Meta kauft Millionen Nvidia-Chips und setzt erstmals auf eigenständige Nvidia-CPUs
Kurz & Knapp
- Meta hat einen mehrjährigen Vertrag mit Nvidia geschlossen, der Millionen von Chips umfasst: neben Blackwell- und Rubin-GPUs auch erstmals die eigenständigen Grace- und Vera-CPUs. Analysten schätzen den Wert auf einen zweistelligen Milliardenbetrag.
- Der Deal zeigt einen Strategiewechsel bei Nvidia, das seine CPUs nun separat verkauft und damit auf den wachsenden Inferenz-Markt zielt. Während das Training und die Inferenz großer KI-Modelle GPUs benötigt, reichen für viele kleinere Inferenz-Aufgaben CPUs aus, die kostengünstiger und energieeffizienter arbeiten.
- Meta geht damit einen anderen Weg als andere Hyperscaler wie Amazon und Google, die eigene Prozessoren entwickeln. Der Konzern setzt auf Nvidia-Hardware, während die eigene Chip-Entwicklung laut Berichten mit technischen Problemen und Verzögerungen zu kämpfen hat.
Der Facebook-Konzern hat einen mehrjährigen Deal mit Nvidia abgeschlossen, der neben GPUs auch erstmals eigenständige Nvidia-Prozessoren umfasst. Die Vereinbarung markiert einen strategischen Schwenk für beide Unternehmen.
Meta hat sich in einem mehrjährigen Abkommen verpflichtet, Millionen von Nvidia-Chips zu kaufen, darunter aktuelle Blackwell-GPUs sowie kommende Rubin-GPUs und erstmals eigenständige Grace- und Vera-CPUs. Einen genauen Kaufpreis nannten die Unternehmen nicht. Ben Bajarin, Analyst bei Creative Strategies, schätzt den Wert auf mehrere Milliarden Dollar. Laut The Register dürfte der Deal Nvidia zweistellige Milliardenbeträge einbringen.
Meta-Chef Mark Zuckerberg hatte zuvor angekündigt, die KI-Infrastrukturausgaben seines Unternehmens 2026 auf bis zu 135 Milliarden Dollar nahezu zu verdoppeln.
Nvidias CPU-Offensive zielt auf den Inferenz-Markt
Der bemerkenswerteste Aspekt des Deals ist nicht der GPU-Kauf, sondern Metas Entscheidung, Nvidias CPUs als eigenständige Produkte in großem Maßstab einzusetzen. Bisher waren Nvidias Grace-Prozessoren fast ausschließlich als Teil sogenannter "Superchips" erhältlich, die CPU und GPU auf einem Modul vereinen. Nvidia hatte seine Vertriebsstrategie im Januar 2026 offiziel geändert und bietet die CPUs separat an. Erster benannter Kunde war da der Neocloud-Anbieter Coreweave.
Das Unternehmen zielt damit auf einen wachsenden Markt: Während die KI-Branche in den vergangenen Jahren vor allem vom GPU-lastigen Training großer Modelle geprägt war, verlagert sich der Schwerpunkt zunehmend auf Inferenz, also das Ausführen trainierter Modelle. Für viele dieser Aufgaben sind GPUs überdimensioniert.
"Wir waren in der Training-Ära, und jetzt bewegen wir uns mehr in die Inferenz-Ära, die einen völlig anderen Ansatz erfordert", sagte Bajarin gegenüber der Financial Times.
Ian Buck, Nvidias Vizepräsident für Hyperscale und HPC, erklärte laut The Register, dass der Grace-Prozessor bei Backend-Aufgaben wie Datenbanken die doppelte Leistung pro Watt im Vergleich zu herkömmlichen Lösungen biete. Meta habe die kommende Vera-CPU bereits getestet, und die Ergebnisse seien "sehr vielversprechend".
Die Grace-CPU verfügt über 72 Arm Neoverse V2-Kerne und nutzt LPDDR5x-Speicher, der Vorteile bei Bandbreite und Platz bietet. Die Vera-CPU, Nvidias nächste Generation, bringt 88 Custom-Arm-Kerne mit Simultaneous Multi-Threading und Confidential-Computing-Funktionen mit. Letztere soll Meta laut Nvidia für die private Verarbeitung und KI-Funktionen in WhatsApp nutzen. Der Einsatz von Vera ist ab 2027 geplant.
Nvidias Entscheidung, CPUs separat anzubieten, bringt das Unternehmen auch in direkte Konkurrenz zu Intel und AMD im Servermarkt.
Meta handelt gegen den Branchentrend
Mit dem Kauf eigenständiger Nvidia-CPUs geht Meta einen anderen Weg als die meisten Hyperscaler. Amazon setzt auf seine eigenen Graviton-Prozessoren, Google auf Axion. Meta hingegen kauft bei Nvidia ein, obwohl der Konzern parallel an eigenen KI-Chips arbeitet. Laut der Financial Times hatte Metas eigene Chip-Strategie allerdings mit "technischen Herausforderungen und Verzögerungen bei der Einführung" zu kämpfen.
Nvidia steht seinerseits unter Druck. Google, Amazon und Microsoft haben in den vergangenen Monaten eigene Chips angekündigt. OpenAI hat gemeinsam mit Broadcom einen Chip entwickelt und einen Vertrag mit AMD geschlossen. Mehrere Start-ups wie Cerebras bieten spezialisierte Inferenz-Chips an, die Nvidias Dominanz gefährden könnten. Im Dezember übernahm Nvidia deshalb in einem Lizenzdeal Mitarbeiter des Inferenz-Chip-Unternehmens Groq, um seine Position in diesem Bereich zu stärken.
Ende vergangenen Jahres fiel Nvidias Aktienkurs um vier Prozent, nachdem berichtet worden war, Meta führe Gespräche mit Google über den Einsatz von Googles Tensor Processing Units. Ein solcher Deal wurde bislang nicht bestätigt.
Meta ist zudem nicht ausschließlich Nvidia-Kunde. Der Konzern betreibt laut The Register eine Flotte von AMD Instinct GPUs und war an der Entwicklung von AMDs Helios-Rack-Systemen beteiligt, die später in diesem Jahr erscheinen sollen.
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