Meta schließt Atomdeals mit drei Unternehmen ab und will größter Kernenergie-Käufer werden
Kurz & Knapp
- Meta hat 20-Jahres-Verträge mit Vistra für Strom aus drei Kernkraftwerken in Ohio und Pennsylvania abgeschlossen und unterstützt die Entwicklung von Small Modular Reactors bei Oklo und TerraPower. Die Projekte sollen bis 2035 insgesamt 6,6 Gigawatt liefern.
- Der Großteil der Kapazität stammt aus bestehenden Anlagen, die erweitert und länger betrieben werden. Die neuen SMR-Technologien sollen ab 2030 liefern, sind aber kommerziell noch nicht erprobt und benötigen behördliche Genehmigungen.
- KI-Anwendungen und Rechenzentren treiben den Strombedarf in den USA erstmals seit zwei Jahrzehnten nach oben. Meta will den Energiebedarf seiner Rechenzentren mit eigenen Investitionen in Kernenergie decken.
Der Facebook-Mutterkonzern schließt Vereinbarungen mit drei Unternehmen ab, um bestehende Kernkraftwerke länger zu betreiben und neue Reaktortechnologien zu entwickeln.
Meta hat 20-Jahres-Verträge mit dem Energieunternehmen Vistra abgeschlossen, um Strom von drei Kernkraftwerken in Ohio und Pennsylvania zu beziehen. Zusätzlich will der Konzern die Entwicklung sogenannter Small Modular Reactors (SMRs) bei den Unternehmen Oklo und TerraPower finanziell unterstützen.
Die Projekte sollen bis 2035 insgesamt bis zu 6,6 Gigawatt Leistung bereitstellen. Das entspricht der Kapazität von etwa sechs bis sieben herkömmlichen Kernkraftwerken. Joel Kaplan, Metas Chief Global Affairs Officer, bezeichnet das Unternehmen zusammen mit einer bereits 2025 geschlossenen Vereinbarung mit Constellation Energy als "einen der bedeutendsten Unternehmenskäufer von Kernenergie in der amerikanischen Geschichte".
Die Ankündigung zeigt, wie groß der Energiehunger der Tech-Konzerne inzwischen geworden ist: KI-Anwendungen und Rechenzentren treiben den Strombedarf in den USA erstmals seit zwei Jahrzehnten wieder nach oben, so Reuters.
Vistra soll bestehende Kraftwerke länger betreiben
Der größte Teil der geplanten Kapazität stammt aus bereits existierenden Anlagen. Meta will mehr als 2,1 Gigawatt von Vistras Kraftwerken Perry und Davis-Besse in Ohio beziehen. Zusätzlich sollen alle drei Standorte, einschließlich Beaver Valley in Pennsylvania, erweitert werden. Die sogenannten Uprates sollen insgesamt 433 Megawatt zusätzliche Leistung bringen und Anfang der 2030er Jahre ans Netz gehen.
Meta bezeichnet dies als die größte von einem Unternehmenskunden unterstützte Kernkraftwerks-Erweiterung in den USA. Die Vereinbarung soll zudem die Betriebsdauer der Anlagen verlängern, die derzeit bis mindestens 2036 lizenziert sind.
Neue Reaktortechnologien sollen ab 2030 liefern
Ambitionierter, aber auch unsicherer sind die Pläne für neue Reaktortypen. Mit TerraPower, einem von Bill Gates unterstützten Unternehmen, hat Meta eine Vereinbarung über die Entwicklung von zwei sogenannten Natrium-Reaktoren geschlossen. Diese sollen bis zu 690 Megawatt liefern, möglicherweise bereits ab 2032. Zusätzlich sichert sich Meta Rechte an bis zu sechs weiteren Einheiten mit 2,1 Gigawatt bis 2035.
Insgesamt könnte die TerraPower-Kooperation acht Reaktoren mit 2,8 Gigawatt Grundlastkapazität plus 1,2 Gigawatt integriertem Speicher umfassen. Meta bezeichnet dies als seine bislang größte Unterstützung für fortschrittliche Nukleartechnologien.
Die Partnerschaft mit Oklo zielt auf einen neuen Kernenergie-Campus in Pike County, Ohio. Bis zu 1,2 Gigawatt saubere Energie sollen dort entstehen, möglicherweise bereits ab 2030.
Kleine Reaktoren bleiben bisher ein Versprechen ohne Beweis
Die Euphorie an den Märkten sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Small Modular Reactors bislang Zukunftsmusik sind. Es gibt in den USA noch keine kommerziell betriebenen SMRs. Beide Projekte benötigen noch Genehmigungen der Aufsichtsbehörden.
Befürworter argumentieren, dass SMRs in Fabriken statt vor Ort gebaut werden können und dadurch Kosten sparen. Kritiker bezweifeln jedoch, dass die kleineren Anlagen jemals die Skaleneffekte großer Reaktoren erreichen werden.
Tausende Arbeitsplätze versprochen
Meta betont die wirtschaftlichen Auswirkungen der Projekte: Tausende Bauarbeitsplätze und Hunderte langfristige Betriebsstellen sollen entstehen. Neue Steuereinnahmen für lokale und staatliche Haushalte werden in Aussicht gestellt.
Der Konzern betreibt in der Region bereits den Prometheus-Supercluster in New Albany, Ohio. Die Kernkraftwerke sollen Strom in das PJM-Netz einspeisen, das auch Metas Rechenzentren versorgt. Meta betont, die vollen Kosten für den Energiebedarf seiner Rechenzentren selbst zu tragen.
Bereits im vergangenen Jahr hatte Meta eine Vereinbarung mit Constellation Energy geschlossen, um ein Kernkraftwerk in Illinois für weitere 20 Jahre in Betrieb zu halten.
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