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OpenAI gegen Elon Musk: Tausende Seiten Beweismaterial offengelegt

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Midjourney prompted by THE DECODER

Kurz & Knapp

  • Im Gerichtsstreit zwischen OpenAI und Elon Musk wurden tausende Seiten Beweisdokumente veröffentlicht, die unter anderem zeigen, dass eine For-Profit-Struktur bereits in der Frühphase von OpenAI diskutiert wurde.
  • Eine zentrale Frage ist, ob OpenAI die gemeinnützige Struktur gezielt für Vorteile nutzte, während intern eine kommerzielle Ausrichtung geplant war.
  • Mitgründer Greg Brockman notierte etwa die Frage, wie er finanziell auf eine Milliarde kommen könne. Laut OpenAI stimmte Musk 2017 einer For-Profit-Struktur grundsätzlich zu.

Der Gerichtsstreit zwischen OpenAI und Elon Musk geht in die nächste Runde: Zuletzt wurden tausende Seiten an Beweisdokumenten sowie Auszüge aus Aussagen zentraler Beteiligter öffentlich. Musk fordert nun bis zu 134 Milliarden US-Dollar Schadenersatz.

Die Unterlagen zeichnen ein differenziertes Bild: Obwohl OpenAI mit einer Non-Profit-Mission an den Start ging, spielten Fragen der langfristigen Finanzierung und mögliche Strukturmodelle – einschließlich einer For-Profit-Komponente – bereits in der Frühphase eine zentrale Rolle.

Intern diskutierten die Gründer – einschließlich Elon Musk – auch, wie sich ein solcher Übergang kommunizieren ließe, ohne den moralischen Anspruch einer gemeinnützigen Organisation zu beschädigen (Elon Musk: "must tell the story and not lose moral high ground. absolutely vital.")

Nach Darstellung von OpenAI gründete Musk bereits 2017 eine Public Benefit Corporation (PBC) im OpenAI‑Umfeld, also eine For‑Profit‑Strukturform, wie OpenAI sie heute mit der OpenAI Group PBC unter Kontrolle des Non‑Profit‑Arms nutzt.

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Hat OpenAI die Non-Profit-Struktur ausgenutzt?

Eine zentrale Frage vor Gericht dürfte sein, ob OpenAI die gemeinnützige Konstruktion gezielt nutzte, um sich Vorteile zu verschaffen – von Reputation und Recruiting bis zu steuerlichen Effekten –, während die Führung von Anfang an eine kommerzielle Ausrichtung anstrebte.

Dieses Spannungsfeld zeigt sich exemplarisch bei Mitgründer Greg Brockman. In seinen im Verfahren offengelegten Notizen findet sich die Frage: "Was bringt mich finanziell auf eine Milliarde?" Dazu befragt, bezeichnete Brockman finanzielle Anreize im Fall einer For-Profit-Struktur als "nachrangige Überlegung"; wichtiger sei, ob man die Mission erfüllen könne.

via Greg Brockman

Doch wie nachrangig kann der Gedanke sein, Milliardär werden zu wollen? Diese Größenordnung dürfte den Non-Profit-Mythos zwangsläufig unter Druck setzen.

Musk stimmte For-Profit-Struktur zu

Musk wirft OpenAI im Kern vor, die ursprüngliche gemeinnützige Mission, die er mitfinanziert habe, verraten zu haben. Allerdings zeigen frühe Gesprächsnotizen aus dem Verfahren, dass Musk 2017 einer Struktur mit zusätzlicher For-Profit-Einheit grundsätzlich zustimmte und eine entsprechende Umstellung bei fortbestehendem Non-Profit-Teil aktiv mitdiskutierte.

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Nach Darstellung von OpenAI hat Musk in seinen Schriftsätzen gezielt "Rosinen gepickt" und wichtigen Kontext weggelassen. Demnach seien die Gespräche über eine For-Profit-Phase nicht daran gescheitert, ob OpenAI kommerzieller werden durfte, sondern daran, dass Musk die vollständige Kontrolle über das Unternehmen beanspruchte und Mehrheitseigentum wollte. Die Klage sei "haltlos" und Teil einer "fortlaufenden Belästigungskampagne".

via OpenAI

Musk habe zudem laut OpenAI eine Eingliederung in Tesla vorgeschlagen. Als er schließlich ausstieg, habe er OpenAI aufgefordert, eigenständig "Milliarden" aufzutreiben; andernfalls gab er dem Projekt laut OpenAI eine Erfolgschance von "null Prozent". Musk hatte 2018 den OpenAI-Vorstand verlassen, 2023 sein eigenes KI-Unternehmen xAI gegründet und 2024 den Rechtsstreit begonnen. Der Prozess soll Ende April 2026 in Kalifornien beginnen.

Musk fordert bis zu 134 Milliarden Dollar

In der Gerichtsakte beziffert Musks Anwalt Steven Molo (via Bloomberg) die Schadenersatzforderung auf 79 bis 134 Milliarden US-Dollar, aufgeschlüsselt in 65,5 bis 109,4 Milliarden von OpenAI und 13,3 bis 25 Milliarden von Microsoft.

Die Argumentation: Musk habe 38 Millionen Dollar Startkapital in OpenAI investiert und sei um diese Summe betrogen worden. Angesichts der heutigen Bewertung von 500 Milliarden Dollar stehe ihm ein entsprechender Anteil zu.

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