UK-Arbeitsmarkt: Wer KI kann, wird gesucht – der Rest schaut zu
Kurz & Knapp
- Eine Analyse von Indeed zeigt, dass der Anteil von KI-Erwähnungen in britischen Stellenanzeigen bis Ende Juni 2026 auf 9,4 Prozent gestiegen ist; verglichen mit rund zwei Prozent im Jahr 2023.
- KI-Kompetenzen werden zunehmend über reine Tech-Berufe hinaus verlangt, beispielsweise im Marketing oder Finanzwesen.
- Dies führe in der Wissensarbeit zu einem "Zwei-Geschwindigkeiten-Arbeitsmarkt", bei dem die Gesamtzahl der Stellenanzeigen sinkt, während Ausschreibungen mit KI-Bezug stark ansteigen.
Laut einer Analyse erreichen KI-Erwähnungen in britischen Stellenanzeigen mit 9,4 Prozent einen neuen Höchststand. Gleichzeitig sinkt die Gesamtnachfrage in vielen Wissensarbeitsbranchen. Es entstehe ein "Zwei-Geschwindigkeiten-Arbeitsmarkt".
Künstliche Intelligenz hat sich zu einem weitverbreiteten Anforderungsmerkmal in Stellenanzeigen entwickelt. Laut einer Indeed-Analyse erwähnten Ende Juni 2026 bereits 9,4 Prozent aller britischen Stellenanzeigen KI oder verwandte Tools und Programme. Das ist ein neuer Höchststand; noch 2023 lag der Anteil bei rund zwei Prozent.

KI-Kompetenz wird weit über Tech-Rollen hinaus verlangt
Die höchsten Anteile an KI-Erwähnungen finden sich laut des Indeed Hiring Lab wenig überraschend in den Bereichen Data & Analytics (48,8 Prozent) und Software Development (46,7 Prozent). Fast jede zweite Stellenanzeige in diesen Kategorien referenziert mittlerweile KI.
Bedeutsamer ist jedoch die Ausbreitung über diese Kernbereiche hinaus. IT Systems & Solutions (30,7 Prozent), Scientific Research & Development (28,1 Prozent), Marketing (26,2 Prozent) und Media & Communications (22,4 Prozent) weisen ebenfalls erhebliche KI-Anteile auf. Selbst Banking & Finance (16,9 Prozent) und Arts & Entertainment (16,3 Prozent) liegen im zweistelligen Bereich. Die Erwartung von KI-Kompetenz beschränkt sich damit nicht mehr auf spezialisierte Technikrollen.

Am unteren Ende der Skala stehen primär Präsenzberufe: Beauty & Wellness, Pflege, Reinigung und Fahrdienste verzeichnen laut Indeed alle einen KI-Anteil von unter einem Prozent.
Ein Zwei-Geschwindigkeiten-Arbeitsmarkt in der Wissensarbeit
In zahlreichen Wissensarbeitskategorien sinkt die Gesamtzahl der Stellenanzeigen, doch Ausschreibungen mit KI-Bezug steigen in denselben Kategorien stark an. Indeed wertet dies als Indiz, dass Arbeitgeber KI-Kompetenz zunehmend neben oder sogar über traditioneller Fachexpertise priorisieren. Das führe zu einem "Zwei-Geschwindigkeiten-Arbeitsmarkt" in der Wissensarbeit: volumenmäßig schwach, aber mit einer schnell wachsenden Prämie für nachweisbare KI-Fähigkeiten.
Besonders deutlich wird das in Bereichen wie Human Resources, Accounting, Management, Marketing, Project Management und Banking & Finance. In Marketing etwa liegt der Index für KI-Stellenanzeigen bei 341, während der Gesamtindex auf 52 gefallen ist. Im Management stehen 344 zu 78.

Auch auf der Nachfrageseite zeigt sich der Wandel. Laut Indeed haben sich Suchanfragen nach KI-Rollen seit dem Start von ChatGPT versiebenfacht. Arbeitnehmer sind sich offenbar bewusst, wohin sich der Arbeitsmarkt entwickelt, und positionieren sich entsprechend.
Die häufigsten Begriffe, die Jobsuchende zusammen mit "AI" verwenden, sind "Engineer" (6,4 Prozent) und "Trainer" (5,6 Prozent). Gerade jüngere und berufseinsteigende Arbeitnehmer suchen laut Indeed aktiv nach strukturierten Einstiegswegen in die KI-Wirtschaft. Allerdings verzeichnen die letzten Monate einen Rückgang von den Spitzenwerten; womöglich nur eine Momentaufnahme, betrachtet man die gesamte Statistik.

Der KI-Boom bei Stellenanzeigen steht in Kontrast zur Gesamtlage des britischen Arbeitsmarkts: Stellenanzeigen in Großbritannien sind seit Jahresbeginn 2026 um 11 Prozent gesunken und liegen nun 32 Prozent unter dem Vor-Pandemie-Niveau. Besonders hart trifft es jüngere Arbeitnehmer: Stellenanzeigen für Absolventen befinden sich auf dem niedrigsten Stand für diese Jahreszeit seit der Pandemie, die Jugendarbeitslosigkeit liegt auf dem höchsten Niveau seit über einem Jahrzehnt.
KI-News ohne Hype – von Menschen kuratiert
Mit dem THE‑DECODER‑Abo liest du werbefrei und wirst Teil unserer Community: Diskutiere im Kommentarsystem, erhalte unseren wöchentlichen KI‑Newsletter, 6× im Jahr den "KI Radar"‑Frontier‑Newsletter mit den neuesten Entwicklungen aus der Spitze der KI‑Forschung, bis zu 25 % Rabatt auf KI Pro‑Events und Zugriff auf das komplette Archiv der letzten zehn Jahre.
Jetzt abonnieren