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Alibabas PANDA-System findet Tumore, die Ärzte übersehen

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Midjourney prompted by THE DEOCDER

Kurz & Knapp

  • Kontrastmittelfreie CT-Scans, die für Routineuntersuchungen geeignet wären, zeigen bei Bauchspeicheldrüsenkrebs Tumore zu undeutlich für menschliche Radiologen.
  • Das von Alibaba entwickelte KI-Tool PANDA wurde darauf trainiert, Bauchspeicheldrüsenkrebs auch in kontrastmittelfreien CTs zu erkennen.
  • Am Universitätskrankenhaus Ningbo hat das System seit November 2024 über 180 000 Scans analysiert und rund zwei Dutzend Krebsfälle entdeckt, davon 14 im Frühstadium.

Ein KI-Tool erkennt Bauchspeicheldrüsenkrebs in Routine-CT, teilweise bevor Patienten Symptome haben.

"Man kann zu 100 Prozent sagen, dass KI ihr Leben gerettet hat", sagt der Arzt Zhu Kelei über Patienten, deren Scans erst durch das KI-Tool PANDA auffielen. Das von Alibaba-Forschern entwickelte System analysiert kontrastmittelfreie CT-Aufnahmen: Bilder, in denen selbst erfahrene Radiologen Tumore leicht übersehen können.

Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört zu den tödlichsten Krebsarten überhaupt: Die Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt bei nur etwa zehn Prozent. Der Hauptgrund dafür ist die extrem schwierige Früherkennung – Symptome treten oft erst auf, wenn der Krebs bereits fortgeschritten ist.

Kontrastmittel-CTs, die Anomalien deutlicher zeigen, sind wegen der hohen Strahlenbelastung für flächendeckende Screenings ungeeignet. Kontrastmittelfreie CTs hingegen liefern weniger detaillierte Bilder, was die Erkennung für Radiologen erschwert.

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Genau hier setzt PANDA an. Die Ingenieure ließen einen Radiologen die Kontrastmittel-CTs von mehr als 2000 bekannten Bauchspeicheldrüsenkrebs-Patienten manuell annotieren. Diese markierten Läsionen wurden dann algorithmisch auf die kontrastmittelfreien Aufnahmen derselben Patienten übertragen.

So lernte das KI-Modell, potenzielle Krebsherde auch in weniger detaillierten Bildern zu erkennen. „Die Wirksamkeit hat uns tatsächlich überrascht", sagt Ling Zhang, leitender Algorithmus-Ingenieur bei Alibabas Forschungsabteilung Damo Academy.

Am Universitätskrankenhaus Ningbo in Ostchina läuft seit November 2024 eine klinische Studie mit dem Tool. Seitdem hat PANDA mehr als 180 000 Bauch- oder Brust-CTs analysiert und rund zwei Dutzend Krebsfälle entdeckt, davon 14 im Frühstadium. Alle diese Patienten waren wegen anderer Beschwerden wie Blähungen oder Übelkeit ins Krankenhaus gekommen und hatten zunächst keinen Spezialisten für Bauchspeicheldrüsenerkrankungen aufgesucht. Mehrere ihrer CT-Scans hatten bei menschlichen Ärzten keinen Alarm ausgelöst, bis das KI-Tool sie markierte.

Zulassung in den USA beschleunigt

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat PANDA im April letzten Jahres bereits den Status "Breakthrough Device" verliehen, was eine beschleunigte Zulassungsprüfung in den USA ermöglicht. In China laufen mehrere klinische Studien, darunter auch in einer ländlichen Klinik in der Provinz Yunnan.

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Doch der breite Einsatz bringt auch Nebenwirkungen: Von 1400 Warnmeldungen des Systems erforderten nur etwa 300 tatsächlich eine Nachuntersuchung. Ajit Goenka, Radiologe an der Mayo Clinic, gibt zu bedenken, dass möglicherweise Hunderte Menschen "den Schrecken einer potenziellen Bauchspeicheldrüsenkrebs-Diagnose durchlebten, unnötige Nachuntersuchungen über sich ergehen ließen und wahrscheinlich teure, invasive Folgetests erduldeten – nur um festzustellen, dass sie gesund waren."

Auch Diane Simeone, Bauchspeicheldrüsen-Chirurgin an der University of California San Diego, äußert Skepsis: Einige der vom Tool erkannten Tumore hätten für gut ausgebildete Radiologen "super offensichtlich" sein müssen, auch ohne KI. Dennoch räumt sie ein, dass das System an Krankenhäusern mit weniger Spezialisten ein wertvolles Sicherheitsnetz sein könnte.

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Quelle: NYT