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Von Soras Fehlstart zur funktionierenden Branche: KI-Video-Markt hat sich neu sortiert

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Sora prompted by Walter Woodman, Sidney Leeder and Patrick Cederberg

Neue Studios in Hollywood, ein Start-up mit Milliardenbewertung und Fabriken für synthetische Stars: Rund um KI-generierte Videos entsteht ein eigener Wirtschaftszweig mit Investoren, Geschäftsmodellen und Verteilungskonflikten.

In Culver City, in Sichtweite der historischen Sony-Studios, dreht das KI-Studio Promise derzeit den Horrorfilm "Touch Grass" mit einem Budget im niedrigen Millionenbereich. Wie der Guardian von einem Setbesuch berichtet, besteht die Tonbühne aus wenig mehr als weißen Tüchern in einer Büroecke.

Während eine Kamera die Schauspielerin Tori Thomas bei einer Verfolgungsszene filmt, überlagert die KI ihre Bewegungen in Echtzeit mit einem wogenden Grasfeld, das das in diesem Monat erschienene chinesische Modell Seedance 2.5 erzeugt hat. Selbst die Grashalme bewegen sich, wenn die Darstellerin daran vorbeizustreifen scheint. Die komplette Szene aus Schauspielerin und Kulisse erscheint sofort auf dem Monitor des Regisseurs, und mit wenigen Handgriffen lässt sich die Wiese durch eine unterirdische Höhle ersetzen.

Promise wird laut Guardian von Google, Silicon-Valley-Investoren und Disney unterstützt und ist damit Teil einer wachsenden Zahl von KI-Studios, die sich in Hollywood ansiedeln. Mitgründer George Strompolos schätzt, dass hybride Produktionen mit menschlichen Schauspielern und KI-Technik 20 bis 50 Prozent günstiger ausfallen als konventionelle Filme, was Filmemacher unabhängiger von den großen Studios machen könnte.

Wie verbreitet die Technik bereits ist, zeigt eine Zahl von Netflix: Der Streamingdienst gab an, KI 2026 in 300 seiner 1.000 Titel eingesetzt zu haben. Auch Ron Howard arbeitet mit dem KI-Studio Obsidian an einem animierten Dokumentarfilm, dessen Executive Producer die Ersparnis auf 30 bis 40 Prozent beziffert.

Der Oscar-Preisträger Joel Hynek, der einst die analogen Effekte für "Predator" schuf, vergleicht den Umbruch mit dem Sprung vom optischen zum digitalen Film und spricht von einem "unglaublichen Versprechen". Zugleich bleibt der Widerstand erheblich: Regisseure wie Christopher Nolan und Guillermo del Toro kritisieren generative KI.

Higgsfield zeigt, wie schnell sich der Markt kommerzialisiert

Während Hollywood noch über den Einsatz der Technik streitet, verdient das Video-Start-up Higgsfield bereits im großen Stil daran, vor allem mit Werbevideos statt mit Filmen. Das vom früheren Snap-Manager Alex Mashrabov gegründete Unternehmen hat laut Financial Times 400 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von 5,4 Milliarden eingesammelt, unter anderem von DST Global, Goldman Sachs, Liberty Global und Intel.

Erst acht Monate zuvor lag die Bewertung noch bei 1,3 Milliarden, während der annualisierte Umsatz binnen eines Jahres von 20 auf 700 Millionen Dollar stieg. Bemerkenswert ist vor allem die Verschiebung der Kundschaft: Machten Geschäftskunden im Januar weniger als ein Viertel des Umsatzes aus, stellen sie inzwischen die Mehrheit. Marken wie Dollar Shave Club produzieren mit der Plattform laut Mashrabov mehrere Marketingvideos pro Tag, wo früher ein einzelnes Kampagnenvideo entstand.

Synthetische Stars vom Fließband

Parallel dazu entsteht eine Industrie für künstliche Persönlichkeiten. Das Start-up Inception Point AI betreibt laut New York Times über 100 KI-Personas mit jeweils eigener Nische, vom britischen Gartenexperten Nigel Thistledown bis zur Bastel-Influencerin Lila Walker. Jede Figur erhält eine 15- bis 30-seitige Charakter-"Bibel" samt erfundener Schicksalsschläge, die sie nahbarer wirken lassen sollen.

Das Geschäftsmodell funktioniert über schiere Masse: Das Unternehmen unterhält mehr als 5.000 aktive Podcasts, und weil die Produktionskosten minimal sind, reichen laut CEO Jeanine Wright bereits 20 Hörer pro Episode für die Profitabilität. Ähnliche Muster zeigen sich in der Mode, wo die Agentur Seraphinne Vallora KI-Models für Marken wie Guess erstellt, und in der Musik, wo KI-Avatare wie Xania Monet Billboard-Charts erreichen. Spotify will entsprechende Profile künftig mit einem "AI Persona"-Label kennzeichnen.

Von Soras Fehlstart zur funktionierenden Branche

Vor gut zwei Jahren sah der Markt noch völlig anders aus. Als OpenAI Anfang 2024 die ersten Sora-Demos zeigte, war das Modell der Konkurrenz technisch weit voraus und löste in Hollywood erste Schockwellen aus. Doch die ursprünglich gezeigte Version erschien nie in dieser Form für die breite Öffentlichkeit, die Ende 2024 veröffentlichte Version konnte die hohen Erwartungen nicht erfüllen, und während OpenAI zögerte, holten Wettbewerber aus den USA und vor allem aus China rasant auf. Der spätere Anlauf im Herbst 2025 mit Sora 2 als eigenständiger App konnte den anfänglichen Hype nicht in nachhaltigen Erfolg übersetzen und wurde schließlich eingestellt. Ein Milliarden-Deal mit Disney platzte.

Produktionswerkzeuge für Studios, Marketingplattformen für Unternehmen und Persona-Fabriken für die Creator Economy haben sich dagegen als tragfähige Geschäftsmodelle herausgestellt. Entstanden ist so eine Branche, die inzwischen ihre eigenen Bewertungen, Berufsbilder und Verteilungskonflikte hervorbringt.

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