"Claude Mythos": Datenleck bei Anthropic enthüllt neues und bisher leistungsfähigstes KI-Modell
Kurz & Knapp
- Ein Datenleck bei Anthropic hat interne Dokumente zu einem noch unveröffentlichten KI-Modell offengelegt. Anthropic bestätigt, das Modell bereits zu trainieren und mit ausgewählten Kunden zu testen.
- Laut den geleakten Entwürfen handelt es sich um eine neue Modellklasse oberhalb der bisherigen Opus-Reihe, die "dramatisch höhere Ergebnisse" in Software-Coding, akademischem Reasoning und Cybersicherheit erzielen soll.
- Anthropic plant einen bewusst langsamen Rollout, da das Modell allen anderen KI-Modellen in Cyber-Fähigkeiten derzeit weit voraus sei und zudem sehr rechenintensiv und teuer im Betrieb ist.
Update 27. März 2026:
Die geleakten Blogartikel sind angeblich im Netz aufgetaucht; die Informationen entsprechen jenen, die Fortune in einem weiteren Artikel geteilt hat. Demnach existieren zwei Versionen desselben Blogartikels, die sich nur im Namen des Modells unterscheiden: "Mythos" (v1) und "Capybara" (v2).
Anthropic bezeichnete die Dokumente gegenüber Fortune lediglich als "frühe Entwürfe von Inhalten, die für eine Veröffentlichung in Betracht gezogen wurden". Das deutet darauf hin, dass Anthropic intern zwischen zwei Namenskandidaten für dasselbe Modell abwägt.
Dass v2 tatsächlich nur eine Umbenennung von v1 ist, zeigt ein Flüchtigkeitsfehler: In der Capybara-Version wurde der Name im Titel und Fließtext durchgehend geändert, doch im Untertitel steht weiterhin: "Wir haben das Training eines neuen KI-Modells abgeschlossen: Claude Mythos." Zudem begründen beide Versionen die Namenswahl identisch: Man habe den Namen gewählt, um "das tiefe Bindegewebe, das Wissen und Ideen miteinander verbindet" hervorzurufen.
Laut den Entwürfen handelt es sich um eine neue Modellklasse oberhalb der bisherigen Opus-Reihe. Das Modell sei "größer und intelligenter als unsere Opus-Modelle, die bis jetzt unsere leistungsstärksten waren" und erziele gegenüber Claude Opus 4 "dramatisch höhere Ergebnisse in Tests zu Software-Coding, akademischem Reasoning und Cybersicherheit".
Auf Nachfrage bestätigte Anthropic gegenüber Fortune, ein neues Modell zu trainieren und zu testen. "Wir entwickeln ein Allzweckmodell mit bedeutenden Fortschritten in Reasoning, Coding und Cybersicherheit", so ein Sprecher. "Angesichts der Stärke seiner Fähigkeiten gehen wir bei der Veröffentlichung bewusst vor." Anthropic betrachte das Modell als "das leistungsfähigste, das wir bisher gebaut haben".
Vorsichtiger Rollout mit Fokus auf Cyber-Verteidigung
Anthropic plant den Dokumenten zufolge einen bewusst langsameren Release als bei früheren Modellen. Das Modell sei "derzeit allen anderen KI-Modellen in Cyber-Fähigkeiten weit voraus", kündige aber "eine kommende Welle von Modellen an, die Schwachstellen auf eine Weise ausnutzen können, die die Bemühungen der Verteidiger weit übertrifft". Der Rollout beginnt daher mit einer kleinen Gruppe von Early-Access-Kunden, die gezielt Cybersicherheitsanwendungen untersuchen sollen. Der Zugang über die Claude-API solle schrittweise erweitert werden.
Zudem räumt Anthropic in den Entwürfen ein, dass das Modell "sehr rechenintensiv" und "sehr teuer" im Betrieb sei. Man arbeite daran, es "deutlich effizienter zu machen, bevor es allgemein veröffentlicht wird". Ob das Modell letztlich als "Mythos", "Capybara" oder unter einem dritten Namen erscheint, bleibt offen.
Ursprüngliche Short-Meldung:
Ein Datenleck bei Anthropic hat Details zu einem noch unveröffentlichten KI-Modell enthüllt. Das Unternehmen beschreibt es in internen Dokumenten als sein bisher leistungsfähigstes Modell. Nach der Enthüllung durch Fortune bestätigte Anthropic, dass es das Modell bereits mit ausgewählten Kunden testet. Es stelle einen deutlichen Leistungssprung ("step change") bei Reasoning, Coding und Cybersicherheit dar.
Ans Licht kam das Ganze durch eine Fehlkonfiguration von Anthropics Content-Management-System (CMS): Knapp 3000 interne Dateien waren ungewollt öffentlich zugänglich. Ursache war eine Standardeinstellung, die alle hochgeladenen Dateien automatisch öffentlich machte.
Neben Anthropic bereitet auch OpenAI ein neues Modell mit dem Codenamen "Spud" vor. Es soll das Pretraining bereits abgeschlossen haben. Ebenso wie Anthropic versprach OpenAI-Chef Sam Altman intern einen deutlichen Sprung in den Fähigkeiten. Das Modell solle die Wirtschaft "deutlich beschleunigen" - was auch immer das heißt. Beide Unternehmen dürften ihre stärksten Modelle so zeitlich aufeinander abstimmen, dass sie zum geplanten Börsengang im Laufe des Jahres optimal dastehen.
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