Neue Rankings zeigen einen KI-Markt im Umbruch und den Aufstieg autonomer Agenten
Kurz & Knapp
- ChatGPT bleibt das mit Abstand meistgenutzte KI-Konsumentenprodukt, doch Gemini und Claude wachsen deutlich schneller.
- Viele Nutzer wechseln bereits regelmäßig zwischen mehreren Assistenten, was laut a16z eher an die Smartphone-Plattform-Kriege erinnert als an die Dominanz einer einzelnen Suchmaschine.
- Eigenständige Kreativtools wie Midjourney verlieren massiv an Relevanz, seit die großen Chatbots eigene Bildgenerierung integriert haben.
Die neue Ausgabe der Top-100-Liste für KI-Konsumentenprodukte von Andreessen Horowitz zeigt einen Markt im Umbruch: ChatGPT bleibt dominant, Konkurrenten holen auf, und die globale Nutzung spaltet sich entlang geopolitischer Linien auf.
Das Risikokapitalunternehmen Andreessen Horowitz (a16z) veröffentlicht seit drei Jahren ein Ranking der meistgenutzten KI-Konsumentenprodukte. Die sechste Ausgabe basiert auf SimilarWeb- und Sensor-Tower-Daten, jeweils Stand Januar 2026. Erstmals werden auch Produkte erfasst, bei denen generative KI zwar zentral geworden ist, die aber nicht als KI-Unternehmen gegründet wurden, etwa CapCut, Canva und Notion.


ChatGPT führt, doch die Konkurrenz liefert
ChatGPT bleibt mit Abstand das größte KI-Konsumentenprodukt. Im Web verzeichnet es 2,7-mal so viel Traffic wie Gemini auf Platz zwei. Die wöchentlich aktiven Nutzer sind innerhalb eines Jahres um 500 Millionen auf 900 Millionen gewachsen. Über zehn Prozent der Weltbevölkerung nutzen ChatGPT demnach jede Woche.
Die Konkurrenz holt allerdings auf. Claude verzeichnet laut Daten des Marktforschungsunternehmens Yipit ein Wachstum der zahlenden US-Abonnenten von über 200 Prozent im Jahresvergleich, Gemini sogar 258 Prozent. Rund 20 Prozent der wöchentlichen ChatGPT-Webnutzer verwenden in einer gegebenen Woche auch Gemini, ein Zeichen dafür, dass Nutzer zunehmend zwischen mehreren Assistenten wechseln.

Die Plattformen verfolgen dabei laut a16z sehr unterschiedliche Strategien. ChatGPT biete mehr als 85 Apps in den Kategorien Reisen, Shopping, Essen und Gesundheit an und sei damit der "aggressivste Versuch, eine Consumer-Super-App zu werden".
Claudes Integrationen zielten dagegen auf Finanzdatenanbieter, Entwicklerwerkzeuge und Wissenschaftsdatenbanken. Der Ausgang könne laut den Analysten weniger wie die Suchmaschinen-Kriege aussehen, bei denen ein Anbieter 90 Prozent eroberte, und mehr wie die Smartphone-Plattform-Kriege, bei denen zwei Systeme mit grundverschiedenen Philosophien jeweils riesige Ökosysteme aufbauten.

Die KI-Weltkarte zerfällt in drei Blöcke
Geografisch spaltet sich der Markt in drei Ökosysteme. Die westlichen Tools teilen eine ähnliche Nutzerbasis aus den USA, Indien, Brasilien, Großbritannien und Indonesien. Deepseek sei das einzige Produkt, das die Kluft überbrücke, mit Traffic aus China, Russland und den USA.

Russland habe sich als dritter Pol etabliert: Yandex Browser mit dem KI-Assistenten Alice erreiche 71 Millionen monatlich aktive Nutzer. "Sanktionen schufen die Lücke, lokale Produkte füllten sie innerhalb von zwei Jahren", so der Bericht. Im Pro-Kopf-Vergleich liegt Singapur auf Platz 1, die USA auf Platz 20.
Midjourney stürzt ab, Agenten entstehen
Die Kreativtools haben sich laut a16z grundlegend verändert. Seitdem ChatGPT und Gemini eigene leistungsfähige Bildmodelle eingebaut haben, scheint sich ein eigenständiges Tool für die meisten Nutzer kaum noch zu lohnen.
Midjourney, das kurz vor der Veröffentlichung von v8 seines Modells steht, ist von den Top 10 auf Platz 43 gefallen. Bei Videogenerierung führen chinesische Modelle wie Kling AI und Hailuo, während Sora 2 trotz eines starken Launches den viralen Durchbruch als Social-App verpasst hat. Vor diesem Hintergrund erscheint die angebliche Integration von Sora in ChatGPT nur logisch.
Als neue Kategorie entstehen Agenten. OpenClaw, ein Open-Source-Projekt des österreichischen Entwicklers Peter Steinberger, wuchs innerhalb weniger Wochen auf 68.000 GitHub-Sterne. Das chinesische Manus wurde von Meta für geschätzt zwei Milliarden US-Dollar gekauft.
Die eigenen Rankings unterschätzen laut a16z zunehmend, welche KI-Produkte die Menschen tatsächlich nutzen. Je stärker sich KI vom eigenständigen Produkt zum eingebetteten Feature wandle, desto weniger taugten Web-Traffic und App-Downloads als Maßstab. Google etwa startete "Personal Intelligence", das Gemini mit Gmail, Fotos und YouTube verbindet.
Vor kurzem zeigten bereits Similarweb-Daten, dass ChatGPT trotz weiterhin dominanter Position Marktanteile einbüßt: Der Anteil am weltweiten KI-Webtraffic sank demnach innerhalb eines Jahres von 75,7 auf 61,7 Prozent, während Google Gemini seinen Anteil von 5,7 auf 24,4 Prozent mehr als vervierfachte.
Im Unternehmensmarkt zeichnet sich ein ähnliches Bild ab: Laut einer a16z-Umfrage unter 100 CIOs führt OpenAI zwar noch mit 78 Prozent Nutzung in der Produktion, doch Anthropic steigerte seine Enterprise-Durchdringung seit Mai 2025 um 25 Prozent auf 44 Prozent. 81 Prozent der befragten Unternehmen nutzen mittlerweile drei oder mehr Modellfamilien.
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