OpenAI erhöht Cashburn-Prognose: 111 Milliarden US-Dollar mehr bis 2030
Kurz & Knapp
- OpenAI hat seine Ausgabenprognosen erneut nach oben korrigiert und rechnet nun mit einem kumulierten Cashburn von 665 Milliarden US-Dollar bis 2030 für Training und Betrieb seiner KI-Modelle, rund 111 Milliarden mehr als zuvor geschätzt.
- Cash-Flow-positiv will das Unternehmen erst 2030 werden, während Konkurrent Anthropic bereits 2028 den Break-even anpeilt.
- Die Inferenzkosten haben sich 2025 vervierfacht, die bereinigte Bruttomarge fiel auf 33 Prozent statt der angepeilten 46 Prozent, und allein die Trainingskosten sollen sich bis 2030 auf fast 440 Milliarden US-Dollar summieren.
OpenAI hebt seine Umsatzprognosen an, warnt Investoren aber zugleich vor einem drastisch höheren Mittelabfluss. Die Kosten für Training und Betrieb von KI-Modellen steigen schneller als die Einnahmen.
OpenAI hat seine Finanzprognosen erneut überarbeitet und rechnet nun mit einem kumulierten Cashburn von rund 111 Milliarden US-Dollar mehr als zuvor bis 2030, wie The Information unter Berufung auf interne Finanzunterlagen berichtet. Insgesamt sollen 665 Milliarden US-Dollar in Training und Betrieb von KI-Modellen fließen. Die Umsätze steigen zwar ebenfalls, doch nicht im gleichen Tempo.
Laut den neuen Prognosen erwartet OpenAI für 2026 einen Cashburn von 25 Milliarden US-Dollar und für 2027 von 57 Milliarden. Zusammen sind das rund 30 Milliarden mehr als noch in der vorherigen Schätzung. Cash-Flow-positiv will das Unternehmen erst 2030 werden, mit einem positiven Cashflow von knapp 39 Milliarden US-Dollar. Damit liegt OpenAI hinter Konkurrent Anthropic, der bereits 2028 den Break-even erreichen will.
| Jahr | Prognose Q1 2025 | Prognose Q3 2025 | Prognose Q1 2026 |
|---|---|---|---|
| 2024 | ca. -2 Mrd. | -2 Mrd. | -2 Mrd. |
| 2025 | ca. -7 Mrd. | -9 Mrd. | -8 Mrd. |
| 2026 | ca. -8 Mrd. | -17 Mrd. | -25 Mrd. |
| 2027 | ca. -20 Mrd. | -35 Mrd. | -57 Mrd. |
| 2028 | ca. -11 Mrd. | -47 Mrd. | -85 Mrd. |
| 2029 | ca. +12 Mrd. | -8 Mrd. | -51 Mrd. |
| 2030 | ca. +41 Mrd. | +38 Mrd. | +39 Mrd. |
Verschiebung der Cashburn-Prognosen über drei Prognosezeitpunkte. Angaben in US-Dollar. Quelle: The Information.
Bereits im vergangenen Herbst hatte OpenAI seine Ausgabenprognose drastisch nach oben korrigiert. Damals hob das Unternehmen den erwarteten kumulierten Cashburn bis 2029 um rund 80 Milliarden auf 115 Milliarden US-Dollar an. Die jetzige Korrektur zeigt, dass sich dieser Trend weiter beschleunigt hat.
Consumer-Geschäft bleibt Wachstumsmotor, Hardware spielt keine große Rolle
OpenAI hat seinen Umsatz 2025 auf 13,1 Milliarden US-Dollar mehr als verdreifacht und damit die eigene Prognose um 100 Millionen übertroffen. Für 2026 erwartet das Unternehmen 30 Milliarden, für 2027 rund 62 Milliarden. Insgesamt liegen die Umsatzprognosen bis 2030 etwa 27 Prozent über den früheren Schätzungen.
Der größte Umsatztreiber bleibt das Consumer-Geschäft, das bis 2030 rund 150 Milliarden US-Dollar einbringen soll. OpenAI zählt inzwischen 910 Millionen wöchentlich aktive Nutzer. Das ist ein neuer Höchststand, liegt aber angeblich unter der Marke von einer Milliarde, die das Unternehmen bis Ende 2025 erreichen wollte. Angeblich ist GPT-5 schuld; die "wärmeren" Nachfolgemodelle 5.1 und 5.2 hätten wieder für Wachstum gesorgt. Bis 2030 peilt OpenAI 2,75 Milliarden wöchentlich aktive Nutzer an.
Im Enterprise-Segment will OpenAI den Umsatz von ChatGPT Enterprise und B2B auf 70 Milliarden US-Dollar bringen, was für eine aggressive Expansion in diesem Segment spricht, ausgehend von den zwei Milliarden in 2025. Das API-Segment soll auf bis zu 47,5 Milliarden US-Dollar wachsen, das Geschäft für Hardware und "andere neue Produkte" liegt 2030 geschätzt bei nur 15 Milliarden US-Dollar. OpenAI rechnet hier erstmals 2026 mit Einnahmen, angefangen bei 100 Millionen US-Dollar, wachsend auf 1,5 Milliarden US-Dollar im nächsten Jahr. Eine erste Hardware könnte im Frühjahr 2027 erscheinen; OpenAI hat verschiedene Geräte in Entwicklung, darunter einen Smart Lautsprecher.
Bruttomargen verfehlen die eigenen Ziele deutlich
Ein zentraler Grund für die Kostenexplosion: Die Inferenzkosten, also die Ausgaben für den laufenden Betrieb der KI-Modelle, haben sich laut dem Bericht im Jahr 2025 vervierfacht. OpenAI musste kurzfristig teurere Rechenkapazitäten zukaufen, weil die Nachfrage nach ChatGPT und den API-Diensten höher ausfiel als erwartet.
Besonders bitter: Die bereinigte Bruttomarge fiel 2025 auf 33 Prozent, nach 40 Prozent im Vorjahr. Das Unternehmen hatte sich selbst eine Zielmarke von 46 Prozent gesetzt. Für die kommenden Jahre erwartet OpenAI Margen zwischen 52 und 67 Prozent. Zuvor hatte man 70 Prozent bis 2029 angepeilt. Zum Vergleich: Erfolgreiche Software-Unternehmen erzielen typischerweise Bruttomargen von über 70 Prozent.
Die Trainingskosten allein summieren sich laut den Prognosen bis 2030 auf fast 440 Milliarden US-Dollar. Für 2026 plant OpenAI 32 Milliarden und für 2027 rund 65 Milliarden US-Dollar für das Training seiner Modelle ein. Profiteure dieser Ausgaben, sofern OpenAI denn die Rechnungen begleichen kann, sind primär Microsoft, Amazon und Oracle, die langfristige Verträge für Rechenkapazitäten und Hardware mit OpenAI abgeschlossen haben.
Um die enormen Kosten zu finanzieren, verhandelt OpenAI derzeit über eine Finanzierungsrunde von mehr als 100 Milliarden US-Dollar bei einer Bewertung von circa 750 Milliarden US-Dollar. Als Investoren werden SoftBank, Amazon, Nvidia und Microsoft genannt. Ende 2025 verfügte OpenAI über rund 40 Milliarden US-Dollar an liquiden Mitteln.
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