Anzeige
Skip to content

Anthropic-Studie: Wer KI länger nutzt, erzielt bessere Ergebnisse

Image description
Nano Banana Pro prompted by THE DECODER

Der zweite Anthropic Economic Index analysiert, wie sich die Nutzung von Claude in der Wirtschaft verändert. Ein zentraler Befund: Wer länger mit dem KI-Modell arbeitet, erzielt messbar bessere Ergebnisse. Das könnte bestehende Ungleichheiten verschärfen.

Anthropic hat den fünften Economic Index Report veröffentlicht, der auf Daten vom Februar 2026 basiert. Das Unternehmen untersucht darin mit einem datenschutzkonformen Analysesystem, wie Claude in der Wirtschaft eingesetzt wird, ohne individuelle Gesprächsinhalte offenzulegen. Die Stichprobe umfasst jeweils eine Million Konversationen von Claude.ai und der hauseigenen API.

Nutzung wird breiter, aber weniger komplex

Seit dem ersten Bericht vom Februar 2025 hat sich die Nutzung auf Claude.ai diversifiziert. Die zehn häufigsten Aufgaben machten im Februar nur noch 19 Prozent des Traffics aus, verglichen mit 24 Prozent drei Monate zuvor. Coding bleibt mit 35 Prozent die häufigste Anwendung, wandert aber zunehmend zur API ab, wo Claude Code einen wachsenden Anteil ausmacht.

Liniendiagramm zeigt die Konzentration der zehn häufigsten O*NET-Aufgaben über Zeit für Claude.ai und die First-Party-API. Claude.ai sinkt von 21 Prozent im Januar 2025 auf 19 Prozent im Februar 2026, die API steigt von 28 auf 33 Prozent.
Die Nutzung auf Claude.ai wird breiter: Der Anteil der zehn häufigsten Aufgaben sank von 24 auf 19 Prozent, während er in der API auf 33 Prozent stieg. | Bild: Anthropic

Gleichzeitig stieg der Anteil persönlicher Anfragen von 35 auf 42 Prozent. Der durchschnittliche wirtschaftliche Wert der auf Claude.ai erledigten Aufgaben, gemessen am Stundenlohn der US-Arbeiter in den zugehörigen Berufen, sank leicht von 49,30 auf 47,90 Dollar.

Laut Anthropic entspricht das einer typischen Adoptionskurve, bei der frühe Nutzer spezialisierte Aufgaben wie Programmierung bevorzugen, während spätere Anwender ein breiteres Spektrum mitbringen, darunter Sportergebnisse, Produktvergleiche und Fragen zur Hauswartung. Insgesamt haben laut der Studie rund 49 Prozent aller Berufe mindestens ein Viertel ihrer Aufgaben über Claude ausführen lassen.

Liniendiagramm zeigt die Anteile von Arbeit, persönlicher Nutzung und Kursarbeit auf Claude.ai. Arbeit sank leicht von 46 auf 45 Prozent, persönliche Nutzung stieg von 35 auf 42 Prozent, Kursarbeit fiel von 19 auf 12 Prozent.
Persönliche Anfragen wachsen, Kursarbeit schrumpft: Die Zusammensetzung der Claude.ai-Nutzung verschiebt sich zwischen November 2025 und Februar 2026 deutlich. | Bild: Anthropic

Erfahrene Nutzer arbeiten mit Claude, statt es nur anzuweisen

Der Bericht unterscheidet zwischen Automation, bei der Claude weitgehend eigenständig arbeitet, und Augmentation, bei der Mensch und Modell zusammenwirken. Auf Claude.ai nahm die Augmentation leicht zu.

Erfahrene Nutzer unterscheiden sich dabei deutlich von Neulingen. Sie geben Claude 8,7 Prozentpunkte seltener einfach eine Anweisung und arbeiten stattdessen häufiger iterativ an Aufgaben. Sie nutzen Claude 7 Prozentpunkte häufiger für berufliche Zwecke und bringen komplexere Anfragen mit.

Am oberen Ende der Erfahrungsskala stehen laut dem Bericht Tätigkeiten wie KI-Forschung, Git-Operationen und Manuskriptüberarbeitung. Neue Nutzer hingegen fragen eher nach Haikus, Sportergebnissen oder Essensvorschlägen für eine Party.

Erfolg wächst mit der Erfahrung

Auch nach statistischer Kontrolle für die Art der Aufgabe, das gewählte Modell, den Anwendungsfall und das Herkunftsland bleibt der Effekt bestehen. Erfahrene Nutzer haben eine etwa 4 Prozentpunkte höhere Erfolgsrate als neue Nutzer, die exakt dieselbe Aufgabe bearbeiten. Der Umgang mit KI-Plattformen scheint also eine Fähigkeit zu sein, die mit der Nutzung wächst.

Punktdiagramm mit Konfidenzintervallen zeigt den Zusammenhang zwischen Nutzungsdauer und Aufgabenerfolg in drei Regressionsmodellen. Der Roheffekt liegt bei etwa 5 Prozentpunkten, mit Aufgabenkontrollen bei 3 und mit vollständigen Kontrollen bei knapp 4 Prozentpunkten.
Anthropic misst den Erfolg, indem Claude selbst anhand der anonymisierten Transkripte bewertet, ob eine Konversation ihr Ziel erreicht hat. Der Effekt liegt bei rund vier Prozentpunkten. | Bild: Anthropic

Erstmals untersucht der Bericht auch die Modellauswahl. Zahlende Claude.ai-Nutzer setzen das leistungsfähigste Modell Opus gezielt für komplexere Aufgaben ein. Bei Programmieraufgaben greifen 55 Prozent zu Opus, bei Bildungsaufgaben nur 45 Prozent. API-Nutzer reagieren sogar doppelt so stark auf die Komplexität einer Aufgabe bei ihrer Modellwahl.

Balkendiagramm zeigt die Über- und Unterrepräsentation des Opus-Modells nach Berufsgruppen. Computer und Mathematik liegt mit plus 4,4 Prozentpunkten am höchsten, Bildung mit minus 6,5 Prozentpunkten am niedrigsten.
Nutzer wählen Opus gezielt für anspruchsvolle Aufgaben. Bei Computer- und Mathematikaufgaben liegt der Opus-Anteil 4,4 Prozentpunkte über dem Durchschnitt, bei Bildungsaufgaben 6,5 Punkte darunter. | Bild: Anthropic

Die Autoren räumen ein, dass Kohorteneffekte eine Rolle spielen könnten. Frühe Adopter sind möglicherweise von vornherein technisch versierter, und wer nach einem Jahr noch Claude nutzt, hat vermutlich Aufgaben gefunden, für die das Modell besonders geeignet ist.

Neue Automatisierungswellen bei Vertrieb und Finanzhandel

In der API identifiziert der Bericht zwei Workflow-Kategorien, deren Anteil sich seit November mindestens verdoppelt hat. Zum einen die Automatisierung von Vertrieb und Kundenansprache, etwa B2B-Lead-Qualifizierung und das Verfassen von Kaltakquise-E-Mails. Zum anderen automatisierte Handelsoperationen wie Marktüberwachung und das Vorschlagen konkreter Investments.

Innerhalb der USA setzt sich die Angleichung der Nutzung fort, allerdings langsamer als zuvor. Anthropic schätzt, dass eine annähernd gleiche Pro-Kopf-Nutzung zwischen den Bundesstaaten in 5 bis 9 Jahren erreicht wäre, statt der zuvor geschätzten 2 bis 5. International zeigt sich das Gegenteil. Die 20 Länder mit der höchsten Pro-Kopf-Nutzung vereinen nun 48 Prozent des bevölkerungsbereinigten Traffics, gegenüber 45 Prozent im Vorbericht.

Frühe Adopter könnten Ungleichheit verschärfen

Die Autoren schließen mit einer arbeitsmarktpolitischen Warnung: Wenn effektive KI-Nutzung Fähigkeiten erfordert, die sich erst durch Erfahrung aufbauen, könnten die Vorteile früher Adoption selbstverstärkend wirken.

Der Bericht verweist auf das ökonomische Konzept des "Skill-biased technological change". Frühe Adopter mit technisch anspruchsvollen Aufgaben haben erfolgreichere Interaktionen mit Claude und profitieren am meisten, während sie gleichzeitig am stärksten von KI-getriebenen Umwälzungen betroffen sein dürften. Die Daten des Berichts sind auf Hugging Face verfügbar.

Im vorherigen Economic Index Report vom Januar hatte Anthropic erstmals systematisch Erfolgsraten von Claude gemessen und daraufhin seine Produktivitätsprognosen für die US-Wirtschaft deutlich nach unten korrigiert. Der erste Economic Index vom Februar 2025 hatte gezeigt, dass KI Menschen häufiger unterstützt, als Arbeit zu automatisieren, und bereits 36 Prozent aller Berufe KI für mindestens ein Viertel ihrer Aufgaben nutzen.

Einen aktuellen Überblick zum Thema KI-Produktivität und wie sie im Arbeitsalltag tatsächlich ankommt, bietet unser KI-Radar-Newsletter #2: Warum KI-Produktivität zwischen Benchmark und Bilanz verschwindet.

KI-News ohne Hype – von Menschen kuratiert

Mit dem THE‑DECODER‑Abo liest du werbefrei und wirst Teil unserer Community: Diskutiere im Kommentarsystem, erhalte unseren wöchentlichen KI‑Newsletter, 6× im Jahr den „KI Radar"‑Frontier‑Newsletter mit den neuesten Entwicklungen aus der Spitze der KI‑Forschung, bis zu 25 % Rabatt auf KI Pro‑Events und Zugriff auf das komplette Archiv der letzten zehn Jahre.

KI-News ohne Hype
Von Menschen kuratiert.

  • Mehr als 20 Prozent Launch-Rabatt.
  • Lesen ohne Ablenkung – keine Google-Werbebanner.
  • Zugang zum Kommentarsystem und Austausch mit der Community.
  • Wöchentlicher KI-Newsletter.
  • 6× jährlich: „KI Radar“ – Deep-Dives zu den wichtigsten KI-Themen.
  • Bis zu 25 % Rabatt auf KI Pro Online-Events.
  • Zugang zum kompletten Archiv der letzten zehn Jahre.
  • Die neuesten KI‑Infos von The Decoder – klar und auf den Punkt.
The Decoder abonnieren