Anzeige
Skip to content

Großbanken stoßen an Risikogrenzen durch milliardenschwere KI-Rechenzentrum-Kredite

Image description
Midjourney prompted by THE DECODER

Kurz & Knapp

  • Großbanken stoßen durch milliardenschwere KI-Rechenzentrum-Kredite an interne Risikogrenzen und versuchen, Ausfallrisiken an andere Investoren weiterzugeben.
  • Ein 38-Milliarden-Dollar-Kreditpaket für Oracle-Rechenzentren in Texas und Wisconsin steht exemplarisch für die Dimension.
  • Politischer Widerstand gegen Rechenzentren, etwa in Maine, erhöht die Unsicherheit zusätzlich.

Der Bau neuer KI-Rechenzentren verschlingt Milliarden an Fremdkapital. Großbanken wie JPMorgan und Morgan Stanley suchen nun nach Wegen, die wachsenden Kreditrisiken an andere Investoren weiterzugeben.

Der Ausbau der KI-Infrastruktur in den USA wird zunehmend zu einem Belastungstest für das Bankensystem. Laut Financial Times suchen Großbanken wie JPMorgan Chase, Morgan Stanley und SMBC nach Möglichkeiten, Risiken aus KI-Rechenzentrum-Finanzierungen an andere Investoren abzugeben. Die Kreditvolumina für neue Rechenzentren sind so groß geworden, dass einzelne Institute an ihre internen Grenzen für Risikokonzentration stoßen.

Ein konkretes Beispiel verdeutlicht die Dimension: Ein Kreditpaket über 38 Milliarden Dollar finanziert Rechenzentren in Texas und Wisconsin, die mit Oracle verbunden sind. JPMorgan und MUFG versuchen laut Financial Times seit Monaten, Teile dieser Kredite breiter am Markt zu verteilen. Einige Banken hätten die Kredite sogar mit Abschlag an Nichtbanken verkaufen wollen. Oracle selbst hatte zuvor Anleihen über 18 Milliarden Dollar aufgenommen.

Banken "ersticken" an den Summen

Um die Risiken zu begrenzen, prüfen die Banken Kreditverkäufe und sogenannte Significant Risk Transfers. Bei letzteren bleibt der Kredit formal bei der Bank, ein Teil des Ausfallrisikos wird jedoch gegen eine Rendite an Kreditfonds, Versicherer oder andere Investoren weitergegeben.

Anzeige
DEC_D_Incontent-1

Matthew Moniot von der Man Group beschreibt das Problem laut Financial Times so: Die Summen seien so groß, dass Banken schnell "ersticken". Frank Benhamou von Cheyne Capital sieht diese Geschäfte als riskanter als übliche Risikotransfers. Es gebe nur wenige Betreiber, die Kredite seien stark gebündelt, und Bauprojekte könnten scheitern oder deutlich teurer werden als geplant.

Politischer Widerstand als zusätzliches Risiko

Neben finanziellen Unwägbarkeiten kommt politischer Gegenwind hinzu. Im US-Bundesstaat Maine beschloss das Parlament mit LD 307 ein Moratorium für Rechenzentren mit einer Leistung von 20 Megawatt oder mehr bis zum 1. November 2027. Das Gesetz sollte zudem einen Rat einsetzen, der Auswirkungen auf Stromkunden, Netz, Umwelt und Wirtschaft prüft.

Gouverneurin Janet Mills legte am 24. April 2026 jedoch ihr Veto ein. Sie begründete dies damit, dass das Gesetz ein 550-Millionen-Dollar-Projekt auf dem Gelände der früheren Androscoggin-Papierfabrik in Jay blockiert hätte. Dort erwartet Mills mehr als 800 Baujobs, mindestens 100 feste Stellen und höhere Steuereinnahmen. Das Veto blieb am 29. April 2026 bestehen. Statt des Gesetzes setzte Mills per Erlass einen 15-köpfigen Beratungsrat ein, der bis Januar 2027 Empfehlungen für den Umgang mit großen Rechenzentren in Maine vorlegen soll.

Anzeige
DEC_D_Incontent-2

KI-News ohne Hype – von Menschen kuratiert

Mit dem THE‑DECODER‑Abo liest du werbefrei und wirst Teil unserer Community: Diskutiere im Kommentarsystem, erhalte unseren wöchentlichen KI‑Newsletter, 6× im Jahr den "KI Radar"‑Frontier‑Newsletter mit den neuesten Entwicklungen aus der Spitze der KI‑Forschung, bis zu 25 % Rabatt auf KI Pro‑Events und Zugriff auf das komplette Archiv der letzten zehn Jahre.

Quelle: FT