Angst vor KI-Cyberangriffen treibt Trump-Regierung zu neuen Regulierungsplänen
Kurz & Knapp
- Die Trump-Administration prüft eine neue Executive Order, die eine staatliche Sicherheitsprüfung für KI-Modelle vor deren Veröffentlichung einführen könnte.
- Auslöser ist das Modell "Mythos" von Anthropic, das wegen seiner starken Fähigkeiten beim Aufspüren von Software-Schwachstellen aus Sorge vor Cyberangriffen nicht öffentlich freigegeben wurde.
- Diese Pläne stellen einen scharfen Kurswechsel dar, da die Regierung zuvor KI-Regulierungen abgebaut und vor Einschränkungen der Industrie gewarnt hatte.
Nach einem Jahr Deregulierung diskutiert das Weiße Haus nun eine Executive Order, die neue KI-Modelle vor ihrer Freigabe einer staatlichen Prüfung unterziehen könnte. Auslöser soll Anthropics Modell "Mythos" sein.
Die Trump-Administration prüft eine grundlegende Wende in ihrer KI-Politik. Laut einem Bericht der New York Times diskutiert das Weiße Haus eine Executive Order, die eine Arbeitsgruppe aus Tech-Führungskräften und Regierungsvertretern einsetzen soll. Diese soll mögliche Aufsichtsverfahren prüfen, darunter ein formales staatliches Review für neue KI-Modelle vor deren Veröffentlichung.
In Treffen vergangene Woche habe das Weiße Haus Vertreter von Anthropic, Google und OpenAI über die Pläne informiert, schreibt die Times unter Berufung auf eingeweihte Personen. Als Vorbild diene das britische Modell, bei dem mehrere Behörden prüfen, ob KI-Systeme bestimmte Sicherheitsstandards erfüllen. Ein Sprecher des Weißen Hauses bezeichnete die Berichte gegenüber The Information als "Spekulation" und sagte, jede politische Ankündigung werde direkt von Trump kommen.
Anthropics "Mythos" als Auslöser
Die Kehrtwende begann laut der Times im April, nachdem Anthropic sein Modell Claude Mythos vorstellte. Das System ist laut Anthropic so leistungsfähig bei der Identifikation von Software-Schwachstellen, dass das Unternehmen auf eine öffentliche Freigabe verzichtete und vor einer cybersicherheitspolitischen Zäsur warnte. Die NSA nutzt Mythos bereits, um Schwachstellen in der Software der US-Regierung zu analysieren.
Im Weißen Haus wachse die Sorge vor politischen Konsequenzen, sollte ein KI-gestützter Cyberangriff erheblichen Schaden anrichten. Einige Beamte drängten auf ein Prüfsystem, das der Regierung Erstzugriff auf neue Modelle gewährt, ihre Veröffentlichung aber nicht blockiert.
Die Diskussion markiert einen scharfen Kurswechsel. Trump hatte nach seiner Rückkehr ins Amt regulatorische Vorgaben der Biden-Regierung zurückgerollt, darunter verpflichtende Sicherheitsbewertungen für Modelle mit militärischem Anwendungspotenzial. Im Juli bezeichnete er KI als "schönes Baby", das man "nicht mit dummen Regeln" stoppen dürfe. Vizepräsident JD Vance warnte auf einem internationalen KI-Gipfel in Paris, "exzessive Regulierung" könne eine "transformative Industrie abwürgen".
Inzwischen hat sich der politische Druck verschoben. Eine Pew-Umfrage ergab, dass 50 Prozent der Republikaner und 51 Prozent der Demokraten den zunehmenden KI-Einsatz im Alltag mit Sorge sehen. Hinzu kommt eine personelle Verschiebung im Weißen Haus: David Sacks, der als KI-Zar die Deregulierungsagenda vorangetrieben hatte, verließ seinen Posten im März. Stabschefin Susie Wiles und Finanzminister Scott Bessent übernahmen seither die KI-Agenda und haben Außenstehenden gegenüber laut der Times angekündigt, die Politik stärker mitgestalten zu wollen.
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