OpenAI-CEO Altman sieht "proaktive KI" als nächste große Phase nach Chatbots und Agenten
Nach Chat-Modellen und KI-Agenten soll die nächste Stufe eine ständig im Hintergrund laufende, proaktive KI sein. Doch viele Unternehmen kämpfen noch mit den Grundlagen: zu hohe Kosten, zu viele Produkte und zu wenig tatsächliche Nutzung.
Bei einem von OpenAI veranstalteten Enterprise-Event hat CEO Sam Altman eine Drei-Phasen-These für die Entwicklung von KI-Produkten skizziert: Demnach waren Chat-Modelle wie ChatGPT das erste große Produkt. Die zweite Kategorie seien agentenbasierte Systeme wie Codex, die eigenständig komplexe Aufgaben erledigen können. Die dritte und kommende Phase werde jedoch eine grundlegend andere sein: "proaktive KI", die ständig im Hintergrund läuft.
"Ich wette, dass als Nächstes die Idee einer ständig laufenden, proaktiven KI kommt", so Altman. Wenn es eine Sache gebe, auf die man sich als Unternehmen im nächsten Jahr vorbereiten solle, dann sei es diese.
Agenten als Antwort auf ein fragmentiertes Produktangebot
Die aktuelle Agenten-Phase sei laut Altman die bislang größte Produktkategorie und eine direkte Reaktion auf Kundennachfrage gewesen. Nutzer seien zunehmend unsicher, wann sie Chat, Codex oder eine API nutzen sollen, und hätten Schwierigkeiten, den nötigen Kontext zusammenzuziehen und alle verfügbaren Plug-ins zu kombinieren.
OpenAI wolle diese Agenten-Kategorie noch deutlich weiter vorantreiben. Sie solle die Grundlage schaffen, um "alles andere zu ermöglichen, was wir vorhaben", so der OpenAI-CEO.
Steigende KI-Kosten werden zum Thema
Parallel zur technologischen Entwicklung zeichnet sich laut Altman ein handfestes Problem ab: die Kosten. Er bezeichnet sie als "wahrscheinlich das zweitgrößte Thema" derzeit, und verweist unter anderem auf Uber, das laut eigenen Angaben das KI-Budget fürs Jahr bereits im ersten Quartal ausgegeben hat. OpenAI wolle hier gegensteuern und arbeite daran, mit seinen Modellen mehr Wert für weniger Kosten zu ermöglichen.
Bemerkenswert sei der Wandel: Noch Anfang des Jahres seien Kosten kein Thema gewesen. Die Unternehmen hätten sich mit ihren Ausgaben wohl gefühlt. Inzwischen sei das Kostenproblem jedoch "ein riesiges Thema" geworden, so Altman. Eine umfassende Einordnung zu dieser entstehenden Tokenökonomie bietet unser neues KI-Radar.
Die meisten Nutzer wissen nicht, was sie fragen sollen
Mindestens ebenso gravierend scheint ein Nutzungsproblem zu sein. Die meisten Menschen wüssten schlicht nicht, wie sie KI-Systeme richtig einsetzen sollen. Ihnen sei bewusst, dass sie die Technologie nicht genug nutzen und nicht den vollen Wert daraus ziehen.
"Es ist schwer, zu lernen, auf neue Arten zu arbeiten", räumt Altman ein, die "Aktivierungsenergie" sei noch zu hoch. Selbst wenn OpenAI beeindruckende Anwendungsfälle demonstriere, nutzten die meisten Kunden KI nicht auf diese Weise.
Die Antwort auf dieses Dilemma sieht OpenAI offenbar auch in der proaktiven KI. Statt darauf zu warten, dass Nutzer die richtigen Fragen stellen, soll die Technologie im Hintergrund laufen. Der Nutzer müsse dann nicht mehr verstehen, was KI kann. Oder anders: Wenn der Nutzer KI nicht sinnvoll nutzt, automatisiere um den Nutzer herum.
"Kann man OpenAI nicht einfach als Agenten im Hintergrund laufen lassen, die ganze Zeit, verbunden mit dem gesamten Kontext meines Unternehmens? Und mir nicht einmal zumuten, verstehen zu müssen, was es alles kann. Sei einfach nützlich für mich", beschreibt Altman die Vision.
Dieser Schritt zur proaktiven KI werde allerdings erhebliche Anpassungen erfordern. Unternehmen müssten laut Altman die Art und Weise ändern, wie sie KI implementieren, ihre Sicherheits- und Safety-Protokolle neu gestalten und ihre Compute-Allokation überdenken. Eine KI, die ständig im Hintergrund läuft und auf den gesamten Unternehmenskontext zugreift, stellt naturgemäß andere Anforderungen an Datenschutz und Sicherheitsarchitektur als ein Chatfenster, das auf einzelne Anfragen reagiert.
KI-News ohne Hype – von Menschen kuratiert
Mit dem THE‑DECODER‑Abo liest du werbefrei und wirst Teil unserer Community: Diskutiere im Kommentarsystem, erhalte unseren wöchentlichen KI‑Newsletter, 6× im Jahr den "KI Radar"‑Frontier‑Newsletter mit den neuesten Entwicklungen aus der Spitze der KI‑Forschung, bis zu 25 % Rabatt auf KI Pro‑Events und Zugriff auf das komplette Archiv der letzten zehn Jahre.
Jetzt abonnierenDer Rest ist für Abonnenten.
Jetzt Abo abschließen.
- Zugriff auf alle THE DECODER Artikel.
- Lesen ohne Ablenkung – keine Google-Werbebanner.
- Zugang zum Kommentarsystem und Austausch mit der Community.
- Wöchentlicher KI-Newsletter.
- 6× jährlich: “KI Radar” – Deep-Dives zu den wichtigsten KI-Themen.
- Bis zu 25 % Rabatt auf KI Pro Online-Events.
- Zugang zum kompletten Archiv der letzten zehn Jahre.
- Die neuesten KI‑Infos von The Decoder – klar und auf den Punkt.