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Umfrage zeigt: KI-Nutzung steigt rapide, doch das Vertrauen fehlt

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Kurz & Knapp

  • Eine Umfrage der Quinnipiac University unter 1.397 US-Erwachsenen zeigt ein wachsendes Paradox: 51 Prozent nutzen KI-Tools inzwischen für Recherchen (zuvor 37 Prozent), doch nur 21 Prozent vertrauen den Ergebnissen.
  • 55 Prozent glauben, dass KI im Alltag mehr schadet als nützt, ein Anstieg von 44 Prozent im April 2025. 80 Prozent der Befragten würden keinen Job annehmen, bei dem eine KI als Vorgesetzter fungiert.
  • Besonders auffällig ist die Haltung der Generation Z: 81 Prozent der 1997 bis 2008 Geborenen erwarten, dass KI Arbeitsplätze vernichtet, mehr als jede andere Altersgruppe. Gleichzeitig nutzt die Gen Z KI am Arbeitsplatz am seltensten (21 Prozent), während Millennials (37 Prozent) und Gen X (39 Prozent) deutlich häufiger darauf zurückgreifen.

Eine neue Umfrage der Quinnipiac University zeigt ein wachsendes Paradox: Die KI-Nutzung in den USA steigt deutlich, doch die Skepsis wächst noch schneller. Besonders die Generation Z, die KI am besten kennt, blickt am düstersten auf den Arbeitsmarkt.

Die Quinnipiac University ist eines der bekanntesten unabhängigen Umfrageinstitute der USA. Für die vor wenigen Tagen veröffentlichte KI-Umfrage wurden 1.397 US-Erwachsene per Zufallsauswahl telefonisch befragt, darunter 800 Berufstätige. Die Fehlermarge liegt laut Institut bei +/- 3,3 Prozentpunkten.

Die Ergebnisse zeichnen ein klares Bild: Die KI-Nutzung steigt rapide, doch Vertrauen, Begeisterung und Optimismus halten nicht Schritt. Im Gegenteil, die Stimmung kippt. Die zentralen Befunde der Umfrage im Überblick.

Mehr Nutzer, weniger Vertrauen

51 Prozent der Befragten nutzen KI-Tools inzwischen für Recherchen, ein deutlicher Anstieg gegenüber 37 Prozent im April 2025. Auch bei Datenanalyse (27 Prozent, zuvor 17), Bilderstellung (24 Prozent, zuvor 16) und Schul- oder Arbeitsprojekten (27 Prozent, zuvor 24) zeigen sich Zuwächse. 28 Prozent lassen sich von KI Texte schreiben, 20 Prozent holen medizinischen Rat ein. Der Anteil derjenigen, die KI noch nie genutzt haben, sank von 33 auf 27 Prozent.

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Anwendungsbereich Anteil (April 2025) Anteil (aktuell)
Recherchen 37 % 51 %
Texte schreiben 28 %
Datenanalyse 17 % 27 %
Schul- oder Arbeitsprojekte 24 % 27 %
Bilderstellung 16 % 24 %
Medizinischer Rat 20 %
KI noch nie genutzt 33 % 27 %

Gleichzeitig vertrauen nur 21 Prozent den von KI generierten Informationen "meistens" oder "fast immer". 76 Prozent sagen, sie könnten KI-Informationen nur "manchmal" oder "kaum jemals" vertrauen. Diese Werte sind seit April 2025 praktisch unverändert.

"Der Widerspruch zwischen Nutzung und Vertrauen ist frappierend", sagt Chetan Jaiswal, Associate Professor für Informatik an der Quinnipiac University. "Die Amerikaner eignen sich KI klar an, aber sie tun es mit Zögern, nicht Vertrauen."

Eine Umfrage von Stackoverflow aus dem Sommer 2025 bestätigt dieses Verhalten im Bereich der Programmierung: Die KI-Nutzung nimmt rasant zu, obwohl sich das Vertrauen in die Ergebnisse in Grenzen hält.

Stimmung kippt ins Negative

Nur 35 Prozent der Befragten zeigen sich begeistert von KI, während 80 Prozent besorgt sind. 55 Prozent glauben, dass KI im Alltag mehr schadet als nützt. Im April 2025 lag dieser Wert noch bei 44 Prozent. Im Bildungsbereich sehen sogar 64 Prozent mehr Schaden als Nutzen (zuvor 54 Prozent). Beim Gesundheitswesen sind die Amerikaner gespalten: 45 Prozent erwarten Schaden, 43 Prozent Nutzen.

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Die Sorge zieht sich durch alle Generationen: von der Gen Z (78 Prozent besorgt) über Millennials (81 Prozent) und Gen X (79 Prozent) bis zu den Babyboomern (82 Prozent). 51 Prozent sagen, die KI-Entwicklung schreite schneller voran als erwartet.

Bemerkenswert ist auch, dass nur fünf Prozent der Befragten glauben, die KI-Entwicklung werde von Organisationen vorangetrieben, die ihre Interessen vertreten. 47 Prozent sagen explizit, das sei nicht der Fall.

Gen Z kennt KI am besten und fürchtet sie am meisten

70 Prozent der Amerikaner glauben, dass KI-Fortschritte die Zahl der Arbeitsplätze verringern werden. Im April 2025 sagten das noch 56 Prozent. Die Generation Z ist dabei am pessimistischsten: 81 Prozent der 1997 bis 2008 Geborenen erwarten einen Rückgang der Jobmöglichkeiten. Bei Millennials sind es 71 Prozent, bei Gen X 67 Prozent und bei Babyboomern 66 Prozent, zeigt die Umfrage.

"Jüngere Amerikaner sind am besten mit KI-Tools vertraut, sind aber gleichzeitig am wenigsten optimistisch bezüglich des Arbeitsmarktes. KI-Kompetenz und Optimismus bewegen sich hier in entgegengesetzte Richtungen", sagt Tamilla Triantoro, Associate Professor für Business Analytics an der Quinnipiac University.

Paradoxerweise nutzt die Gen Z KI am Arbeitsplatz am seltensten: Nur 21 Prozent der berufstätigen Gen-Z-Angehörigen setzen KI beruflich ein, verglichen mit 37 Prozent der Millennials und 39 Prozent der Gen X. Insgesamt nutzen 32 Prozent der Berufstätigen KI bei der Arbeit, wobei die Kluft zwischen Akademikern (50 Prozent) und Nicht-Akademikern (22 Prozent) sowie zwischen White-Collar-Beschäftigten (49 Prozent) und Blue-Collar-Beschäftigten (18 Prozent) erheblich ist.

Gruppe KI-Nutzung am Arbeitsplatz
Nach Generation
Generation Z 21 %
Millennials 37 %
Generation X 39 %
Gesamt 32 %
Nach Bildungsabschluss
Akademiker 50 %
Nicht-Akademiker 22 %
Nach Berufsgruppe
Büroangestellte 49 %
Arbeiter 18 %

Zugleich fürchten die Berufstätigen eher um den Arbeitsmarkt als um den eigenen Job: 30 Prozent sorgen sich, dass KI ihren Arbeitsplatz überflüssig machen könnte (zuvor 21 Prozent), während 69 Prozent sich diesbezüglich nicht besorgt zeigen.

"Die Menschen scheinen eher bereit zu sein, einen schwierigeren Arbeitsmarkt vorherzusagen, als sich selbst als Verlierer dieses Wandels zu sehen", kommentiert Triantoro.

Vier von fünf lehnen KI als Vorgesetzten ab

80 Prozent der Befragten wären nicht bereit, einen Job anzunehmen, bei dem ein KI-Programm als direkter Vorgesetzter Aufgaben zuweist und Zeitpläne erstellt. Nur 15 Prozent wären dazu bereit. Selbst unter den jüngsten Befragten der Gen Z liegt die Ablehnung bei 82 Prozent.

Im Gesundheitswesen bevorzugen 81 Prozent eine Kombination aus KI und Mensch bei der Auswertung medizinischer Scans, selbst wenn die KI nachweislich genauer wäre. 14 Prozent würden sich ausschließlich auf einen Menschen verlassen, nur 3 Prozent ausschließlich auf KI.

"Der Wunsch nach einer ‚zweiten Meinung‘ von einem Menschen, selbst wenn nachgewiesen ist, dass dieser weniger akkurat ist als die KI, spiegelt das mangelnde Vertrauen wider, das sich durch die gesamte Umfrage zieht.", sagt Brian O'Neill, Associate Professor für Informatik an der Quinnipiac University.

Amerikaner fordern mehr Regulierung und Transparenz

74 Prozent finden, die Regierung reguliere KI nicht ausreichend (zuvor 69 Prozent). 76 Prozent halten Unternehmen für nicht transparent genug beim KI-Einsatz. Was KI-generierte Inhalte in politischer Werbung betrifft, wollen 38 Prozent ein komplettes Verbot und 45 Prozent eine Offenlegungspflicht. Nur 11 Prozent lehnen jede Regulierung ab.

Auch KI-Rechenzentren in der eigenen Gemeinde stoßen auf breite Ablehnung: 65 Prozent sind dagegen, 24 Prozent dafür. Die Hauptgründe der Gegner sind Stromkosten (72 Prozent), Wasserverbrauch (64 Prozent) und Lärm (41 Prozent). Befürworter nennen Arbeitsplätze (77 Prozent), Steuereinnahmen (53 Prozent) und Tech-Hub-Potenzial (47 Prozent).

56 Prozent der Amerikaner sind zuversichtlich, dass sie ein echtes Video von einem KI-generierten unterscheiden können. Gleichzeitig geben 28 Prozent zu, schon einmal ein KI-generiertes Video geteilt zu haben, ohne es zu wissen. Bei der Gen Z liegt dieser Wert bei 38 Prozent. Diese Diskrepanz deutet auf eine erhebliche Selbstüberschätzung hin.

"Die Amerikaner lehnen KI nicht rundheraus ab, aber sie senden eine Warnung: zu viel Unsicherheit, zu wenig Vertrauen, zu wenig Regulierung und zu viel Angst um Arbeitsplätze", fasst Jaiswal zusammen.

Auch in Deutschland wächst die KI-Skepsis

Vor kurzem zeigten mehrere Erhebungen, dass die Stimmungslage in Deutschland ähnliche Muster aufweist. Laut einer repräsentativen Umfrage des TÜV-Verbands nutzen 53 Prozent der Deutschen bereits generative KI, wobei 87 Prozent Manipulationen durch Deepfakes befürchten und 90 Prozent Kennzeichnungspflichten für KI-Inhalte fordern. Eine Forsa-Umfrage ergab, dass 68 Prozent der Deutschen der Politik nicht zutrauen, KI-Risiken wirksam zu regulieren, während nur 28 Prozent überhaupt vom EU AI Act gehört haben.

Laut dem EY AI Sentiment Index 2025 halten zwar 80 Prozent der deutschen KI-Nutzer die Technologie für hilfreich, doch nur 27 Prozent überprüfen die generierten Ergebnisse. Eine Gallup-Umfrage unter US-Beschäftigten zeigte zudem, dass 45 Prozent KI am Arbeitsplatz nutzen, ein erheblicher Teil davon aber als sogenannte "Schatten-KI" ohne Wissen des Arbeitgebers.

Forschende des CISPA Helmholtz-Zentrums wiesen bereits nach, dass Menschen KI-generierte Inhalte kaum noch von echten unterscheiden können, was die Selbsteinschätzung der Quinnipiac-Befragten in ein fragwürdiges Licht rückt.

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