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"Warum würdest du deine Karriere ruinieren?": OpenAI-Mitarbeiter soll Mathematiker eingeschüchtert haben

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Kurz & Knapp

  • Der Mathematiker Tristan Buckmaster wirft OpenAI vor, ihn unter Druck gesetzt zu haben, nachdem er gemeinsam mit Levent Alpöge mithilfe von KI-Modellen Fortschritte bei den Navier-Stokes-Gleichungen erzielt hatte.
  • OpenAI erklärte laut Buckmaster, ein internes Modell habe einen rund 100-seitigen Beweis für eine Variante der Gleichungen erstellt und dabei denselben ungewöhnlichen Lösungsweg verfolgt. Buckmaster und Alpöge hatten ihre Lösungswege zuvor in Codex hochgeladen.
  • Sébastien Bubeck von OpenAI soll Buckmaster zweimal aufgefordert haben, Alpöge wegen dessen Tätigkeit bei Anthropic als Co-Autor zu streichen. Nach Buckmasters Ablehnung soll Bubeck gefragt haben, warum er seine Karriere ruinieren wolle. OpenAI weist diese Anschuldigungen zurück.

Update 2 um 21:15 Uhr:

OpenAI hat seine Navier-Stokes-Ergebnisse veröffentlicht. Laut dem Unternehmen wurde der Beweis von einer Gruppe von rund 10.000 koordinierten KI-Agenten in 88 Stunden produziert, unter Verwendung eines internen Modells, das laut OpenAI "deutlich leistungsfähiger als GPT-6 Astra" sei. Der Beweis wurde auch in der Programmiersprache Lean formalisiert. Die benötigte Rechenleistung habe laut Forschungschef Mark Chen "Millionen von Dollar" gekostet.

OpenAI-Entwickler Noam Brown relativiert die Kosten mit Verweis auf frühere Erfahrungen: Als OpenAI das Modell o3 vorstellte, habe es rund 500.000 Dollar gekostet, um 87,5 Prozent auf dem ARC-AGI-Benchmark zu erreichen. Heute schaffe Astra mehr für etwa 20 Dollar. Für die Mathematik-Olympiade 2025 hätten OpenAI und Google Deepmind enorme Rechenleistung gebraucht, 2026 habe das jeder mit einem 20-Dollar-ChatGPT-Abo geschafft. "Ich glaube, dass in einem Jahr jeder eine KI zur Hand haben wird, die Probleme dieses Kalibers lösen kann", schreibt Brown.

OpenAIs internes Modell löst bei offenen Mathematikproblemen fast dreimal so viele Aufgaben wie GPT-6 Astra, wobei die Lücke mit steigender Rechenleistung weiter wächst. | Bild: OpenAI

OpenAI weist Anschuldigungen zurück, kann Datenfrage aber nicht ausräumen

In einem Pressebriefing (via WIRED) wies die Firma Buckmasters Vorwürfe (siehe unten) zurück. Weder Forscher noch Agenten hätten die Arbeit der beiden gesehen, bis sie öffentlich veröffentlicht wurde, sagte Bubeck. Er erkenne die Priorität von Alpöges und Buckmasters Arbeit an und gratuliere ihnen zu ihrer "monumentalen Leistung". OpenAI-Mathematiker Ven Chandrasekaran betonte, die eigene Lösung unterscheide sich grundlegend von Buckmasters und Alpöges Ansatz.

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Bubeck sagte laut WIRED, das Unternehmen habe am 28. August begonnen, ein neues Modell mit fortgeschrittenen mathematischen Fähigkeiten zu trainieren. Nach Gerüchten über Fortschritte bei Anthropic habe man mehr Ressourcen auf das Navier-Stokes-Problem gelenkt.

Im offiziellen Blogpost schreibt OpenAI, die eigene Arbeit habe am 1. September begonnen, nachdem man ein Gerücht gehört habe, das sich später als Bezug auf Alpöge und Buckmaster herausstellte. Nach Abschluss des Projekts und der Lean-Verifikation am 6. September habe man die beiden kontaktiert, um eine gleichzeitige Veröffentlichung und eine gemeinsame Ankündigung mit Anerkennung ihrer Priorität anzubieten. Man habe ihnen auch Einblick in alle verwendeten Prompts und später in den Beweis angeboten.

"Wir (die Forscher und die Agenten) haben ihre Arbeit auf keinem Weg gesehen, bis sie öffentlich veröffentlicht wurde. Insbesondere wurde kein spezifischer Nutzerdatenzugriff vorgenommen, um dieses Problem zu lösen. Auch wenn es unwahrscheinlich ist, können wir nicht ausschließen, dass anonymisierte Daten, die aus ihrer Nutzung unserer Produkte stammen, zur Verbesserung unserer Modelle beigetragen haben", schreibt OpenAI.

Buckmaster reagierte auf Mastodon: "Ist es ethisch vertretbar, die Daten seiner Kunden zu nutzen, um zu versuchen, die eigenen Kunden auszustechen?" Ob Buckmaster bei seiner Codex-Nutzung die standardmäßig aktivierte Option deaktiviert hatte, mit der OpenAI Kundendaten für das Modelltraining verwenden darf, ist nicht bekannt.

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Ursprünglicher Artikel:

Der Mathematiker Tristan Buckmaster berichtet, wie OpenAI nach dem Durchsickern von Informationen über seine KI-gestützten Forschungsergebnisse Druck auf ihn ausübte, seinen Koautor streichen wollte und ihm drohte.

Tristan Buckmaster und sein Koautor Levent Alpöge haben mit Hilfe von KI-Modellen bedeutende Fortschritte bei einem der berühmtesten ungelösten Probleme der Mathematik erzielt: den Navier-Stokes-Gleichungen. Sie gehören zu den Clay-Millennium-Problemen, einer Liste von sieben fundamentalen mathematischen Fragen, für deren Lösung jeweils ein Preisgeld von einer Million Dollar ausgesetzt ist. In einem öffentlichen Bericht erhebt Buckmaster nun schwere Vorwürfe gegen OpenAI.

Die beiden Mathematiker hatten seit Monaten mit verschiedenen KI-Modellen gearbeitet, darunter Anthropics Claude und OpenAIs Codex mit GPT-5.6 Sol. Mitte August erzielten sie nach eigener Darstellung mehrere Durchbrüche. Außerdem glauben sie, ein weiteres Ergebnis für eine spezielle Navier-Stokes-Variante gefunden zu haben; dieses ist aber noch nicht veröffentlicht und noch nicht formal verifiziert. Ein anerkannter Beweis wäre ein großer Durchbruch für die Mathematik und ein Meilenstein für KI-gestützte Forschung.

Gerüchte erreichen OpenAI, der Druck beginnt

Anfang September kursierten Gerüchte über einen großen mathematischen Durchbruch. Alpöge erhielt laut Buckmaster Hinweise, dass Informationen über ihre Arbeit an OpenAI weitergegeben worden waren. Am 3. September schrieb Buckmaster proaktiv an einen Mathematiker bei OpenAI, um die Fakten klarzustellen. Er betonte, es handle sich um eine rein persönliche Zusammenarbeit ohne institutionelle Vereinbarungen.

OpenAI antwortete am selben Tag, fragte nach Details und bot Rechenkapazität an. Buckmaster bat um ein Gespräch in der folgenden Woche. Doch OpenAI drängte: Am Freitag die Frage, ob er noch am selben Tag sprechen könne. Am Sonntag um 12:45 Uhr die Frage, ob er "irgendwann heute" verfügbar sei.

OpenAI behauptet eigenen Durchbruch auf demselben Weg

An jenem Sonntag stieß Sébastien Bubeck von OpenAI hinzu. In zwei Telefonaten teilte OpenAI Buckmaster laut dessen Darstellung mit, ein internes Modell habe einen etwa 100-seitigen Beweis für die Navier-Stokes-Gleichungen mit Forcierung produziert.

Zunächst hieß es, es sei "sehr wenig menschlicher Input" nötig gewesen. Im Verlauf des Gesprächs stellte sich laut Buckmaster heraus: Ein ganzes Team hatte an dem Problem gearbeitet, leichtere Probleme waren vorgeschaltet worden, und es wurde massiv Rechenleistung eingesetzt.

OpenAIs Modell verfolgte laut Buckmaster denselben ungewöhnlichen Lösungsweg, den fast niemand sonst eingeschlagen hatte. Buckmaster und Alpöge hatten sämtliche Entwürfe über das gesamte Projekt hinweg in OpenAIs Codex hochgeladen. Auf die Frage, ob das Modell auf diese Nutzerdaten zugegriffen habe, verneinte OpenAI. Auf die Frage, ob das Modell auf den Nutzerdaten trainiert worden sei, erhielt Buckmaster nach eigener Darstellung keine Antwort. Wann OpenAI begonnen hatte, an dem Problem zu arbeiten, blieb zunächst unklar. Schließlich habe man eingeräumt, dass die ersten Versuche in den Tagen nach dem Durchsickern der Informationen gestartet worden seien.

OpenAI-Entwickler Noam Brown, einer der führenden Köpfe von OpenAIs Modellentwicklung, sagte bei der Vorstellung von Astra, dass sich OpenAI an den Millennium-Problemen versucht, aber keine Lösung gefunden habe. Allerdings habe man bisher nicht viel Rechenleistung aufgewendet. Das war Anfang August.

Bubeck wollte Anthropic-Mitarbeiter als Koautor streichen

OpenAI unterbreitete laut Buckmaster zwei Vorschläge: Entweder er veröffentlicht sein Ergebnis und OpenAI postet seines am nächsten Tag. Oder Buckmaster schreibt allein ein Paper und dankt dem internen OpenAI-Modell. OpenAI würde dann erklären, Buckmaster verdiene den Clay-Preis und sei "der Mensch, der dem Problem am nächsten war".

In beiden Szenarien forderte Bubeck laut Buckmaster zweimal, Alpöge als Koautor zu streichen. Die Begründung: Es sei "so nervig", dass Alpöge beim OpenAI-Konkurrenten Anthropic arbeite.

"Warum würdest du deine Karriere ruinieren?"

Buckmaster lehnte beide Vorschläge ab und kündigte an, die Vorgänge öffentlich zu machen, sollte OpenAI sein Ergebnis in der vorgeschlagenen Form veröffentlichen. Die Antwort laut Buckmaster: "Warum würdest du deine Karriere ruinieren?"

Als er entgegnete, er sei Akademiker, habe Bubeck geantwortet: "Wenn du nicht willst, dass ich nett bin, dann muss ich auch nicht nett sein." Später versuchte Bubeck laut dem Bericht, Alpöge separat zu kontaktieren: "Ich weiß nicht, ob Tristan gerade komplett rational denkt." Alpöge lehnte ab.

Buckmaster betont, er beschuldige niemanden. Er habe den OpenAI-Beweis nicht gesehen und wisse nicht, ob ihre Daten verwendet wurden. Er lege die Fakten offen, weil "die Alternative ist, eine Abfolge von Ankündigungen etwas sagen zu lassen, von dem ich weiß, dass es falsch ist."

Buckmaster hätte eigentlich über etwas anderes sprechen wollen: darüber, dass ein Mathematiker mit einem Sprachmodell in einem Monat schaffen kann, wofür zuvor Jahre nötig waren. Er nennt es einen "Deep-Blue-Kasparov-Moment". Stattdessen dokumentiere er nun einen Konflikt mit OpenAI. Die Firma hat sich auf Rückfrage noch nicht zu den Vorwürfen geäußert.

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Quelle: Statement | WIRED | OpenAI