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Gemini 4 bis Jahresende, AGI-Debatte abgehakt: Deepmind ist endgültig Googles Produktabteilung

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Koray Kavukcuoglu will Gemini 4 noch weit vor Jahresende veröffentlichen. Die AGI-Frage, mit der sich sein Vorgänger Demis Hassabis stets befasst hat, nennt er "nicht die richtige Diskussion". Unter dem Druck von OpenAI und Anthropic ist aus dem einstigen Forschungslabor Googles Gemini-Fabrik geworden.

Auf dem AI Agenda Live Summit von The Information absolvierte Kavukcuoglu seinen ersten Medienauftritt als Leiter von Google Deepmind. Gemini 4 befinde sich in einer frühen Phase des Post-Trainings, in der ein Basismodell auf zuverlässiges Verhalten verfeinert wird. Er hoffe auf eine Veröffentlichung "viel früher" als zum Jahresende.

"Unsere Absicht ist es, so schnell wie möglich eine frühe Version aus dem Post-Training zu veröffentlichen, weil wir die Ergebnisse sehen und begeistert sind", sagt Kavukcuoglu. Danach sollen schnelle Iterationen folgen.

Derzeit arbeitet Google noch an Schutzmechanismen und Sicherheitstests. Intern nutzen Ingenieure das Modell bereits für das Coding-Tool Antigravity.

Kavukcuoglu, zuvor CTO, übernahm die Leitung im August, nachdem Demis Hassabis als Deepmind-CEO abgetreten war. Hassabis ist nun Vorsitzender der Einheit und Chief Scientist von Alphabet.

Nach dem stillen Aus für Gemini 3.5 Pro muss Google aufholen

Gemini 4 wäre das erste neue Flaggschiffmodell seit Gemini 3 Ende letzten Jahres. Seither erschienen das Update Gemini 3.1 im Februar und mehrere kleinere, günstigere Flash-Modelle. Das Modell Gemini 3.5 Pro hatte CEO Sundar Pichai auf der I/O im Mai für Juni angekündigt, es kam aber nie. Laut Financial Times hatte das Projekt drei Termine verpasst.

Man habe "einen kleinen Schritt zurück" gemacht, um "die Lerngeschwindigkeit zu maximieren", erklärt Kavukcuoglu. Ob Gemini 3.5 Pro offiziell gestrichen ist, ließ er offen.

In der Zwischenzeit hat die Konkurrenz nachgelegt: Anthropic brachte im Frühjahr die Mythos/Fable-Familie heraus und aktualisierte diese und die Opus-Reihe in diesem Monat, OpenAI veröffentlicht seit Anfang September GPT-6-Modelle. Alle sind deutlich leistungsfähiger als Googles aktuell stärkste Modelle.

Sorgen macht sich Kavukcuoglu nach eigener Aussage nicht. Er sei "hundertprozentig zuversichtlich" und vertraue seinem "wahnsinnig starken Team". Es sei "eine Gewissheit", dass Google immer an der Spitze sein werde.

Die Modellarbeit soll auch dem Chipgeschäft helfen. Google verkauft seine TPUs seit diesem Jahr direkt an Kunden und tritt damit stärker gegen Nvidia an. Neue Modelle geben den Hardware-Ingenieuren laut Kavukcuoglu Einblick, wie die "nächsten zwei oder drei Generationen" der Chips gestaltet werden.

Dass Google einen Rückstand aufholen kann, hat das Unternehmen bereits gezeigt: Gemini 3 war ein solcher Sprung, dass OpenAI einen "Code Red" ausrief und erst mit GPT-5.2 wieder aufholte. Ob Gemini 4 das wiederholen kann, ist offen.

Deepmind entfernt sich von seiner AGI-Mission und verliert seine Stars

Ebenso aufschlussreich wie der Zeitplan ist, was der neue Chef über AGI sagt, das lange Zeit wichtigste Ziel von Deepmind. Ob die Branche AGI bereits erreicht habe, sei "nicht die richtige Diskussion", sagt Kavukcuoglu. Entscheidend sei, ob man intelligente Agenten bauen könne, denen man vertraut.

Für ein Labor, das sich lange über das Ziel einer allgemeinen künstlichen Intelligenz definierte, ist das ein deutliches Signal. Sein Vorgänger klang noch vor wenigen Wochen ganz anders: Hassabis schrieb in seinem Abschiedsmemo, er arbeite sein ganzes Leben auf AGI hin und halte sie inzwischen für "zum Greifen nah".

Hassabis hatte Deepmind 2010 mitgegründet, vier Jahre später übernahm Google das Labor. Die Londoner genossen lange eine Sonderstellung im Konzern. Das änderte ChatGPT: Während Googles erster "roter Alarmstufe" legte der Konzern Google Brain und Deepmind zu "Google Deepmind" zusammen, daher stammt auch der Name der Gemini-Modelle.

Der Umbau im August setzt den vorläufigen Schlusspunkt. Kavukcuoglu führt das Tagesgeschäft ohne CEO-Titel, die gesamte Gemini-Entwicklung zieht in die Bay Area. Ein ehemaliger Google-Manager sagte dem Guardian, die Ära von Deepmind als "unabhängigem Akteur" sei vorbei. Laut Financial Times waren Führungskräfte frustriert, dass Hassabis kommerzielle Anforderungen weniger gewichtete, etwa bei der Entscheidung, AlphaFold frei zu veröffentlichen.

Wie freiwillig Hassabis' Rückzug war, ist umstritten. Der Newsletter Pathfounders berichtet unter Berufung auf Branchenquellen, Hassabis habe zusammen mit Jeff Dean gehen wollen, das Management habe aber einen Einbruch des Aktienkurses befürchtet. Google hat die Berichte nicht kommentiert.

Unstrittig ist dagegen der Aderlass. Noam Shazeer wechselte im Juni zu OpenAI, zwei Tage später kündigte AlphaFold-Nobelpreisträger John Jumper seinen Wechsel zu Anthropic an. Dean gründete mit Oriol Vinyals, Quoc Le und Sanjay Ghemawat das Start-up Discovery Loop, die Gemini-Forscher Jonas Adler und Alexander Pritzel gingen ebenfalls zu Anthropic. Laut Fortune fiel das Verhältnis von Neueinstellungen zu Abgängen von etwa 12 zu 1 im zweiten Quartal 2023 auf rund 2 zu 1 im dritten Quartal 2026.

Mit Kavukcuoglu ist Deepminds Wandel zur Produktabteilung vollzogen

Bemerkenswert ist auch der Zeitpunkt, denn die AGI-Frage ist derzeit so präsent wie lange nicht: Anthropic-CEO Dario Amodei forderte am 12. September in seinem Essay "We Must Pace the Frontier", Frontier-Labs sollten die Fähigkeiten ihrer Modelle langsamer steigern, ohne die Entwicklung zu stoppen. OpenAI zog nach, Elon Musk stimmte zu, und Hassabis nannte die Richtung richtig, die Details müssten aber noch ausgearbeitet werden. Bereits im Juli hatten mehr als 1.200 Beschäftigte von Frontier-Labs einen gleichnamigen Brief unterzeichnet.

Kavukcuoglu lehnt Sicherheitsfragen damit nicht ab, denn vertrauenswürdige Agenten sind selbst ein Sicherheitsthema. Doch während sein Vorgänger und die Konkurrenz über AGI und deren Risiken streiten, macht der neue Deepmind-Chef aus dem Fortschritt eine Produktfrage. Der Druck, den ChatGPT auslöste und den OpenAI und zunehmend Anthropic aufrechterhalten, hat aus dem einstigen Forschungslabor mit AGI-Mission Googles Gemini-Fabrik gemacht. Dieser Wandel wirkt nun abgeschlossen.

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