich besser. Ein Jahr später habe er angemerkt, es sei "möglicherweise ein Fehler gewesen, OpenAI als Non-Profit aufzusetzen". 2017, als die Gründer den enormen Rechenbedarf erkannten, habe Musk laut OpenAI-Anwalt versucht, "OpenAI in ein vollständig gewinnorientiertes Unternehmen umzuwandeln und die absolute Kontrolle zu übernehmen". Die anderen Gründer hätten sich geweigert, "die Schlüssel zur künstlichen Intelligenz einer einzigen Person zu übergeben".

Musk räumte ein, einer Profit-Tochter offen gegenübergestanden zu haben, sofern Gewinne gedeckelt blieben und ans Non-Profit flössen. Ein damaliger Vorschlag sah eine gleichmäßige Aufteilung der Anteile zwischen Musk, Altman, Greg Brockman und Chefwissenschaftler Ilya Sutskever vor. Das habe er als "unfair" empfunden, weil er bis dahin die gesamte Finanzierung gestellt habe. Schließlich habe er das Unternehmen wegen überzogener Eigenkapitalforderungen der anderen Gründer verlassen.

Microsofts Rolle und der Vorwurf der späten Reue

Musks Anwalt Steven Molo warf Microsoft vor, ein wissender Komplize gewesen zu sein, als der Konzern ab 2019 schrittweise 13 Milliarden Dollar in OpenAI pumpte. Microsoft habe zugesehen, wie Altman und Brockman "die wohltätige Mission von OpenAI zur absoluten Farce" machten. Microsoft-Anwalt Russell Cohen entgegnete, sein Mandant habe "nie versucht, OpenAI zu kontrollieren", anders als Musk.

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Savitt argumentierte, Musks Klage diene primär dazu, einen Konkurrenten seines eigenen KI-Unternehmens xAI zu schwächen. Musk habe sich nach seinem Ausstieg 2018 jahrelang nicht für OpenAI interessiert, auch nicht bei Microsofts erstem Milliardeninvestment 2019. Erst als ChatGPT 2022 zum Hit wurde, habe Musk aus gekränkter Eitelkeit nachgetreten.

Heute kontrolliert die in OpenAI Foundation umbenannte Non-Profit-Stiftung das Unternehmen weiterhin und hält 26 Prozent der Anteile, Microsoft 27 Prozent. Die Jury wird einen "beratenden Spruch" abgeben, das endgültige Urteil und mögliche Rechtsmittel entscheidet Richterin Gonzalez Rogers.

Richterin ermahnt zu Social-Media-Funkstille

Vor den Eröffnungsplädoyers musste sich Musk eine Rüge der Richterin anhören. Sie forderte ihn auf, seine "Neigung zu kontrollieren, soziale Medien zu nutzen, um die Dinge außerhalb dieses Gerichtssaals schlimmer zu machen", schreibt Bloomberg. Musk hatte Altman auf X als "Scam Altman" verspottet und einen kritischen Bericht des New-Yorker-Reporters Ronan Farrow über den OpenAI-Chef verbreitet. Musk, Altman und Brockman einigten sich im Prozess nun auf einen "sauberen Schnitt" und darauf, Social-Media-Aktivitäten rund um den Prozess auf ein Minimum zu beschränken.

Die Sicherheitslage rund um den Prozess hat sich verschärft, seit ein mutmaßlich KI-feindlicher Mann festgenommen wurde, der laut Behörden einen Brandsatz auf Altmans Haus in San Francisco geworfen haben soll. Musk und Altman wurden jeweils durch einen privaten Eingang ins Gerichtsgebäude geschleust, während Anwälte und Reporter draußen in einer Schlange warteten.

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