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Nach OpenAI verschiebt auch Anthropic angeblich den Börsengang

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Kurz & Knapp

  • Anthropic verschiebt seinen geplanten Börsengang von Oktober auf voraussichtlich November 2026, halb-offiziell, um vorab starke Finanzzahlen für das dritte Quartal vorzulegen.
  • Investoren rechnen mit einer Bewertung von rund zwei Billionen US-Dollar und einer Kapitalaufnahme von bis zu 100 Milliarden US-Dollar.
  • Neben den massiven Kosten dürften auch der Konkurrenzdruck durch OpenAI, steigende Zinsen sowie unversicherte Sicherheits- und Cyberrisiken bei Testvorfällen zur Verzögerung beitragen. Auch OpenAI hatte seinen Börsengang zuvor auf 2027 verlegt.

Anthropic verschiebt seinen geplanten Börsengang von Oktober auf voraussichtlich November 2026.

Das Claude-Chatbot-Unternehmen hatte ursprünglich einen IPO im Oktober angepeilt. Nun zeichnet sich laut The Information und dem Wall Street Journal ab, dass der Börsengang frühestens Ende Oktober, wahrscheinlich aber erst im November stattfinden wird. Als Begründung heißt es seitens Anthropic-Beratern, man wolle starke Finanzzahlen für das dritte Quartal vorlegen können. So richtig schlüssig ist das nicht, denn gerade nach einem bereits erfolgten Börsengang wären starke Quartalszahlen ein zusätzlicher Kursbooster.

Der Umsatz wuchs laut The Information zwischen dem ersten und zweiten Quartal 2026 von rund 4,7 Milliarden auf mehr als 11,5 Milliarden US-Dollar. Die Ausgaben für Computing-Infrastruktur stiegen im selben Quartalsvergleich um 65 Prozent, von 3,4 auf 5,6 Milliarden US-Dollar. Die sogenannte "bereinigte operative Marge" verbesserte sich von minus 13 Prozent im ersten Quartal auf einen positiven einstelligen Prozentbereich im zweiten Quartal.

Investoren erwarten eine Bewertung von rund 2 Billionen US-Dollar und eine Kapitalaufnahme von bis zu 100 Milliarden US-Dollar. Beide Werte würden die Rekorde übertreffen, die SpaceX bei seinem Börsengang im Juni aufgestellt hat.

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Ende 2025 hatten laut The Information rund 1.500 Unternehmen in den vorangegangenen zwölf Monaten jeweils mehr als 100.000 US-Dollar für Anthropics KI-Software ausgegeben. Bis Ende des zweiten Quartals 2026 hatte sich diese Zahl auf etwa 6.000 vervierfacht. Im selben Zwölfmonatszeitraum gaben über 100 Firmen jeweils mehr als 10 Millionen US-Dollar aus, mehr als 1.000 jeweils über eine Million. Für 2028 prognostiziert Anthropic angeblich einen Umsatz von rund 190 bis 200 Milliarden Dollar.

Der Börsengang soll dem Unternehmen vor allem Zugang zu Schulden- und Eigenkapitalmärkten für die kommenden Jahre eröffnen. Das dürfte auch nötig sein: Zwar verfügte Anthropic Anfang August nach eigenen Angaben über 120 bis 130 Milliarden US-Dollar an Barreserven, doch die geplanten Investitionen in Rechenzentren und Modelltraining dürften diese Reserven deutlich abschmelzen lassen. Allein der im Mai geschlossene Vertrag mit SpaceX über Computing-Infrastruktur kostet 1,25 Milliarden US-Dollar monatlich.

OpenAI, Cybersecurity und eine nach wie vor anspruchsvolle Rechnung

Potenzielle Gründe für die IPO-Verzögerung gibt es viele, wahrscheinlich ist es eine Kombination der Faktoren. Zwar gab Anthropic zuletzt an, profitabel zu sein. Die Zahlen ließen allerdings ganz wesentliche Kostenpunkte wie aktienbasierte Vergütungen aus, entsprachen also nicht dem üblichen Bilanzierungsstandard.

Zudem hatte OpenAI zuletzt dank Astra wieder zugelegt und auf der KI-Modell-Plattform OpenRouter die Nase vorn. Beide Firmen müssen in den nächsten Monaten weiter sehr steile Wachstumskurven vorlegen, um den massiven Rechenzentrumsausbau zu rechtfertigen. Hinzu kommen steigende Zinsen, die den Bau von Rechenzentren verteuern, sowie die wachsende Konkurrenz durch günstigere Open-Weight-Modelle.

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Und dann wäre da noch die Sicherheitsdebatte rund um angeblich zu gefährliche KI-Modelle. Schaut man sich allein deren Cybersecurity-Fähigkeiten und die "ungewollten Hacks" bei Sicherheitstests an, die neben OpenAI auch Google, Anthropic und Meta passiert sind, kann man sich vorstellen, dass signifikante operative Risiken bestehen, solange solche Schäden nicht versichert sind. Bisher wurden sie erstaunlicherweise nicht als Angriff bewertet, sanktioniert oder beklagt, sondern eher als eine Art "KI-Neuheit" behandelt. Dass das so bleibt, ist unwahrscheinlich, gerade wenn das Unternehmen an der Börse ist und stärker unter Beobachtung steht.

Auch OpenAI verschob seinen Börsengang auf 2027. Sam Altman begründete das mit angeblichen Sicherheitsbedenken und der Aussage, es gebe gute Gründe, warum ein AGI-Unternehmen in einer transformativen Phase wie dieser besser privat bleiben sollte. Dass das bestenfalls ein Teil der Wahrheit sein dürfte, liegt anhand all der anderen möglichen Faktoren auf der Hand.

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Quelle: WSJ | The Information