Anzeige
Skip to content

Anthropic sperrt Drittanbieter-Tools wie OpenClaw für Claude-Abonnenten aus

Image description
Nano Banana Pro prompted by THE DECODER

Kurz & Knapp

  • Anthropic schränkt ab dem 5. April 2026 die Nutzung von Claude über Drittanbieter-Tools wie OpenClaw für Abo-Kunden ein.
  • Wer externe Tools weiter nutzen will, muss zusätzliche Nutzungspakete kaufen oder einen API-Key verwenden. Als Ausgleich erhalten Abonnenten eine einmalige Gutschrift in Höhe ihres Monatspreises.
  • Hinter der Entscheidung steckt ein strukturelles Problem der KI-Branche: Flat-Rate-Abonnements und agentenbasierte Dauernutzung über Drittanbieter-Tools vertragen sich noch nicht.

Anthropic kappt die Nutzung von Claude über externe Tools wie OpenClaw für Abo-Kunden. Die Entscheidung offenbart ein strukturelles Problem der KI-Branche: Flat-Rate-Modelle und agentenbasierte Dauernutzung vertragen sich schlecht.

Anthropics Claude-Code-Erfinder Boris Cherny hat angekündigt, dass Claude-Abonnements ab dem 5. April 2026 (12 Uhr PT, 21 Uhr MESZ) die Nutzung über Drittanbieter-Tools wie OpenClaw nicht mehr abdecken. Nutzer können die externen Tools weiterhin mit ihrem Claude-Login verwenden. Sie müssen dafür aber zusätzliche, nun vergünstigt angebotene Nutzungspakete erwerben oder einen Claude-API-Key nutzen.

Cherny begründete die Änderung mit Kapazitätsengpässen. "Unsere Abonnements waren nicht für die Nutzungsmuster dieser Drittanbieter-Tools gebaut", schreibt er auf X. Kapazität sei eine Ressource, die das Unternehmen "bewusst verwalte". Anthropic priorisiere Kunden, die die eigenen Produkte und die API nutzen.

Als Kompensation erhalten Abonnenten laut Cherny eine einmalige Gutschrift in Höhe ihres monatlichen Planpreises. Wer darüber hinaus Bedarf hat, kann vergünstigte Nutzungspakete kaufen. Alternativ bietet Anthropic eine vollständige Rückerstattung an. Den entsprechenden Link will das Unternehmen per E-Mail verschicken.

Anzeige
DEC_D_Incontent-1

Cherny rahmte die Entscheidung als strategische Notwendigkeit. "Wir wollen unser Wachstum bewusst steuern, um unsere Kunden langfristig nachhaltig bedienen zu können", schrieb er.

Hinter dem Schritt steckt ein grundsätzliches Dilemma der KI-Branche, das zuerst bei Anthropic aufschlägt. Flat-Rate-Abonnements und agentenbasierte Dauernutzung passen bisher nicht zusammen. Wer ein Abo-Modell anbietet, kalkuliert mit durchschnittlicher Nutzung. Doch Agentensysteme, die über Drittanbieter-Tools rund um die Uhr Claude-Anfragen senden, sprengen diese Kalkulation. Bildlich gesprochen: OpenClaw ist wie ein Sumo-Ringer beim All-you-can-eat-Buffet.

Die Entscheidung fügt sich in eine breitere Debatte über das Verhältnis zwischen KI-Anbietern und dem Ökosystem aus Drittanbieter-Tools. Je leistungsfähiger und teurer die Modelle werden, desto größer wird der Druck auf die Anbieter, die Nutzung zu kontrollieren und auf eigene Produkte zu lenken.

Steinberger Kritik: Erst kopieren, dann aussperren

Entwickler Peter Steinberger reagierte scharf auf die Ankündigung. Er und Investor Dave Morin hätten versucht, Anthropic umzustimmen. Das Beste, was sie erreichen konnten, sei ein Aufschub von einer Woche gewesen, schrieb Steinberger auf X.

Anzeige
DEC_D_Incontent-2

Er wirft Anthropic vor, zunächst populäre Features seiner Software in das eigene geschlossene System übernommen und nun Open-Source-Alternativen ausgesperrt zu haben. "Lustig, wie die Zeitpunkte zusammenpassen", kommentierte er.

Trotz seiner Kritik differenzierte Steinberger jedoch. Er bezeichnete das Vorgehen als "traurig für das Ökosystem", lobte aber Cherny dafür, den Schaden bestmöglich abzufedern. Gleichzeitig kündigte Steinberger an, dass das aktuelle OpenClaw-Release Verbesserungen für eine effizientere Cache-Nutzung enthalten werde. Das soll die Kosten für Nutzer senken, die nun auf die API ausweichen müssen. Die Verbesserungen kommen von Cherny persönlich, der damit zeigen möchte, dass Anthropic Open Source unterstützt.

OpenAI-Mitarbeiter Thibault Sottiaux verspricht, dass OpenAI tut, was Anthropic lässt. | Screenshot via X

Steinbergers Kritik könnte sich als verfrüht erweisen. Er verweist zwar darauf, dass andere Anbieter wie chinesische Firmen oder OpenAI OpenClaw weiter zulassen. Allerdings dürfte Anthropic einen Großteil der Anfragen über OpenClaw abbekommen, weil es derzeit die stärksten Modelle am Markt hat. Steinbergers Anti-Open-Source-Vorwurf gegenüber Anthropic wirkt zudem unsachlich: Steinberger hatte schlechte Erfahrungen mit Anthropic gemacht. Die Firma hatte ihm per Anwalt den ursprünglichen Namen seiner Software "OpenClawd" untersagt, eine Anspielung auf Anthropics "Claude", das ausgesprochen gleich klingt.

OpenAI wird beweisen müssen, dass es seine Preise halten kann, sollte die Firma bei gleichwertigen Modellen einen ähnlichen Ansturm erleben. "Wir arbeiten daran", sagt Steinberger.

KI-News ohne Hype – von Menschen kuratiert

Mit dem THE‑DECODER‑Abo liest du werbefrei und wirst Teil unserer Community: Diskutiere im Kommentarsystem, erhalte unseren wöchentlichen KI‑Newsletter, 6× im Jahr den "KI Radar"‑Frontier‑Newsletter mit den neuesten Entwicklungen aus der Spitze der KI‑Forschung, bis zu 25 % Rabatt auf KI Pro‑Events und Zugriff auf das komplette Archiv der letzten zehn Jahre.