Google KI-Übersichten bei Wahlen: intransparent, quellenarm und teils parteiisch
Kurz & Knapp
- Laut AlgorithmWatch blendet Google bei wahlbezogenen Suchanfragen seltener und nach unklaren Mustern KI-Übersichten ein. So erschienen Antworten zur AfD seltener als zu anderen Parteien.
- Die Auswahl der zitierten Quellen ist stark begrenzt. Fast die Hälfte der Links führt zu nur zehn Domains, wobei Googles eigene Plattform YouTube am häufigsten verlinkt wird.
- Die KI beschreibt Politiker und Parteien oft parteiisch und mit lobenden Adjektiven. AlgorithmWatch führt dies auf die Schmeichelei-Tendenz von Sprachmodellen zurück und fordert klare Transparenz- und Haftungsregeln.
Eine explorative Untersuchung von AlgorithmWatch zeigt, dass Googles KI-Übersichten bei wahlbezogenen Suchanfragen uneinheitlich ausgespielt werden, auf wenige Quellen zurückgreifen und Kandidatinnen und Kandidaten mitunter parteiisch beschreiben.
AlgorithmWatch hat über einen Forschungsdatenzugang nach Artikel 40 Absatz 12 des Digital Services Acts Zugriff auf Googles "Search Researcher Result API" erhalten und darüber 4.480 Suchanfragen zu den Landtagswahlen 2026 in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und der Abgeordnetenhauswahl in Berlin gestellt. Ausgewertet wurden die dabei ausgespielten KI-Übersichten und deren Quellen.
Laut der Untersuchung zeigte Google bei Wahlfragen in 39,1 Prozent der Fälle eine KI-Übersicht, bei unpolitischen Anfragen in 65,3 Prozent. Wann genau eine Übersicht erscheint, mache das Unternehmen jedoch nicht transparent. Die Muster seien uneinheitlich: Fragen zu Umfragen lösten fast nie eine KI-Übersicht aus, Fragen zu Parteien sowie zu einzelnen Politikerinnen und Politikern in 40 bis 50 Prozent der Fälle. Fragen zur AfD führten mit 24 Prozent seltener zu Übersichten als zu anderen Parteien (45 bis 58 Prozent), und zu Sachsen-Anhalt erschienen generell weniger Übersichten als zu Berlin und Mecklenburg-Vorpommern.
Ein Google-Sprecher erklärte gegenüber AlgorithmWatch, KI-Suchfunktionen seien "so konzipiert, dass sie neutral und objektiv sind, und werden nicht bei jeder Suche angezeigt". Übersichten erschienen, wenn ein hoher Mehrwert angenommen werde. Welche Kriterien konkret gelten, blieb aber offen, ebenso wie eine weitere Frage.
Denn 2024 hatte Google noch angegeben, KI-generierte Antworten seines Sprachmodells Gemini auf wahlbezogene Fragen zu blockieren. Die mit Verweis auf die Wahlen in den USA und Indien verkündete Maßnahme war laut AlgorithmWatch damals sehr effektiv. Ob 2026 noch ähnliche Schutzvorkehrungen greifen, ließ sich nicht klären. Google äußerte sich dazu nicht.
Wenige Quellen, YouTube an der Spitze
Die Vielfalt der zitierten Quellen ist laut AlgorithmWatch begrenzt: Fast die Hälfte aller Linksstammte von nur zehn Domains. Meistzitiert war die konzerneigene Plattform YouTube, was die Organisation als Hinweis auf eine Bevorzugung eigener Angebote wertet. Google bestreitet das. Bei den Medien dominierten öffentlich-rechtliche Angebote wie NDR, rbb, MDR und ARD sowie Zeit Online, sechs Medienseiten machten 75 Prozent aller Medienlinks aus. Neben Wikipedia und Regierungsseiten tauchten auch Parteiseiten auf, allerdings ohne Einordnung neben neutralen Informationsangeboten.
Politische Positionen würden häufig nicht neutral, sondern mit positiv konnotierten, unpräzisen Adjektiven wie "pragmatisch", "bürgernah" oder "stabil" wiedergegeben, die an Selbstbeschreibungen der Parteien erinnerten. In einer Stichprobe zu Sachsen-Anhalt wurden 81,5 Prozent der CDU-Übersichten als eindeutig positiv bewertet, bei der SPD 50 Prozent, bei den Grünen 10,7 Prozent und bei der AfD null Prozent. in höherer Anteil parteinaher Domains ging tendenziell mit positiveren Darstellungen einher, jedoch nicht bei allen Parteien gleichermaßen.
Auffällig war zudem, dass die Einordnung derselben Person stark schwanken kann: Den AfD-Kandidaten Ulrich Siegmund aus Sachsen-Anhalt beschrieben die KI-Übersichten in unterschiedlichen Härtegraden, mal als Vertreter des "rechtsaußen- und nationalkonservativen Flügels", mal als jemanden, der "radikale rechtsextreme Positionen" vertrete, mal als "rechtspopulistisch". Ein Muster hinter diesen widersprüchlichen Zuschreibungen, die teils innerhalb kurzer Zeiträume auftraten, konnte AlgorithmWatch nicht erkennen.
Eindeutige Faktfehler fand AlgorithmWatch anders als in früheren Untersuchungen nur selten. Die Organisation führt die lobenden Formulierungen auf die Tendenz von Sprachmodellen zur Schmeichelei ("Sycophancy") zurück und fordert Transparenzpflichten sowie klare Haftungsregeln.
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