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Kreative fühlen sich von KI gleichzeitig gebremst und bedroht

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Anthropic

Eine Befragung von 81.000 Claude-Nutzern zeigt, dass neue Fähigkeiten knapp vor Beschleunigung als häufigster Produktivitätsgewinn liegen. Kreative hingegen fühlen sich gleichzeitig gebremst und bedroht. Die Stichprobe hat allerdings einen deutlichen Bias.

Wenn KI die Arbeit verändert, dann nicht primär durch Tempo. Das legt eine Umfrage von Anthropic unter 81.000 Claude-Nutzern nahe. 48 Prozent derjenigen, die konkrete Produktivitätseffekte beschrieben, nannten eine Erweiterung ihres Tätigkeitsspektrums als wichtigsten Gewinn, 40 Prozent betonten reine Beschleunigung. Kein gewaltiger Abstand, aber bemerkenswert ist, dass Scope überhaupt vor Speed liegt: KI erschließt demnach etwas häufiger völlig neue Fähigkeiten, als dass sie bestehende Aufgaben schneller macht.

Allerdings ist die Stichprobe alles andere als repräsentativ, was die Autoren selbst einräumen. Befragt wurden ausschließlich Nutzer persönlicher Claude.ai-Accounts, die freiwillig teilnahmen. Wer KI privat oder als Solopreneur einsetzt, dürfte eher über neue Möglichkeiten berichten als jemand, der das Tool vom Arbeitgeber vorgesetzt bekommt, um bestehende Aufgaben effizienter abzuarbeiten. Enterprise-Nutzer fehlen in der Erhebung komplett. Das verzerrt vermutlich sowohl die hohe Gewichtung von Scope gegenüber Speed als auch die Einschätzung, dass die Produktivitätsgewinne vor allem den Nutzern selbst zugutekommen.

Die Beispiele aus der Studie illustrieren diesen Bias indirekt: Ein Lieferfahrer nutzt Claude, um ein E-Commerce-Unternehmen zu gründen, ein Landschaftsgärtner baut eine Musik-App. Das sind klassische Nebenprojekte intrinsisch motivierter Privatnutzer. Nicht gemessen wird zudem, wie erfolgreich diese Projekte tatsächlich sind. Wenn sich etwa ein Befragter ohne technischen Hintergrund laut der Studie als "kein Techie, aber jetzt Full-Stack-Entwickler" beschreibt, ist Skepsis angebracht.

Aber: Für diese Gruppe fungiert KI als Zugang zu Tätigkeiten, die vorher unerreichbar waren, in welcher Qualität auch immer.

Höchste und niedrigste Einkommen profitieren am meisten

Überraschend ist laut den Autoren Maxim Massenkoff und Saffron Huang die Verteilung der Produktivitätsgewinne nach Einkommen. Sowohl die bestbezahlten als auch die am schlechtesten bezahlten Berufsgruppen berichten die größten Vorteile. An der Spitze stehen Management-Berufe, darunter viele Solopreneure, direkt dahinter Computer- und Mathematikberufe. Das Ergebnis für die Hochverdiener halte auch, wenn man IT-Berufe herausrechne, so die Studie.

Dass Niedriglohnbeschäftigte ebenfalls hohe Gewinne melden, passt zum bereits beschriebenen Bias: Viele von ihnen nutzen KI nicht für ihren eigentlichen Job, sondern für technische Nebenprojekte. Der Lieferfahrer mit dem E-Commerce-Business taucht in der Statistik neben dem Softwareentwickler auf, obwohl die beiden KI in völlig unterschiedlichen Kontexten einsetzen.

Eine gegenläufige Dynamik zeigt sich bei Kreativen. Bildende Künstler und Autoren empfinden KI laut der Studie als zu starr und einschränkend, um ihnen bei der eigenen Arbeit zu helfen. Gleichzeitig fürchten sie, dass die Verbreitung von KI in kreativen Feldern ihre Auftragslage verschlechtert. Dieser Befund spiegelt sich in einem U-förmigen Zusammenhang zwischen erlebter Beschleunigung und Jobangst: Selbst wer durch KI langsamer wird, äußert überdurchschnittlich hohe Sorge vor Verdrängung. Umgekehrt steigt die Angst auch bei denen, die die größten Beschleunigungen erleben, was ökonomisch nachvollziehbar ist: Wer sieht, wie schnell KI die eigenen Aufgaben erledigt, fragt sich eher, wie lange der Job noch existiert.

Insgesamt äußerte ein Fünftel aller Befragten Sorge vor Jobverlust, Berufsanfänger deutlich häufiger als erfahrene Fachkräfte. Die durchschnittliche Produktivitätsbewertung lag bei 5,1 von 7. Die Mehrheit sah den Nutzen bei sich selbst, nicht beim Arbeitgeber, was angesichts der fehlenden Enterprise-Nutzer in der Stichprobe wenig überrascht.

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