"Personal Intelligence": Google spielt bei Gemini jetzt seinen großen Datenvorteil aus
Kurz & Knapp
- Google hat mit "Personal Intelligence" eine Funktion für seinen KI-Assistenten Gemini vorgestellt, die Gmail, Google Photos, YouTube und die Google-Suche miteinander verbindet. Der Chatbot kann damit auf persönliche Daten zugreifen.
- Der Konzern nutzt damit seinen über zwei Jahrzehnte aufgebauten Datenvorsprung gegenüber Konkurrenten wie OpenAI und Anthropic. Dieser Zugang zu Milliarden von E-Mails, Fotos und Suchverläufen lässt sich nicht einfach aufholen.
- Google warnt vor Einschränkungen der Beta-Version, darunter "Über-Personalisierung". Die Funktion ist zunächst nur für zahlende Abonnenten in den USA verfügbar.
Google verbindet seinen KI-Assistenten Gemini mit Gmail, Google Photos, YouTube und der Suche. Die neue Funktion verschafft dem Konzern einen Vorsprung, den OpenAI und Anthropic kaum einholen können.
Google hat eine Funktion namens "Personal Intelligence" für Gemini vorgestellt. Sie verbindet den KI-Assistenten mit Gmail, Google Photos, YouTube und der Google-Suche. Diese Informationen fließen dann in die Chatbot-Antworten ein. Gemini kann damit auf persönliche Daten zugreifen, über die kein anderer KI-Anbieter verfügt.
Personal Intelligence ist als Beta vorerst nur für zahlende Abonnenten in den USA verfügbar. Workspace-Nutzer im Business-, Enterprise- oder Education-Bereich sind ausgeschlossen. Google plant, die Funktion später auf weitere Länder und das kostenlose Tier auszuweiten.
Nummernschild aus Fotos, Kaufbelege aus E-Mails
Das System kombiniert Informationen aus verschiedenen Quellen: Text, Fotos, Videos, E-Mails, Suchverläufe. Es kann Produktempfehlungen auf Basis von Einkaufsbelegen geben oder Reisen planen, die auf vergangenen Trips basieren.
Josh Woodward, VP der Gemini-App, Google Labs und AI Studio, demonstriert die Funktion mit einem Beispiel: Beim Reifenkauf für seinen Minivan fragte er Gemini nach der Reifengröße. Der Chatbot lieferte die Spezifikationen und schlug verschiedene Optionen vor. Dabei bezog er sich auf Familienreisen, die er in Google Photos gefunden hatte. Als Woodward das Nummernschild benötigte, zog Gemini die siebenstellige Nummer aus einem Foto. Die genaue Fahrzeugausstattung ermittelte der Assistent durch eine Suche in Gmail.
Google spielt seinen Datenvorsprung aus
Google macht keinen Hehl daraus, dass es aus dem Datenvorsprung schöpft, den sich der Konzern in den letzten gut zwei Jahrzehnten aufgebaut hat. Im Blogbeitrag heißt es: "Weil diese Daten bereits sicher bei Google liegen, müssen Sie keine sensiblen Daten woanders hinsenden, um Ihre Erfahrung zu personalisieren. Das ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal."
Der Konzern hat Zugang zu Milliarden von E-Mails, Fotos und Suchverläufen – First-Party-Daten, über die weder ChatGPT noch Claude in vergleichbarer Breite verfügen. Dieser Vorsprung basiert auf einem über Jahre gewachsenen Ökosystem und lässt sich für Wettbewerber kaum nachbauen.
Die Verbindung der Apps zu Gemini ist standardmäßig deaktiviert, jede App muss einzeln freigeschaltet werden. Laut Google werden Fotos und E-Mails nicht direkt für das Training verwendet, aber referenziert. Trainiert werde auf Prompts und Modellantworten, nachdem persönliche Daten "gefiltert oder verschleiert" worden seien.
Google bezeichnet KI-Bullshit jetzt als "Über-Personalisierung"
Google räumt ein, dass die Beta-Version fehleranfällig ist. Nutzer könnten auf ungenaue Antworten oder "Über-Personalisierung" stoßen: Das Modell zieht dann Verbindungen zwischen Themen, die nichts miteinander zu tun haben. Woodward nennt ein Beispiel: Hunderte Fotos auf einem Golfplatz könnten Gemini zur Annahme verleiten, der Nutzer liebe Golf. In Wahrheit begleitet er nur seinen Sohn. Das System erfasst diese Nuance nicht.
Laut dem begleitenden Whitepaper gibt es weitere Schwachstellen: Gemini verwechselt mitunter Familienmitglieder, ignoriert Lebensveränderungen wie Scheidungen und vergisst Korrekturen. Wer dem System mitteilt, kein Steak zu essen, bekommt unter Umständen eine Woche später trotzdem Steakhouse-Empfehlungen. Nutzer müssen Fehler manuell korrigieren oder mit "Daumen runter" markieren.
Letztlich verfolgt OpenAI mit ChatGPT eine ähnliche Vision wie Google mit "Personal Intelligence": Das Unternehmen will ChatGPT zu einem "intuitiven KI-Super-Assistenten" entwickeln, der nicht nur Fragen beantwortet, sondern aktiv Aufgaben übernimmt und Nutzer über verschiedene Kanäle hinweg begleitet. OpenAI-Chef Sam Altman hat als Ziel formuliert, einen persönlichen Assistenten wie aus dem Film "Her" zu entwickeln. Für beide Unternehmen eröffnet sich damit auch das Potenzial für noch stärker personalisierte Werbung.
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