Anzeige
Skip to content

95 Prozent der britischen Studierenden nutzen KI und die Erfahrungen könnten unterschiedlicher kaum sein

Image description
Nano Banana Pro prompted by THE DECODER

Kurz & Knapp

  • Generative KI ist an britischen Hochschulen nahezu allgegenwärtig: Laut einer aktuellen HEPI-Umfrage nutzen 95 Prozent der Vollzeit-Undergraduates solche Tools, wobei immer mehr Studierende KI-generierte Texte direkt in Prüfungsarbeiten einfließen lassen.
  • Die Studierendenschaft ist gespalten: Knapp die Hälfte sieht KI als Bereicherung, andere befürchten den Verlust eigener Denkfähigkeiten. Eine Fallstudie mit Medizinstudierenden zeigt, dass diejenigen, die bei klinischen Übungen ausschließlich KI ohne menschliches Feedback nutzten, am schlechtesten abschnitten – mit der höchsten Selbstsicherheit.
  • Obwohl die meisten Studierenden KI-Kompetenzen für essenziell halten, fühlt sich weniger als die Hälfte von ihren Lehrenden dabei unterstützt. Zudem bestehen deutliche Ungleichheiten entlang von Fach, Herkunft und Geschlecht.

Generative KI ist unter britischen Studierenden praktisch allgegenwärtig. Doch eine neue Umfrage zeigt: Zwischen Nutzung und Unterstützung klafft eine erhebliche Lücke, und die Erfahrungen der Studierenden könnten unterschiedlicher kaum sein.

In nur drei Jahren hat sich generative KI an britischen Hochschulen von einer Neuheit zur Selbstverständlichkeit entwickelt. Laut dem Student Generative AI Survey 2026 des Higher Education Policy Institute (HEPI) nutzen mittlerweile 95 Prozent der Vollzeit-Undergraduates KI in mindestens einer Form.

Noch 2024 lag dieser Wert bei 66 Prozent. Die Umfrage basiert auf Antworten von 1.054 Studierenden, die im Dezember 2025 befragt wurden. Die Frage sei längst nicht mehr, ob Studierende KI nutzen, sondern wie gut sie es tun, schreiben die Autorinnen.

Horizontales Balkendiagramm zur Nutzung generativer KI bei der Vorbereitung bewerteter Arbeiten im Vergleich 2026, 2025 und 2024. 2026 nutzen 61 Prozent KI, um sich Konzepte erklären zu lassen, 49 Prozent zum Zusammenfassen relevanter Artikel, 40 Prozent für Rechercheideen und 39 Prozent zum Strukturieren eigener Gedanken. 36 Prozent verwenden KI zur Internetsuche. 25 Prozent lassen Text generieren und bearbeiten ihn vor der Übernahme, 17 Prozent generieren Text und überarbeiten ihn mit einem digitalen Tool, 13 Prozent erzeugen visuelle oder andere Medien. Der Anteil, der KI-generierten Text direkt in bewertete Arbeiten übernimmt, steigt von 3 Prozent im Jahr 2024 auf 8 Prozent 2025 und 12 Prozent 2026. „Keine der genannten Nutzungen“ sinkt von 47 Prozent 2024 auf 11 Prozent 2025 und 6 Prozent 2026.
So nutzen Studierende generative KI für bewertete Arbeiten: Am häufigsten lassen sie sich 2026 Konzepte erklären, Artikel zusammenfassen und Ideen für Recherchen vorschlagen. | Bild: HEPI

Fast alle nutzen KI für Prüfungen, aber die Angst vor Betrugsvorwürfen wächst

Die allermeisten Studierenden setzen generative KI für bewertete Arbeiten ein: Konzepte erklären lassen, Material zusammenfassen, Ideen strukturieren. Gut ein Drittel nutzt KI auch als Suchmaschine. Der Anteil derjenigen, die KI-generierten Text direkt in Prüfungsarbeiten einfügen, hat sich seit 2024 vervierfacht. Gleichzeitig geht die Nutzung allgemeiner Tools wie ChatGPT leicht zurück, was die Autorinnen auf spezialisierte Werkzeuge zurückführen.

Anzeige
DEC_D_Incontent-1

Knapp zwei Drittel der Studierenden sagen, die Prüfungsformate hätten sich erheblich verändert. In den Freitextantworten artikulieren mehrere eine Angst davor, fälschlicherweise des Betrugs beschuldigt zu werden: "Ständig die Sorge, dass meine Arbeit die KI-Erkennung auslöst, obwohl ich nie KI zum Schreiben benutzt habe," heißt es etwa.

Zwischen Lernhilfe und Denkfaulheit

Die Umfrage zeichnet das Bild einer polarisierten Studierendenschaft. Knapp die Hälfte sagt, KI habe ihre Studienerfahrung verbessert. Eine Minderheit nennt Fairness-Bedenken, den Verlust eigener Fähigkeiten und Sorgen um den Arbeitsmarkt. Einzelne berichten, kreative Fächer würden entwertet.

Zwei Zitate aus der Studie verdeutlichen die Kluft: Ein Studierender berichtet, KI habe ihm ermöglicht, "sich auf kritische Analyse und tieferes Verständnis zu konzentrieren". Ein anderer sagt: "Ich benutze mein Gehirn überhaupt nicht mehr."

Bei der Quellennutzung teilt sich die Studierendenschaft in drei fast gleich große Gruppen: traditionelle Quellen, KI-Quellen oder beides. Fast jeder Zehnte konsultiert traditionelle Quellen kaum noch.

Anzeige
DEC_D_Incontent-2

Rund 15 Prozent der Studierenden nutzen KI laut dem Bericht für Gesellschaft, Rat oder gegen Einsamkeit. Einige greifen auf rein KI-basierte Therapieangebote zurück. Insgesamt sagen vier von zehn Studierenden, KI beeinflusse ihr Einsamkeitsgefühl, wobei sich positive und negative Auswirkungen die Waage halten. "Es ist, als hätte man einen Freund in der Nähe", schreibt ein Studierender. Ein anderer: "Ich fühle mich einfach isoliert."

Horizontales Balkendiagramm zur KI-Nutzung im laufenden Studienjahr nach Anwendungsart, jeweils im Vergleich 2026, 2025 und 2024. 2026 wird KI am häufigsten zur Textgenerierung genutzt (56 Prozent), gefolgt von Zusammenfassen, Notizen oder Quiz zu Uni-Texten (38 Prozent), Schreibunterstützung (37 Prozent) und Übersetzung oder Sprachhilfe (31 Prozent). Bild-, Video- oder Audiogenerierung liegt bei 22 Prozent. Neu ausgewiesen sind 15 Prozent für Gesellschaft, Rat oder gegen Einsamkeit, 8 Prozent für rein KI-basierte Therapie und 4 Prozent für teilweise KI-gestützte Therapie. Der Anteil „Keine der genannten Nutzungen“ sinkt von 34 Prozent im Jahr 2024 auf 8 Prozent 2025 und 5 Prozent 2026.
Textgenerierung bleibt mit 56 Prozent der häufigste Anwendungsfall, während neue Nutzungen für Einsamkeit, Beratung und Therapie sichtbar werden. | Bild: HEPI

Hochschulen hinken hinterher

Mehr als zwei Drittel der Studierenden halten KI-Kompetenzen für essenziell, doch weniger als die Hälfte fühlt sich von Lehrenden dabei unterstützt. Nur gut ein Drittel wird von der eigenen Hochschule zur KI-Nutzung ermutigt.

Die Bereitstellung von KI-Tools hat sich seit 2024 vervielfacht, und deutlich weniger Hochschulen verbieten KI als noch im Vorjahr. Russell-Group-Universitäten, die 2025 noch zu den Schlußlichtern gehörten, ermutigen ihre Studierenden inzwischen am häufigsten.

Anhaltende Ungleichheiten zeigen sich entlang von Fach, Herkunft und Geschlecht: Geisteswissenschaftler sind deutlich skeptischer und fühlen sich besonders selten unterstützt. Studierende aus wohlhabenderen Haushalten nutzen KI häufiger, männliche Studierende bringen mehr Vorerfahrung mit. Ein Drittel kommt ganz ohne KI-Erfahrung an die Hochschule.

Auch Umweltbedenken spielen eine Rolle: Fast ein Viertel gibt an, die ökologischen Auswirkungen von KI hielten sie von der Nutzung ab.

Selbstsicher, aber ahnungslos

Eine im Bericht vorgestellte Fallstudie der Queen Mary University of London zeigt: Medizinstudierende, die bei klinischen Übungen nur KI ohne menschliches Feedback nutzten, schnitten am schlechtesten ab, waren aber am selbstsichersten. Professor Rakesh Patel vergleicht das damit, Lernenden einen Sportwagen zu geben, bevor sie fahren gelernt haben. Als Gegenbeispiel stellt der Bericht die Aston University vor, die KI-Training verbindlich in alle Curricula eingebettet und allen Mitarbeitenden bereits 2023 KI-Tools bereitgestellt hat.

Der HEPI-Bericht empfiehlt unter anderem, Studienanfänger strukturiert in KI einzuführen, klare Prüfungsrichtlinien mit KI-freien und KI-gestützten Formaten zu schaffen, Tools für alle Studierenden bereitzustellen und gezielt zu erforschen, wie sich KI auf Einsamkeit und psychisches Wohlbefinden auswirkt.

Die Debatte um KI im Bildungswesen spitzt sich seit Monaten zu. Eine Anthropic-Studie zeigte letztes Jahr, dass Studierende in fast der Hälfte aller analysierten Gespräche mit dem KI-Assistenten Claude höhere Denkprozesse wie Analysieren und Erschaffen an die KI auslagerten.

Gleichzeitig drängen die KI-Unternehmen selbst an die Hochschulen: Anthropic startete "Claude for Education" mit einem speziellen Lernmodus, OpenAI ist mit "ChatGPT Edu" bereits seit 2024 im Bildungsmarkt aktiv.

KI-Pionier Andrej Karpathy forderte zuletzt eine radikale Umgestaltung des Bildungssystems: Schulen sollten davon ausgehen, dass jede Arbeit außerhalb des Klassenzimmers mit KI erstellt wurde, und Prüfungen konsequent in den Präsenzunterricht verlagern.

KI-News ohne Hype – von Menschen kuratiert

Mit dem THE‑DECODER‑Abo liest du werbefrei und wirst Teil unserer Community: Diskutiere im Kommentarsystem, erhalte unseren wöchentlichen KI‑Newsletter, 6× im Jahr den „KI Radar"‑Frontier‑Newsletter mit den neuesten Entwicklungen aus der Spitze der KI‑Forschung, bis zu 25 % Rabatt auf KI Pro‑Events und Zugriff auf das komplette Archiv der letzten zehn Jahre.