NYU-Finanzprofessor warnt: KI-Crash könnte schmerzhafter werden als das Platzen der Dotcom-Blase
Der Finanzprofessor Aswath Damodaran von der New York University warnt davor, dass ein möglicher Crash im KI-Sektor schmerzhafter ausfallen könnte als das Platzen der Dotcom-Blase um das Jahr 2000.
Im Podcast "Intangible Economy" erklärt er, dass die KI-Branche im Gegensatz zur Dotcom-Ära riesige Investitionen in physische Infrastruktur erfordere, die zudem stark mit Schulden finanziert seien. Wenn eine Korrektur komme, treffe der Schmerz nicht nur Aktionäre, sondern könne auf die gesamte Gesellschaft übergreifen.
Zudem hat Damodaran Zweifel an der Skalierbarkeit des KI‑Geschäftsmodells. Für ihn ist KI kein klassisches Softwaregeschäft. Die Kosten sinken nicht automatisch gegen null, wenn die Nutzerzahl steigt. Jede zusätzliche Nutzung verursacht Rechenkosten, ähnlich wie Spotify für jeden Stream zahlt.
Der Skaleneffekt ist damit deutlich schwächer als bei Netflix, wo hohe Content-Kosten auf immer mehr Abonnenten verteilt werden können. Wachstum bei schlechten Margen könne sogar Wert vernichten. Hinzu komme das Risiko von Preisverfall, etwa durch chinesische Konkurrenz wie Deepseek. Die Margen seien ohnehin niedrig.
Damodaran warnt allerdings auch vor dem optimistischen Szenario. Wenn KI tatsächlich so groß werde wie versprochen, würde "die Hälfte aller Büroangestellten" ihre Jobs verlieren. Das Geschäftsmodell bestehe dann darin, ganze Jobs zu ersetzen, statt KI als Werkzeug zu verkaufen. "Was machen sie dann? Wer gibt das Geld aus? Wie gehen wir damit als Gesellschaft um?", fragt Damodaran. Der Wirtschaftswissenschaftler nennt dieses Szenario einen Fiebertraum.
Big-Tech-Unternehmen in neuen Gefilden
Laut dem Podcast besitzt Damodaran fünf der sieben sogenannten "Magnificent Seven"-Aktien, darunter Amazon seit 1997. Er müsse sich damit abfinden, dass sich diese Unternehmen durch die hohen KI-Investitionen grundlegend verändern. Statt nur auf Margen und neue Geschäftsfelder zu achten, müsse er nun auch Kapitalausgaben und Abschreibungen analysieren. Bei diesen ehemals kapitalleichten Unternehmen habe das früher keine Rolle gespielt.
Diese Unternehmen seien es gewohnt gewesen, mit wenig Kapitaleinsatz zu wachsen. Nun bauten sie riesige Fabriken und Infrastruktur, die über zehn Jahre abgeschrieben werde, aber schon nach fünf Jahren veraltet sein könne. "Ich bin mir nicht sicher, ob sie wirklich wissen, worauf sie sich da einlassen", sagt Damodaran.
Apples zurückhaltende Strategie findet er dagegen klüger. Viele Analysten kritisierten Apple dafür, nicht voll einzusteigen. Doch Damodaran sieht darin eine Stärke: Zurückhaltung werde in der Wirtschaft unterschätzt. Apple könne die Fehler anderer abwarten und daraus lernen, statt selbst Milliarden in Bereiche zu stecken, in denen es keine Erfahrung habe.
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