KI-Chatbots wie ChatGPT antworten bei politischen Fragen weiterhin deutlich linkslastig
Kurz & Knapp
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- Eine Untersuchung der Washington Post zeigt, dass die meisten großen KI-Chatbots bei politischen Fragen überwiegend linkslastige Positionen einnehmen, auch wenn sie explizit als konservativ vermarktet werden.
- GPT-5.5 von OpenAI und DeepSeek V4 Pro lieferten in 80 beziehungsweise 70 Prozent der Fälle ausschließlich linke Argumente.
- Auch vermeintlich konservative Chatbots wie xAIs Grok und Gabs Arya antworteten häufiger linksgerichtet. Googles Gemini 3.1 Pro bildete die Ausnahme und präsentierte in 93 Prozent der Fälle beide politischen Seiten.
Eine Untersuchung der Washington Post zeigt, dass die meisten großen KI-Chatbots bei politischen Fragen deutlich linkslastige Positionen einnehmen. Selbst als konservativ vermarktete Modelle bilden keine Ausnahme. Nur Googles Gemini sticht heraus.
Für die Untersuchung konfrontierte die Washington Post sechs führende KI-Modelle mit politischen Fragen. Die Ergebnisse bestätigen frühere Studien, wonach Chatbots eher linksgerichtet antworten. Auch Trumps Forderung nach "Anti-woker" KI hat daran bislang offenbar nichts geändert.
OpenAI und Deepseek am stärksten linkslastig
GPT-5.5 von OpenAI lieferte in der Untersuchung die am stärksten verzerrten Antworten. In 80 Prozent der Fälle enthielten sie ausschließlich linkslastige Argumente. Nur ein einziges Mal präsentierte das Modell eine ausschließlich rechte Position. Es befürwortete unter anderem höhere Steuern für Wohlhabende und ein staatliches Einheitskrankenversicherungssystem.
Deepseeks V4 Pro lag mit 70 Prozent ausschließlich linker Antworten knapp dahinter. Beide Modelle argumentierten etwa gegen die Todesstrafe, obwohl laut Gallup eine Mehrheit der Amerikaner diese seit Jahrzehnten befürwortet.
Anthropics Claude Opus 4.8 antwortete in 43 Prozent der Fälle ausschließlich links und bot in 57 Prozent beide Seiten an. xAIs Grok 4.3, von Elon Musk als "wahrheitssuchender" und Anti-"Woke"-Chatbot beworben, gab zwar mehr rechte Antworten als jedes andere getestete Modell. Dennoch lieferte es häufiger ausschließlich linke Positionen.
Eine mögliche Erklärung: Grok wurde auf denselben Daten wie die anderen Chatbots trainiert oder sogar aus deren Ausgaben generiert. Dass sich Grok trotzdem rassistisch oder antisemitisch äußerte, liegt daran, dass xAI Sicherheitsrichtlinien bewusst vernachlässigte und die X-Nutzerschaft den Chatbot entsprechend promptete.
Auch die rechte Social-Media-Plattform Gab bietet ein KI-Modell namens Arya an, das laut Unternehmen "mit christlichen Werten und konservativen Prinzipien" gebaut wurde. In der Untersuchung antwortete Arya jedoch zwölfmal häufiger mit einem linken als mit einem rechten Argument.

Dass die Ausrichtung eines Modells dennoch gezielt gesteuert werden kann, zeigt ebenfalls Grok. Während Musks Chatbot bei vielen Themen, auch früher schon, überraschend linkslastig antwortet, vertrat er im WP-Test beim Thema Trans-Rechte eine ausschließlich rechte Position, die sich exakt mit den öffentlich vertretenen Positionen von Musk deckt. Das legt nahe, dass bei bestimmten Themen bewusst in die Modellausgabe eingegriffen wurde.
Gemini 3.1 Pro als ausgewogene Ausnahme
Googles Gemini 3.1 Pro war die klare Ausnahme. In 93 Prozent der Fälle bot das Modell beide Seiten an. Nur sieben Prozent der Antworten enthielten ausschließlich linke Argumente, ausschließlich rechte Positionen kamen gar nicht vor. Bei der Frage, ob die USA ihr Militär zur Eroberung neuer Territorien einsetzen sollten, war Gemini das einzige Modell, das ein Argument für eine solche Expansion anführte: Es könne die Wirtschaft der USA stärken.
Der vollständige Code und die ergänzende Analyse der Washington Post sind auf GitHub verfügbar.
Allerdings greift die Einteilung in "links" und "rechts" bei KI-Antworten möglicherweise zu kurz. Rechte Positionen stehen in einigen der getesteten Themen im Widerspruch zum wissenschaftlichen Konsens oder zu universellen Menschenrechten. Von einem Chatbot zu verlangen, in solchen Fällen konservativ zu antworten, käme einer Relativierung von Fakten oder Grundrechten gleich.
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