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Ersteindruck von Claude Skills | heise KI Pro Newsletter

Liebe Leserinnen & Leser,

Anthropic hat Claude Skills eingeführt – strukturierte Anleitungen, die repetitive Aufgaben automatisieren sollen. Wir haben uns die neue Funktion einmal angeschaut und zeigen, wie ihr eigene Skills erstellen könnt. Das Fazit: Die Technik funktioniert gut, ist aber noch zu komplex für den Alltag.

Vier wichtige Termine stehen an: Heute geht es um die aktuell besten Modelle um 16 Uhr im Webinar "KI-Modellkunde". Am 11. November zeigen wir im Webinar "KI im Büro", wie man mit KI Excel, Präsentationen und E-Mails erstellen kann. Individuelle Beratung gibt es 3. November in unserer KI-Sprechstunde mit Max. Und beim KI PRO Talk am 25. November gibt es wieder freien Community-Austausch zu aktuellen Themen unter Chatham House Rules.

Außerdem: Andrej Karpathy dämpft die Agenten-Euphorie ("Sie funktionieren einfach nicht"), Salesforce baut seine Agenten-Plattform aus, und Visa entwickelt ein Zahlungsprotokoll für KI-Agenten. Eine neue Prompt-Technik namens "Verbalized Sampling" soll langweilige KI-Antworten verhindern.

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Wir freuen uns auch über Austausch auf der KI PRO Community-Plattform. Bis dahin wünsche ich viel Freude beim Lesen!

Benjamin Danneberg
heise KI PRO



Termine

📺 KI PRO Webinare:

  • 11. November 2025 (16:00 – 17:00 Uhr) | KI PRO Webinar | 💼 KI im Büro: Excel, Präsentationen und E Mails mit KI erstellen | Tickets

🎙️ KI PRO Talks

  • 28. Oktober 2025 (16:00 - 17:00 Uhr) | Community-Austausch | Link
  • 25. November 2025 (16:00 - 17:00 Uhr) | Community-Austausch | Link

🎯 KI PRO Consulting Sprechstunden:

  • 3. November 2025 (16:00 - 16:30 Uhr) | KI PRO Consulting | Link
  • 1. Dezember 2025 (16:00 - 16:30 Uhr) | KI PRO Consulting | Link

Ersteindruck von Claude Skills

Anthropic hat mit Claude Skills eine neue Funktion eingeführt, die repetitive KI-Aufgaben automatisieren soll. Wir haben das mal für euch ausprobiert.

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Was sind Claude Skills?

Claude Skills sind ausgefeilte Prompts in einer speziellen Struktur mit Zusatzmaterial. Claude erkennt wiederkehrende Aufgaben automatisch und wendet strukturierte Anweisungen (oder Skills) darauf an. Das System funktioniert mit einer Markdown-Datei pro Fähigkeit, die Anweisungen und weitere Ressourcen in Form von Dokumenten (z.B. Excel) enthält.

Die Funktion ist derzeit als Preview für Pro-, Max-, Teams- und Enterprise-Nutzer verfügbar. Sie benötigt aktivierte Code-Ausführung, da Skills auch Skripte enthalten können. Anthropic liefert bereits fertige Skills für Excel, PowerPoint oder PDF-Bearbeitung mit.

Der Hauptvorteil: Claude erkennt automatisch, welcher Skill passt. Man muss nicht sagen "verwende Skill X". Das funktioniert gut, sogar das Verknüpfen mehrerer Skills ist möglich.

Wie funktionieren Claude Skills?

Jeder Skill basiert auf einer speziell strukturierten "skill.md"-Datei. Die Beschreibung des Skills ist beispielsweise wichtig – Claude nutzt sie, um zu entscheiden, wann der Skill verwendet werden soll.

Das Format folgt dem YAML-Standard für strukturierte Daten (siehe Bild unten). Man kann sich das wie einen Prompt vorstellen, der durch zusätzliche Ressourcen ergänzt wird. Diese Ressourcen können Skripte oder Dateien sein - etwa Firmenrichtlinien oder Beispieldateien. So kann Claude Aufgaben mit Kontext bearbeiten, die nicht in seinen Trainingsdaten waren. Ein Prinzip, das wir seit Jahren bei heise I/O nutzen.

Praktisches Beispiel: LinkedIn-Skill erstellen

Wir haben einen KI PRO LinkedIn-Skill entwickelt, der Posts aus Artikeln erstellt. Basis war ein bewährter Prompt aus heise I/O, ergänzt um ein Dokument mit KI PRO-Informationen.

So richtet ihr einen Skill ein:

  1. Erstellt eine skill.md-Datei nach Anthropics Vorgaben. Claude kann dabei helfen, wenn ihr ihm ein Muster gebt.
  2. Legt einen Ordner mit dem Skill-Namen an. Wichtig: kleingeschrieben, mit Bindestrichen verbunden. Die skill.md-Datei kommt in den Hauptordner, zusätzliche Ressourcen in einen Unterordner "resources". Hier das Organisationsmuster:
my-skill.zip
└── my-skill/
    ├── skill.md
    └── resources/

3. Komprimiert den Ordner in eine ZIP-Datei (meist per Rechtsklick). Diese könnt ihr dann unter "Fähigkeit hochladen" als Skill in Claude anlegen.

Nach dem Upload erkennt Claude passende Situationen automatisch. Bei der Eingabe "Schreibe einen KI-Pro-LinkedIn-Post für diese Geschichte" plus Link findet Claude den Skill und wendet ihn an.

Das Ergebnis ist gut und folgt unseren Richtlinien.

Unser Skill-Generator als Meta-Tool

Die manuelle YAML-Erstellung ist kompliziert. Deshalb haben wir einen extra Skill entwickelt: den Claude-Skill-Generator-Skill. Dieser baut aus einem Prompt oder Aufgabengebiet einen neuen Claude Skill mit den richtigen Formatierungen.

Ihr könnt das ZIP-Archiv hier herunterladen und direkt als Claude Skill einrichten.

Skills als Baustein für KI-Agenten

Skills werden interessant, wenn man sie für KI-Agenten nutzt. Ein Agent könnte auf verschiedene Skills zurückgreifen - etwa "Finanzbuchhaltung in Unternehmen X", "Compliance-Richtlinien für Branche Y" oder "Markenrichtlinien für Produkt Z". Skills können auch Code ausführen: Python-Pakete, JavaScript, etc. Das könnte besonders bei komplexen Agenten hilfreich sein.

Ersteindruck

Skills machen Claude nützlicher für Firmen. Die Möglichkeit, Fachwissen in Module zu packen und automatisch verfügbar zu machen, eröffnet neue Ansätze:

Ein Beispiel: Ein neues Marketing-Konzept muss entwickelt werden, aber die Verantwortliche ist im Urlaub. Man könnte einfach den Claude Skill über die Idee laufen lassen - mit den Markenrichtlinien der Firma. Und schon hat man eine erste Einschätzung.

Aktuell ist Claude Skills noch etwas für Bastler:innen: Anthropic arbeitet laut eigenen Angaben an vereinfachten Erstellungsprozessen (aktuell ist es zu kompliziert) und Möglichkeiten, Skills unternehmensweit zu teilen. Es lohnt sich aber ein erstes Experiment.


Das haben wir gelesen

Karpathy dämpft Agenten-Euphorie: Der frühere OpenAI- und Tesla-Forscher Andrej Karpathy hält die Erwartungen an KI-Agenten für überzogen. Sein Fazit: "Sie funktionieren einfach nicht." Die Modelle scheitern an kognitiven Fähigkeiten, Multimodalität und Gedächtnis. Statt eines "Jahres der Agenten" spricht er von einem "Jahrzehnt der Agenten". Ein Hauptproblem sieht er in den Trainingsdaten: "Das Internet ist wirklich schrecklich" - der Großteil bestehe aus Datenmüll statt hochwertigen Inhalten wie dem Wall Street Journal. Karpathy erwartet keinen plötzlichen Sprung, sondern viele kleine Verbesserungen über Jahre hinweg.

Claude erweitert Enterprise-Funktionen: Anthropic verbindet Claude mit Microsoft 365 und führt eine zentrale Unternehmenssuche ein. Die KI kann nun direkt auf E-Mails, Kalender, Dokumente aus Outlook, SharePoint, OneDrive und Teams zugreifen. Zusätzlich durchsucht Claude Unternehmensdaten wie HR-Dokumente oder Teamrichtlinien. Die Funktionen stehen Claude-Team- und Enterprise-Kunden zur Verfügung, müssen aber von Administratoren freigeschaltet werden.

Salesforce baut Agenten-Plattform aus: Salesforce hat auf der Dreamforce-Messe Agentforce 360 vorgestellt - eine Plattform zum Bau von KI-Agenten für den Kundendienst. Die neue Version bringt die Skriptsprache Agent Script für strukturierte Geschäftsprozesse, Sprachunterstützung über Agentforce Voice und einen KI-Programmierassistenten namens Agentforce Vibes. Der IT-Service soll künftig Support-Anfragen in natürlicher Sprache bearbeiten, ohne dass Mitarbeiter Tickets erstellen müssen. Agentforce Voice startet am 21. Oktober, der IT-Service folgt noch im Oktober, Agent Script und der neue Builder kommen im November in die Beta-Phase.

Visa entwickelt Zahlungsprotokoll für KI-Agenten: Visa hat das Trusted Agent Protocol vorgestellt, das Zahlungen zwischen KI-Agenten und Händlern absichern soll. Das System verwendet kryptografische Signaturen, um echte Kaufabsichten von betrügerischen Bots zu unterscheiden und verhindert, dass legitime Transaktionen versehentlich geblockt werden. Partner sind unter anderem Adyen, Coinbase, Microsoft, Shopify und Stripe. Visa will das Protokoll mit anderen kürzlich angekündigten Systemen wie dem Agentic Commerce Protocol kompatibel gestalten und arbeitet mit internationalen Normungsgremien zusammen.

Verbalized Sampling gegen langweilige KI-Antworten: US-Forscher haben eine einfache Prompt-Technik entwickelt, die KI-Modelle zu vielfältigeren Antworten bewegt. Die Methode "Verbalized Sampling" fragt nach mehreren Antworten mit Wahrscheinlichkeiten statt nur einer Antwort. Tests zeigen: Die Vielfalt bei kreativen Aufgaben steigt um das 1,6- bis 2,1-fache. Standard-Prompts für Witze über Autos führten fünfmal zur exakt gleichen Antwort, während die neue Methode fünf völlig unterschiedliche Witze generierte. Das Problem entsteht, weil Menschen bei der Bewertung von KI-Antworten systematisch vertraute Texte bevorzugen - diese Tendenz überträgt sich auf die Modelle.


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