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KI-Beben bei Google Deepmind: CEO Demis Hassabis tritt zurück, Chefforscher Jeff Dean geht

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Update –

Jeff Dean hat inzwischen eine Abschiedsnachricht bei X veröffentlicht, in der er seinen Kolleginnen und Kollegen dankt. "Es war ein absolutes Vergnügen, mit euch zu arbeiten und einige der am weitesten verbreiteten und wirkungsvollsten Produkte aller Zeiten mitzugestalten", schreibt Dean.

Google Deepmind (GDM) erlebt einen tiefgreifenden Führungswechsel: Demis Hassabis gibt die operative Leitung ab und wird Chief Scientist von Alphabet. Zeitgleich verlässt Chefforscher Jeff Dean nach 27 Jahren den Konzern, um ein eigenes KI-Unternehmen zu gründen, und nimmt hochrangige Forscher mit.

Hassabis begründet den Schritt damit, dass er sich stärker auf das "große Ganze" konzentrieren wolle. Man stehe an einem "entscheidenden Moment der Menschheitsgeschichte", schreibt er in seiner Nachricht an die Mitarbeitenden. Er habe sein ganzes Leben auf AGI hingearbeitet und fühle nun, dass es "in greifbarer Nähe" sei. In früheren Aussagen hatte Hassabis die aktuelle Situation als "am Anfang der Singularität" beschrieben.

In seiner neuen Rolle will Hassabis weiterhin eng mit Pichai an "strategischen und globalen AGI-Angelegenheiten" arbeiten und die Deepmind-Teams beratend begleiten. Hassabis bleibt am Firmensitz in London. Zusätzlich will er sich verstärkt seiner Rolle bei Isomorphic Labs widmen, Alphabets Tochterunternehmen für KI-gestützte Medikamentenentwicklung. Die Anwendung von KI auf die menschliche Gesundheit sei für ihn die "wichtigste Anwendung von KI", so Hassabis.

Die Nachfolge an der operativen Spitze von Google Deepmind übernimmt Koray Kavukcuoglu, bisher Chief Technology Officer von GDM und Chief AI Architect von Google. Er wird als Senior Vice President of Google Deepmind direkt an Pichai berichten und die Gemini-Modellentwicklung, die Frontier-KI-Forschung sowie die Teams für die Gemini-App und Entwicklerplattformen verantworten.

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Kavukcuoglu ist seit den Anfangstagen von Deepmind dabei und arbeitet seit über 13 Jahren mit Hassabis zusammen. Laut Pichai hat er das Deep-Learning-Team bei Deepmind aufgebaut und Durchbrüche wie WaveNet und DQN maßgeblich vorangetrieben. Hassabis betonte, er habe "volles Vertrauen" in Kavukcuoglu und das restliche Führungsteam.

Jeff Dean verlässt Google nach 27 Jahren

Parallel zum Führungswechsel an der Spitze von Deepmind verlässt Jeff Dean den Konzern. Gemeinsam mit Google Senior Fellow Sanjay Ghemawat gründet er Discovery Loop, eine Public Benefit Corporation mit dem Ziel, maschinelles Lernen, Wissenschaft und Engineering zu automatisieren, um wissenschaftliche Entdeckungen zu beschleunigen.

Der Ansatz des neuen Unternehmens: die Automatisierung des experimentellen Kreislaufs in der Forschung. Zunächst soll dies auf großskalige ML-Experimente angewendet werden, langfristig aber auf zahlreiche wissenschaftliche und technische Disziplinen übertragbar sein. Auch die großen KI-Labore Anthropic und OpenAI haben sich eine Beschleunigung und Automatisierung der Wissenschaft auf die Fahnen geschrieben.

Discovery Loop will den experimentellen Kreislauf in der Forschung automatisieren, von der Hypothese über das Experiment bis zur Auswertung. | Bild: Jeff Dean via X

Dean und Ghemawat gehören laut der Ankündigung zu den einflussreichsten Ingenieuren in Googles Geschichte. Sie waren maßgeblich an der frühen Suchinfrastruktur beteiligt und halfen, die neuronalen Netze zu entwickeln, die laut Pichai "die moderne KI-Ära mitbegründet haben".

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Google verliert Jahrzehnte an KI-Kompetenz

Als Mitgründer von Discovery Loop treten neben Dean und Ghemawat auch Oriol Vinyals und Quoc Le auf. Vinyals war federführend bei der Entwicklung von AlphaStar, der KI, die menschliche Profispieler in StarCraft II besiegte, und leitete zuletzt das Gemini-Team bei Google Deepmind. Erst im Juni wechselte der vorherige Gemini-Lead Noam Shazeer zu  OpenAI.

Quoc Le gilt als Pionier des Deep Learning bei Google, war Mitbegründer von Google Brain und maßgeblich an der Entwicklung von Sequence-to-Sequence-Modellen beteiligt, die moderne maschinelle Übersetzung ermöglichten. Die vier haben laut Dean zwischen 14 und 30 Jahren zusammengearbeitet.

Die vier Mitgründer von Discovery Loop haben viele von Googles Kernprodukten, Infrastruktursystemen und KI-Systemen mitentwickelt, von der Suche und MapReduce bis zu AlphaFold und Gemini. | Bild: Jeff Dean via X

Die Seed-Finanzierung wird von Radical Ventures und Khosla Ventures angeführt, mit Beteiligung von Lightspeed, Kleiner Perkins, Doerr Capital und Alphabet selbst. Die Runde soll in den kommenden Wochen abgeschlossen werden. Alphabet bleibt zudem als Cloud-Partner verbunden und will bei einem Forschungsrahmen für ML-Systeme und Infrastruktur zusammenarbeiten.

Das Startup sieht seinen Ansatz als anwendbar auf nahezu alle 14 Grand-Challenge-Probleme der National Academy of Engineering. | Bild: Jeff Dean via X

Auffällig ist, dass Jeff Dean bei X zwar sein neues Startup vorstellt, aber mit keinem Wort seinem alten Arbeitgeber dankt (siehe Update). Das scheint ungewöhnlich, normalerweise haben gerade profilierte Angestellte hier vorbereitete Abschiedsstatements. Womöglich ist also mehr vorgefallen bei Google, das unter zunehmendem Wettbewerbsdruck im KI-Bereich steht, insbesondere da es den Anschluss an die Spitzenmodelle von OpenAI und Anthropic im wichtigen Kernfeld Coding verloren hat. Lösen soll das Gemini 4, ein neues, "deutlich größeres" Basismodell, das derzeit im Training ist; Erscheinungsdatum unbekannt.

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