Beratungskonzern Accenture macht KI-Nutzung zur Beförderungsvoraussetzung
Kurz & Knapp
- Accenture erfasst seit diesem Monat wöchentlich die KI-Tool-Logins einzelner Senior-Mitarbeiter und macht die Nutzung zum Beförderungskriterium. Wer nicht mitzieht, soll laut CEO Julie Sweet das Unternehmen verlassen.
- Intern stoßen die Maßnahmen auf Widerstand: Mitarbeiter bezeichnen einige der Tools als „kaputte Slop-Generatoren". Führungskräfte mehrerer Beratungsfirmen bestätigen, dass gerade Senior-Partner sich gegen KI-Adoption sperren.
- Der Aktienkurs von Accenture ist in zwölf Monaten um 42 Prozent gefallen.
Accenture überwacht individuelle KI-Tool-Logins und macht sie zum Beförderungskriterium. Wer sich nicht anpasst, muss gehen.
"Die Nutzung unserer wichtigsten Tools wird ein sichtbarer Input für Talentdiskussionen sein", heißt es in einer internen E-Mail von Accenture, die die Financial Times einsehen konnte. Der Beratungskonzern erfasst seit diesem Monat wöchentliche Login-Daten einzelner Senior-Mitarbeiter in seine KI-Werkzeuge. Wer ins Leadership-Level aufsteigen will, muss "regelmäßige Adoption" von KI nachweisen.
Accenture beschäftigt weltweit fast 800.000 Mitarbeiter und gibt an, mehr als 550.000 davon in generativer KI geschult zu haben. Zu den überwachten Tools gehört unter anderem AI Refinery, das laut Accenture Unternehmen dabei hilft, "rohe KI-Technologie in nützliche Geschäftslösungen zu verwandeln". Mitarbeiter in zwölf europäischen Ländern sind von der neuen Regelung ausgenommen, ebenso wie Beschäftigte, die an US-Regierungsaufträgen arbeiten.
Der Widerstand kommt aus den eigenen Reihen: Zwei mit der Änderung vertraute Personen bezeichneten einige der Tools als "kaputte Slop-Generatoren". Eine Person erklärte, sie würde "sofort kündigen", sollte die Regel sie betreffen.
Der Fall illustriert ein Dilemma: Beratungsfirmen, die ihren Kunden KI-Transformation verkaufen, scheitern intern an der Adoption. Drei Führungskräfte der Big-Four-Beratungsfirmen bestätigen gegenüber der Financial Times unabhängig voneinander, dass es schwieriger ist, Senior Manager und Partner zur KI-Nutzung zu bewegen als Nachwuchskräfte. Ältere, ranghöhere Mitarbeiter seien "oft weniger vertraut mit Technologie und stärker an etablierte Arbeitsmethoden gebunden".
Accenture CEO Julie Sweet hat laut dem Bericht bereits angekündigt, Mitarbeiter, die sich nicht an das KI-Zeitalter anpassen können, würden das Unternehmen verlassen müssen. Das Unternehmen hat seine Belegschaft im Zuge einer umfassenden Reorganisation zu "Reinventors" umgetauft und im vergangenen Monat das Londoner KI-Startup Faculty übernommen. Der Aktienkurs ist in den vergangenen zwölf Monaten um 42 Prozent gefallen – von einem Höchststand von über 260 Milliarden auf rund 137 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung.
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