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OpenAIs neues KI-Modell soll mehr als 100 offene Mathe-Probleme in nur einem Monat gelöst haben

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Kurz & Knapp

  • OpenAI gibt an, dass ein neues internes Modell nach rund einem Monat Trainingszeit mehr als 100 lange offene mathematische Probleme gelöst habe.
  • Als Reaktion auf Kritik aus der Fachwelt, die durch reine KI-Lösungen einen Verlust des konzeptionellen Verständnisses befürchtet, richtet das Unternehmen eine unabhängige Beratungsgruppe am Institute for Advanced Study ein.
  • Das Gremium, dem unter anderem Fields-Medaillen-Träger Timothy Gowers angehört, soll die Kommunikation mit der Öffentlichkeit und der Fachwelt begleiten, hat laut OpenAI jedoch keinen Einfluss auf das interne Forschungstempo des Unternehmens.

Um die wachsende Kritik aus der Mathematik-Community aufzufangen, richtet OpenAI eine unabhängige Beratungsgruppe mit hochkarätigen Mathematikern ein.

Ein neues internes Modell von OpenAI soll neben dem Navier-Stokes-Millenniumproblem mehr als 100 seit Langem offene Probleme aus den meisten Bereichen der Mathematik gelöst haben. Das erklärt das Unternehmen in seiner Mitteilung zur Gründung einer mathematischen Beratungsgruppe und verweist auf eine Übersicht zum Fortschritt des Modells.

Das Training begann laut OpenAI erst am 28. August, die Trainingsphase dauerte also nur rund einen Monat. Dennoch habe das Tempo der Fortschritte selbst die Mathematiker im Unternehmen überrascht, schreibt OpenAI. Intern werde deshalb darüber diskutiert, wie sich die Fachwelt rechtzeitig informieren und auf die Entwicklung vorbereiten könne. Unter den gelösten Problemen ist angeblich auch ein neues Millennium-Preis-Problem, die Hodge-Vermutung.

Die Angaben sind zunächst Behauptungen des Unternehmens. Ob und wie diese Aufgaben tatsächlich gelöst wurden, und was das letztlich für die Fachwelt oder die Forschung insgesamt bedeutet, bleibt abzuwarten. Rund um die Veröffentlichung der Navier-Stokes-Lösung gab es bereits heftigen Streit mit Teilen der wissenschaftlichen Community.

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Seltsam mutet diese Entwicklung auch deshalb an, weil Chefwissenschaftler Jakub Pachocki zuvor erklärt hatte, man habe sich bewusst gegen eine Optimierung auf mathematische Lösungen entschieden und setze eher auf rekursive Selbstverbesserung. Skeptiker könnten OpenAI vorwerfen, dass das Unternehmen über die PR-Wirkung gelöster komplexer Matheprobleme seine Investoren bei der Stange halten oder neue gewinnen will.

Welchen Wert haben Lösungen ohne Verständnis?

Das KI-Labor reagiert mit der Ankündigung insbesondere auf Kritik aus der Mathematik. Im offenen Brief "A Severe Misalignment of AI in Mathematics" warnen Mathematiker vor negativen Folgen, wenn die Lösung offener Forschungsprobleme als Leistungsmaßstab für neue KI-Systeme dient. Diese Massenlösungen untergrüben das konzeptionelle Verständnis als eigentliches Ziel der mathematischen Disziplin und darüber hinaus: letztlich eine Bedrohung für den menschlichen Intellekt.

OpenAI arbeitet daher nach eigenen Angaben mit Mathematikern zusammen, die eine unabhängige Beratungsgruppe gegründet haben. Die Advisory Group on Mathematics and Artificial Intelligence, angesiedelt am Institute for Advanced Study, soll eine Verbindung zur mathematischen Fachwelt und zur breiteren Öffentlichkeit herstellen.

OpenAI begründet den Beratungsbedarf auch mit der Bedeutung mathematischer Forschung über das eigene Fach hinaus: Neue Erkenntnisse könnten zahlreiche Anwendungen ermöglichen, deshalb sei die verantwortliche Entwicklung und Bereitstellung entsprechender KI-Fähigkeiten nicht allein für Mathematiker relevant.

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Die Zusammenarbeit mit der Beratungsgruppe sei ein erster Schritt. Offen blieben schwierige Fragen dazu, wie KI mathematisches Verständnis unterstützen könne und wie ihr möglicher Nutzen eine größere Gemeinschaft erreiche. Wie eine breitere Bereitstellung aussehen soll, prüft das Unternehmen nach eigenen Angaben noch.

Unabhängig, aber ohne Einfluss auf das Forschungstempo

OpenAI betont, die Beratungsgruppe operiere unabhängig. Die Mitglieder hätten die Freiheit, auch unaufgefordert Ratschläge zu erteilen, OpenAIs Einfluss auf die Mathematik öffentlich zu kommentieren und ihre Empfehlungen publik zu machen. Sie würden nicht von OpenAI bezahlt und könnten die Zusammensetzung der Gruppe selbst bestimmen.

Eine wesentliche Einschränkung formuliert OpenAI allerdings explizit: Die Gruppe sei "nicht dafür zuständig, uns zu beraten, wie wir unser internes Tempo des Fortschritts in der Mathematik steuern sollen." OpenAI behält sich also vor, die Geschwindigkeit seiner mathematischen KI-Forschung unabhängig von externem Rat beizubehalten. Die Mathematiker dürfen beraten, wie Ergebnisse kommuniziert werden, nicht aber, ob und wie schnell sie entstehen.

Gowers: Zwischen Beratungsgruppe und offenem Brief

Unter den Gründungsmitgliedern der Beratungsgruppe ist auch der bekannte Mathematiker und Fields-Medaillen-Träger Timothy Gowers. Er hat den oben genannten offenen Brief der 25 Fields-Medaillen-Träger allerdings nicht unterschrieben und in seinem Blog ausführlich dargelegt, warum.

Gowers stimme dem Brief in vielen Punkten zu und sehe ebenfalls eine Krise. Doch der Brief suggeriere, dass konzeptuelles Verständnis das primäre Ziel der Mathematik sei und Problemlösung nur ein Mittel dazu. Gowers sieht hingegen ein Spektrum: An einem Ende stünden Mathematiker, die primär Probleme lösen wollten und konzeptuelles Verständnis als Mittel dazu betrachteten, am anderen Ende solche, für die es umgekehrt sei.

Dass KI die Mathematik verändert, bestreitet Gowers dabei nicht: Sein eigenes Forschungsprojekt zum automatischen Theorembeweisen in Cambridge habe durch die Fähigkeiten von LLMs seine Hauptmotivation verloren. "Wir mussten die bittere Lektion schlucken."

Das eigentliche Risiko: Der Nachwuchs und die sozialen Strukturen

Das Hauptrisiko sieht Gowers im Zusammenbruch der sozialen Strukturen, die das mathematische Verständnis tragen. Viele Menschen, die eine Promotion in Mathematik angestrebt und zu "Hütern der mathematischen Tradition" geworden wären, könnten dies künftig nicht mehr wollen. "Meine Hauptmotivation, Mathematiker zu werden, war der Traum, ungelöste Probleme zu lösen", schreibt Gowers. Wenn dieser Traum wegfalle, sei unklar, was an seine Stelle trete.

Dazu komme die Gefahr, dass politische Entscheidungsträger Mathematiker als überflüssig betrachteten und die Förderung kürzten. "Wir müssen dringend gute Argumente dafür finden, warum ein großer Pool menschlicher mathematischer Experten wertvoll ist, auch wenn es nicht mehr zu ihrer Aufgabe gehört, neue Beweise für Theoreme zu finden", so Gowers.

Letztlich habe er den Brief auch deshalb nicht unterschrieben, weil er nicht sicher sei, was dieser fordere, das nicht ohnehin geschehe. In wenigen Monaten würden LLMs öffentlich verfügbar sein, die große mathematische Probleme lösen könnten. "Es gibt nichts zu gewinnen, wenn man KI-Unternehmen dafür kritisiert, zu viele Lösungen zu schnell zu produzieren."

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Quelle: OpenAI