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Anthropic-CEO nennt OpenAIs Pentagon-Deal "Safety Theater" und wirft Trump-Regierung Bestrafung vor

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Anthropic-Chef Dario Amodei attackiert in einem geleakten Memo OpenAIs Pentagon-Vertrag als "80% Safety Theater" und beschuldigt die Trump-Regierung, sein Unternehmen für mangelnde politische Loyalität zu bestrafen. OpenAI bessert seinen Vertrag hastig nach, Investoren drängen auf Deeskalation, und ein großer Tech-Branchenverband stellt sich hinter Anthropic. Gleichzeitig verhandelt Amodei in einem letzten Anlauf direkt mit dem CTO des Pentagons.

Anthropic-CEO Dario Amodei hat in einem 1.600 Wörter langen internen Memo an mehr als 2.000 Mitarbeitende den Pentagon-Deal seines Rivalen OpenAI als "Safety Theater" bezeichnet. Das Schreiben, das The Information am Mittwoch veröffentlichte, zeichnet das Bild eines Konflikts, der weit über eine gescheiterte Vertragsverhandlung hinausgeht.

Die Vorgeschichte: Das Pentagon hatte am Freitag angekündigt, Anthropic als "Supply-Chain-Risiko" einzustufen, nachdem das Unternehmen sich geweigert hatte, dem Militär den Einsatz seiner KI für Massenüberwachung im Inland und für vollständig autonome tödliche Waffen zu gestatten. Noch am selben Tag verkündete OpenAI-CEO Sam Altman, dass sein Unternehmen einen Deal mit dem Pentagon geschlossen habe, um seine KI-Modelle in klassifizierten Systemen bereitzustellen.

Laut The Information sagte Amodei seinen Mitarbeitenden, Altman versuche, "es der Regierung leichter zu machen, uns zu bestrafen, indem er unsere öffentliche Unterstützung untergräbt".

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Amodei wirft Altman systematische Täuschung vor

In dem Memo zeichnet Amodei ein detailliertes Bild dessen, was er als Altmans Verhaltensmuster beschreibt: öffentlich Anthropics rote Linien unterstützen, im Hintergrund aber einen Vertrag unterzeichnen, der diese Linien faktisch unterläuft.

Die Vertragssprache von OpenAI erlaube dem Pentagon die Nutzung für "alle rechtmäßigen Zwecke". Zwar sehe der Vertrag eine "Sicherheitsschicht" vor, doch Amodei hält diese Schutzmechanismen für weitgehend wirkungslos. "Unser allgemeiner Eindruck ist, dass diese Art von Ansätzen, während sie nicht null Wirksamkeit haben, im Kontext militärischer Anwendungen vielleicht 20% real und 80% Safety Theater sind", schrieb er.

Amodeis technisches Argument: Ein KI-Modell könne nicht wissen, ob ein Mensch in den Entscheidungsprozess eingebunden sei, ob die analysierten Daten von US-Bürgern oder aus dem Ausland stammten, oder ob sie mit Einwilligung erhoben oder auf fragwürdigen Wegen beschafft worden seien. Modelleigene Verweigerungen seien zudem unzuverlässig, Jailbreaks alltäglich.

Besonders hart geht Amodei mit dem Technologiepartner Palantir ins Gericht, über den Anthropic bislang US-Behörden bedient hatte. Palantir habe Anthropic eine Art Klassifikator-System angeboten, das angeblich bestimmte Anwendungen blockiere. Amodeis Urteil: "Palantir ging davon aus, dass unser Problem war: 'Ihr habt einige unzufriedene Mitarbeiter, ihr müsst ihnen etwas anbieten, das sie beschwichtigt oder das, was passiert, für sie unsichtbar macht, und das ist die Dienstleistung, die wir erbringen.'" Amodei vermutet, auch OpenAI sei das angeboten worden, doch der Konkurrent arbeite laut einer Quelle mit Kenntnis der Pläne nicht mit Palantir bei der Pentagon-Arbeit zusammen.

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Warum das Pentagon Anthropic laut Amodei wirklich ablehnt

Amodei benennt in dem Memo die aus seiner Sicht wahren Gründe für die Spannungen mit der Trump-Regierung. "Die wahren Gründe, warum das Verteidigungsministerium und die Trump-Regierung uns nicht mögen, sind, dass wir nicht an Trump gespendet haben (während OpenAI/Greg viel gespendet haben)", schreibt Amodei laut The Information. Gemeint ist OpenAI-Präsident Greg Brockman, der zusammen mit seiner Frau 25 Millionen Dollar an ein Trump-unterstützendes Super PAC gespendet haben soll.

"Wir haben Trump kein Lob im Diktator-Stil gegeben (während Sam das getan hat), wir haben KI-Regulierung unterstützt, die gegen ihre Agenda ist, wir haben die Wahrheit über eine Reihe von KI-Politikfragen gesagt (wie Arbeitsplatzverlagerung), und wir haben unsere roten Linien tatsächlich mit Integrität gehalten."

Amodei berichtet zudem, dass das Pentagon gegen Ende der Verhandlungen angeboten habe, Anthropics Vertragsbedingungen zu akzeptieren, wenn das Unternehmen eine einzelne Formulierung streiche: die zur "Analyse massenhaft erworbener Daten". Genau diese Klausel decke das Szenario ab, das Anthropic am meisten beunruhige. Das Unternehmen lehnte ab.

OpenAI bessert hastig nach

Die öffentliche Reaktion auf den Pentagon-Deal fiel für OpenAI wenig schmeichelhaft aus. Altman räumte ein, der übereilte Vertragsabschluss habe "opportunistisch und schlampig" gewirkt. Nach Gegenwind von eigenen Mitarbeitenden und der Öffentlichkeit aktualisierte OpenAI den Vertrag am Montag mit schärferer Sprache: Die neuen Klauseln verbieten laut Altman "absichtliches Tracking, Überwachung oder Monitoring von US-Personen oder -Staatsbürgern, einschließlich durch die Beschaffung oder Nutzung kommerziell erworbener persönlicher oder identifizierbarer Informationen". Geheimdienste wie die NSA würden ebenfalls vom Deal ausgeschlossen.

Doch Juristen und Mitarbeitende bleiben skeptisch, wie die Financial Times berichtet. Die Formulierungen "absichtlich", "bewusst" oder "gezielt" ließen die Möglichkeit offen, dass das Militär Amerikaner "beiläufig" oder "unbeabsichtigt" überwache. Connie LaRossa, OpenAIs Leiterin für nationale Sicherheitspolitik, sagte am Mittwoch, die genauen Schutzmaßnahmen würden "noch verhandelt". Es gebe eine dreimonatige Umsetzungsphase, in der offene Fragen geklärt werden sollen, darunter technische Sicherheitsmechanismen und konkrete Einsatzszenarien.

In dem Memo weist Amodei auch auf eine unterschätzte rechtliche Lücke hin: Die Pentagon-Richtlinie, wonach ein Mensch in die Entscheidungskette bei Waffeneinsätzen eingebunden sein müsse, stamme aus der Biden-Ära und könne von Verteidigungsminister Pete Hegseth einseitig geändert werden. "Es ist also, für alle praktischen Zwecke, keine echte Einschränkung", so Amodei.

Investoren drängen auf Deeskalation, Branche zeigt Solidarität

Während hinter den Kulissen die Tonlage schärfer wird, drängen Anthropics Investoren auf eine Lösung. Wie Reuters berichtet, hat Amodei in den vergangenen Tagen unter anderem mit Amazon-CEO Andy Jassy gesprochen. Risikokapitalgeber wie Lightspeed und Iconiq stehen ebenfalls mit Anthropic-Führungskräften in Kontakt und suchen nach möglichen Lösungen, auch über Kontakte in die Trump-Regierung.

Einige Investoren äußerten Frustration über Amodeis Verhandlungsstil. "Es ist ein Ego- und Diplomatieproblem", sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person gegenüber Reuters. Gleichzeitig könne Amodei nun nicht mehr nachgeben, ohne Mitarbeitende und Nutzer zu verprellen, die gerade wegen seiner Haltung zu Anthropic gewechselt hätten. Anthropics Chatbot Claude stieg zeitweise auf Platz 1 der kostenfreien App-Downloads im Apple App Store.

Auch die Branche reagierte: Der IT-Branchenverband Information Technology Industry Council, dem unter anderem Amazon, Nvidia, Apple und OpenAI angehören, äußerte in einem Brief an das Pentagon Bedenken gegen die Supply-Chain-Risiko-Einstufung. OpenAIs LaRossa sagte auf einer Konferenz: "Wir arbeiten tatsächlich daran, die Sicherheitsrisiko-Einstufung von Anthropic rückgängig zu machen. Das sollte nicht auf einen US-Branchenpartner mit einem so wichtigen Werkzeug angewendet werden."

Anthropic versucht einen letzten Anlauf

Laut der Financial Times verhandelt Amodei inzwischen direkt mit Emil Michael, Staatssekretär im Verteidigungsministerium verantwortlich für Forschung und Entwicklung und Chief Technology Officer, in einem letzten Versuch, eine Einigung zu erzielen. Michael hatte Amodei noch letzte Woche öffentlich als "Lügner" mit "Gottkomplex" angegriffen. Bei einem Morgan-Stanley-Event am Dienstagabend schlug Amodei versöhnlichere Töne an: "Ich würde damit anfangen zu sagen, dass Anthropic und das Verteidigungsministerium viel mehr gemeinsam haben als Unterschiede." Man glaube daran, Amerika zu verteidigen, und werde sein Bestes tun, den Konflikt zu lösen.

Die wirtschaftlichen Einsätze sind für Anthropic erheblich. Das Unternehmen hat laut Reuters eine Revenue Run Rate von rund 19 Milliarden Dollar, vor wenigen Wochen waren es noch 14 Milliarden. Etwa 80 Prozent der Einnahmen stammen aus dem Unternehmensgeschäft. Mehrere US-Behörden, darunter das Außenministerium, haben bereits begonnen, ihre Anthropic-Nutzung zu beenden und zu OpenAI zu wechseln. Trump ordnete an, Anthropic-Technologie innerhalb von sechs Monaten aus Bundesbehörden zu entfernen. Das US-Militär setzt Claude allerdings aktuell in Palantirs Maven-System intensiv im Iran-Krieg ein. Anthropic kündigte an, eine mögliche offizielle Supply-Chain-Risiko-Einstufung gerichtlich anfechten zu wollen.

Amodei schließt sein Memo mit einer bemerkenswerten Einschätzung der Lage. Die Spin-Versuche funktionierten bei der breiten Öffentlichkeit und den Medien nicht besonders gut, Anthropic werde als Held gesehen. Seine größte Sorge gelte den OpenAI-Mitarbeitenden: "Aufgrund von Selektionseffekten sind sie so eine Art leichtgläubige Truppe, aber es scheint wichtig, gegen diese Narrative vorzugehen, die Sam seinen Mitarbeitern verkauft."

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