Mehrzahl der US-Bürger hat Angst, den Job und das Gehirn an KI zu verlieren
Kurz & Knapp
- Eine Umfrage von Anthropic unter knapp 52.000 US-Amerikanern zeigt, dass die Heilung schwerer Krankheiten wie Krebs oder Alzheimer mit 48 Prozent die größte Hoffnung der Befragten in Bezug auf Künstliche Intelligenz ist.
- Die größten Bedenken betreffen den Arbeitsmarkt und die eigenen Fähigkeiten: 64 Prozent fürchten einen Jobverlust durch KI, während 56 Prozent eine kognitive Abhängigkeit und den Verlust des eigenständigen Denkens befürchten.
- Eine Mehrheit lehnt den Einsatz von KI am eigenen Arbeitsplatz generell ab. Die Umfrage zeigt aber auch: Die KI-Nutzung verringert wahrscheinlich durch praktische Erfahrung die Ängste deutlich.
Eine Großumfrage von Anthropic unter fast 52.000 US-Amerikanern zeigt: Die Angst vor KI-bedingtem Jobverlust und kognitiver Abhängigkeit ist weit verbreitet.
Anthropic hat die Ergebnisse seiner ersten repräsentativen Umfragereihe Anthropic Public Record veröffentlicht. Die zwischen November und Dezember 2025 vom Meinungsforschungsinstitut YouGov durchgeführte Online-Befragung umfasst 51.993 US-Amerikanerinnen und -Amerikaner ab 16 Jahren aus allen 50 Bundesstaaten, dem District of Columbia und Puerto Rico. Es handelt sich laut Anthropic um die erste Befragung, die sich an die allgemeine Öffentlichkeit richtet und nicht nur an Nutzer des hauseigenen Chatbots Claude.
Heilung von Krankheiten ist die größte Hoffnung, Jobverlust die größte Angst
Auf die Frage nach ihren drei größten Hoffnungen an KI nannten 48 Prozent der Befragten die Heilung von Krankheiten wie Krebs oder Alzheimer. Mit deutlichem Abstand folgte die Unterstützung von Menschen mit Behinderungen (36 Prozent). Technologischer Fortschritt und die allgemeine Erleichterung des Alltags lagen gleichauf bei jeweils 23 Prozent. Am wenigsten erhofften sich die Befragten von KI in den Bereichen Therapie und Verringerung von Einsamkeit, was häufig als KI-Potenzial diskutiert wird (und auch schon Schaden verursacht hat).

Auch die Ängste sind eindeutig: 64 Prozent der Amerikaner sorgen sich laut der Umfrage darum, dass KI Arbeitsplätze kosten könnte. Die Sorge vor Jobverlust steigt mit dem Bildungsniveau und steht in jedem einzelnen Bundesstaat an erster Stelle. An zweiter Stelle folgt die Furcht vor kognitiver Abhängigkeit, also dem Verlust der Fähigkeit, eigenständig zu denken, mit 56 Prozent. Fehlinformationen belegen mit 52 Prozent den dritten Platz. Nur 15 Prozent der Befragten vertrauen KI-Firmen bei ihren Entscheidungen über die Entwicklung und den Einsatz der Technologie.

Jede dieser Ängste hat laut Anthropic Vorläufer in früheren Technologien, etwa Automatisierung, Smartphones oder soziale Medien. Zudem: Die Amerikaner sorgen sich insgesamt stärker über den Missbrauch von KI durch Menschen als über ein Szenario, in dem KI eigenständig "außer Kontrolle gerät", das gerne in Teilen der KI-Branche diskutiert wird.
Kognitive Abhängigkeit: Gefürchtet, aber kaum erlebt
Die zweitgrößte Angst, die kognitive Abhängigkeit, entpuppt sich laut der Umfrage als weitgehend antizipierte Sorge. Von den 56 Prozent, die sich darüber Sorgen machen, würde nur etwa ein Fünftel tatsächlich erhebliche Einschränkungen empfinden, wenn KI morgen nicht mehr verfügbar wäre. Paradoxerweise zeigt sich bei den 44 Prozent, die sich keine Sorgen machen, ein höherer Anteil von etwa einem Drittel, der wirklich Störungen erleben würde.
Besonders besorgt über kognitive Abhängigkeit sind laut Anthropic Beschäftigte in den Bereichen Kunst und Design sowie im Bildungswesen. Pädagogen berichten laut einer früheren Untersuchung 2,5- bis 3-mal häufiger als der Durchschnitt, kognitive Atrophie bei ihren Schülern aus erster Hand beobachtet zu haben.

Mehrheit will keine KI am eigenen Arbeitsplatz
Obwohl die Befragten KI durchaus Kompetenz zuschreiben (etwa 75 Prozent halten KI bei Recherche für mindestens so gut wie Menschen), lehnt eine Mehrheit KI-Beteiligung an der eigenen Arbeit ab. Selbst bei den als am fähigsten eingeschätzten Aufgaben wie Recherche und Datenanalyse wünscht sich fast die Hälfte keinerlei KI-Einsatz.
Bei den meisten Aufgaben wollte eine Mehrheit der Amerikaner keine KI-Beteiligung an ihrer Arbeit, und selbst bei den Aufgaben, bei denen sie KI als am fähigsten einschätzten, wie Recherche und Datenanalyse, gaben fast die Hälfte der Befragten an, keinerlei KI-Einsatz an ihrem eigenen Arbeitsplatz zu wünschen.
Anthropic
Die Akzeptanz steigt allerdings proportional zur wahrgenommenen Kompetenz: Je besser KI in einem Bereich eingeschätzt wird, desto eher sind die Befragten bereit, sie dort einzusetzen.
Und: Wer KI täglich bei der Arbeit einsetzt, ist jedoch deutlich weniger besorgt (54 Prozent) vor einem möglichen Jobverlust als Personen, die KI überhaupt nicht nutzen (70 Prozent). Praxiserfahrung scheint die Angst zu dämpfen, möglicherweise weil sie sowohl die Möglichkeiten der Ergänzung als auch die Grenzen der Technologie sichtbar macht.
Vor kurzem hatte Anthropic bereits eine qualitative Studie mit 81.000 Claude-Nutzern veröffentlicht, die mithilfe des hauseigenen Tools "Anthropic Interviewer" durchgeführt wurde. Auch dort waren Jobverlust und kognitive Abhängigkeit unter den meistgenannten Sorgen.
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