OpenAI wirbt bei Investoren mit Infrastrukturvorsprung gegenüber Anthropic
Kurz & Knapp
- OpenAI erklärt Investoren in einem Memo, dass der frühe Ausbau von Rechenkapazitäten einen entscheidenden Vorteil gegenüber Anthropic biete.
- Anthropic erwägt laut Reuters die Entwicklung eigener KI-Chips, um die Abhängigkeit von Google und Amazon zu reduzieren. Die Pläne sind noch in einem frühen Stadium ohne konkretes Design oder Team.
- Gleichzeitig legt OpenAI sein britisches Stargate-Rechenzentrum wegen hoher Energiekosten und regulatorischer Hürden auf Eis.
OpenAI erklärt Investoren, dass der frühe Infrastrukturausbau einen entscheidenden Vorteil gegenüber Anthropic biete. Gleichzeitig legt das Unternehmen sein britisches Rechenzentrum auf Eis, während Anthropic über eigene KI-Chips nachdenkt.
Der Wettbewerb zwischen OpenAI und Anthropic um die Vorherrschaft in der KI-Branche spielt sich zunehmend auch auf der Ebene der Recheninfrastruktur ab. In einem Investoren-Memo, das laut Bloomberg diese Woche verschickt wurde, betont OpenAI, dass der frühe und konsequente Ausbau von Rechenkapazitäten dem Unternehmen einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem Rivalen Anthropic verschaffe.
OpenAI habe Anthropic durch "schnelles und konsistentes" Hinzufügen von Rechenkapazitäten überholt, heißt es in dem Memo. Der ambitionierte Infrastrukturausbau, der von Kritikern als zu kostspielig bemängelt wurde, habe es OpenAI ermöglicht, mit der steigenden Nachfrage nach KI-Produkten besser Schritt zu halten.
Anlass für das Schreiben war wohl auch Anthropics Ankündigung eines leistungsfähigeren KI-Modells namens Mythos. Das Modell wird aus Sicherheitsgründen vorerst nur im Projekt Glasswing ausgewählten Partnern zu Verfügung stehen. Es gibt jedoch auch kritische Stimmen, die bezweifeln, dass Anthropic ein solch großes Modell überhaupt effektiv mit seinen aktuellen Rechenkapazitäten ausrollen könnte.
So wird spekuliert, Mythos sei das erste 10-Billionen-Parameter große Modell. Grundlage dieser Spekulationen sind etwa öffentliche Aussagen seitens Elon Musk, dass xAI aktuell ein solch großes Modell trainiere, und Benchmarks, die Nvidias CEO Jensen Huang teilte, die zeigten, wie schnell ein neues Vera-Rubin-System kommende 10-Billionen-Parameter-Modelle trainieren könne. OpenAI hätte dieser Logik folgend einen Vorteil, da es die Nachfrage nach leistungsfähigeren Modellen wie dem kommenden "Spud" leichter abdecken könne. In der Praxis würden die meisten Kunden allerdings wohl eher eine destillierte, also kleinere, Version solcher Modelle zur Verfügung gestellt bekommen.
Anthropic prüft Entwicklung eigener KI-Chips
Anthropic sitzt derweil nicht still. Laut Reuters erwägt das KI-Labor, eigene Chips zu designen. Die Pläne befinden sich in einem frühen Stadium. Es gebe weder ein dediziertes Team noch ein konkretes Design, so eine der drei zitierten Quellen. Das Unternehmen könnte sich letztlich auch dagegen entscheiden und weiterhin ausschließlich Chips zukaufen.
Hintergrund der Überlegungen ist die anhaltende Knappheit an KI-Chips. Anthropic nutzt derzeit eine Mischung aus Googles Tensor Processing Units (TPUs) und Amazon-Chips für die Entwicklung und den Betrieb seines Chatbots Claude. Erst diese Woche unterzeichnete Anthropic einen langfristigen Deal mit Google und Broadcom, der auf einer Zusage aufbaut, 50 Milliarden Dollar in die US-Recheninfrastruktur zu investieren.
Das Design eines fortschrittlichen KI-Chips kostet laut Branchenquellen rund eine halbe Milliarde Dollar. Ähnliche Bestrebungen gibt es laut Reuters auch bei Meta und OpenAI. Anthropic lehnte einen Kommentar ab.
OpenAI legt britisches Stargate-Projekt auf Eis
Während OpenAI Investoren den eigenen Infrastrukturvorsprung preist, pausiert das Unternehmen allerdings ein zentrales Rechenzentrum-Projekt in Großbritannien. Laut Reuters sind ein ungünstiges regulatorisches Umfeld und hohe Energiekosten die Gründe.
Das sogenannte Stargate-UK-Projekt war im September 2025 in Partnerschaft mit Nvidia und Nscale gestartet worden, zeitgleich mit dem Besuch von US-Präsident Donald Trump in Großbritannien, der insgesamt Investitionszusagen von 150 Milliarden Pfund generierte. Das Projekt sollte Großbritanniens souveräne Rechenkapazitäten stärken und die KI-Adoption im Land beschleunigen.
OpenAI betonte, man sehe "enormes Potenzial für die KI-Zukunft Großbritanniens" und werde das Projekt fortführen, sobald die Rahmenbedingungen bei Regulierung und Energiekosten langfristige Infrastrukturinvestitionen ermöglichten. London beherberge weiterhin den größten internationalen Forschungshub des Unternehmens.
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