Mehr als 200 Ökonomen und KI-Forscher, darunter Nobelpreisträger und Vertreter von Google, OpenAI und Anthropic, fordern in einem koordinierten Statement sofortiges Handeln: Die KI-Transformation könne größer als die Industrielle Revolution sein, entfalte sich aber in einem deutlich kürzeren Zeitrahmen. Konkrete Maßnahmen nennt das Papier allerdings nicht und bisherige Studien belegen noch keine signifikanten KI-Effekte auf den Arbeitsmarkt.
ISIS gibt angeblich seit 2023 Prompt- und Jailbreak-Unterricht. Laut einer neuen Studie der Forscherin Antonia Jülich vom Cambridge Programme on AI Science & Policy (CASP) nutzt Boko Haram in Nigeria gängige KI-Chatbots wie ChatGPT, Claude, Gemini, Grok, Meta AI und DeepSeek. Jülich führte 57 Interviews mit 27 ehemaligen Mitgliedern.
Die Gruppe setzt KI demnach bei Angriffsplanung, Bau stärkerer Sprengkörper, Waffenwartung und operativer Sicherheit ein. ISIS-Verbindungsleute schulten Kommandeure im Umgehen von Sicherheitsfiltern. Beide Boko-Haram-Fraktionen bauten eigene KI-Einheiten auf. Ein drastisches Beispiel: Die ISWAP-Fraktion nutzte KI, um Motorrad-Sprungtechniken aus einem Film nachzubauen und Schützengräben zu überwinden. 18 Kämpfer starben beim Training, acht schafften den Sprung.
KI-Labore wie OpenAI und Anthropic warnen seit Langem, dass KI-Modelle gefährliches Wissen zugänglich machen könnten. Die derzeit freiwillige Selbstkontrolle genügt offenbar nicht: Die Sicherheitsmechanismen der Anbieter hätten den Missbrauch nicht zuverlässig verhindert, so die Studie.
Fed-Chef Kevin Warsh hat Risikokapitalgeber Marc Andreessen berufen, um die US-Notenbank bei der Einschätzung von KI-Folgen für die Wirtschaft zu beraten. Warsh sieht KI als „bedeutende disinflationäre Kraft“ – doch Andreessens Firma Andreessen Horowitz ist selbst massiv in KI-Unternehmen investiert, was Fragen nach Interessenkonflikten aufwirft.
Chinesische KI-Modelle gewinnen bei US-Firmen an Boden, weil sie deutlich billiger sind als die Systeme von OpenAI und Anthropic, berichtet CNBC. Modelle von Firmen wie DeepSeek und Z.ai gelten als konkurrenzfähig, während die Preise pro Token bei US-Anbietern steigen.
Auf der Plattform OpenRouter lag der Anteil chinesischer Modelle seit dem 8. Februar jede Woche über 30 Prozent, teils bei 46 Prozent. Im Vorjahr waren es im Schnitt nur 11 Prozent. Chinesische Open-Source-Modelle sind laut OpenRouter-Mitarbeiter Justin Summerville 60 bis 90 Prozent günstiger. Das Start-up Lindy verlagerte etwa seinen gesamten Verkehr von Anthropics Claude zu Deepseek. CEO Flo Crivello sagte, das spare Millionen.
Kyle Chan von der Brookings-Denkfabrik schätzt den Rückstand chinesischer Modelle auf sechs bis neun Monate. Das entspricht in etwa der Einschätzung der US-Behörde Center for AI Standards and Innovation (CAISI). Die veröffentlichte im Mai einen Bericht, wonach chinesische KI-Modelle rund acht Monate hinter den führenden US-Modellen liegen. Bewertet wurden Cybersicherheit, Softwareentwicklung, Mathematik, Naturwissenschaften und abstraktes Denken.
ByteDance und Alibaba schalten die Funktionen ab, mit denen Nutzer ihre eigene KI-Begleiter bauen und mit ihnen chatten konnten, und reagieren damit auf eine neue Regulierung aus Peking. Wie die South China Morning Post berichtet, geht bei Doubao, Chinas beliebtestem Chatbot mit mehr als 300 Millionen monatlichen Nutzern, die Persona-Funktion am 15. Juli offline. Alibabas Qwen legt die menschenähnlichen Agenten schon am 10. Juli still und "weitere Agenten-Funktionen" am 15. Juli. Tencents Yuanbao war schon im Juni dran.
Die im April erlassenen Vorgaben der Cyberspace Administration of China treten am selben Tag in Kraft. Anbieter müssen demnach vor übermäßiger Nutzung warnen und bei Suchtverhalten eingreifen. Inhalte, die bei Minderjährigen extreme Emotionen auslösen oder reale Beziehungen verdrängende Abhängigkeiten fördern, sind untersagt, ebenso das Training mit sensiblen Gesprächsdaten.
Das Muster ist global. Kalifornien verpflichtet Companion-Anbieter mit SB 243 seit Jahresanfang, Gespräche über Suizid und Selbstverletzung zu unterbinden. In den USA sehen sich OpenAI und Character.AI Klagen wegen gefährlicher emotionaler Abhängigkeit ausgesetzt.
Wohlhabende US-Familien schicken ihre Kinder zunehmend an KI-Schulen wie die Alpha School, die zwei Stunden KI-Tutoring mit projektbasierten Workshops kombiniert: für bis zu 75.000 Dollar Schulgeld pro Jahr. Milliardär Bill Ackman gehört zu den prominenten Fans. Die Entwicklung unterstreicht die wachsende Bildungskluft im KI-Zeitalter.