ChatGPT vs. Claude: Anthropic sieht sich angeblich als gesunde Alternative zur "Tabakindustrie" OpenAI
Dass OpenAI mit Anthropic seinen wohl gefährlichsten Rivalen hervorgebracht hat, könnte einmal als eine der prägenden Geschichten der Tech-Industrie gelten.
In einem ausführlichen Bericht schildert Sam-Altman-Biografin Keach Hagey jetzt die Vorgeschichte der Trennung. Die offizielle große Erzählung lautet: OpenAI war für das spätere Anthropic-Team nicht ausreichend um die Sicherheit bedacht, und laut Hagey spricht vieles dafür, dass diese Erzählung stimmt.
Ihre Darstellung zeigt aber auch, dass hinter dem Bruch mehr steckte: persönliche Verletzungen, Machtkämpfe und das Gefühl mangelnder Anerkennung, besonders im Verhältnis zwischen Greg Brockman und Dario Amodei.
Laut dem Bericht gehörte zu den frühen Konflikten etwa eine Diskussion darüber, ob fortgeschrittene KI (AGI) eines Tages an Regierungen bzw. die Nuklearmächte des UN-Sicherheitsrats verkauft werden könnte. Ein Gedanke, den Amodei demnach für vollkommen inakzeptabel hielt, im Unterschied zu Brockman.
Später eskalierte der Streit auch an der Kontrolle über die Sprachmodellprojekte. Amodei war eine der Schlüsselfiguren hinter GPT-2 und GPT-3 und wollte Brockman dort offenbar möglichst wenig Einfluss geben. Zugleich fühlte er sich laut Hagey wiederholt zurückgesetzt, etwa bei Fragen von Sichtbarkeit, Anerkennung und Zugang zu wichtigen Terminen. Ende 2020 verließen Dario und Daniela Amodei schließlich zusammen mit weiteren OpenAI-Mitarbeitern das Unternehmen und gründeten Anthropic.
| Zeit | Ereignis | Bedeutung |
|---|---|---|
| 2016 | Dario Amodei kommt zu OpenAI; frühe philosophische Differenzen mit Greg Brockman werden sichtbar. | Der Grundkonflikt beginnt: Sicherheit und Vorsicht vs. Wachstum und offensive Entwicklung. |
| 2017–2018 | Nach internen Krisen und Entlassungen (auch wg. Elon Musk) verliert Amodei Vertrauen in Teile der OpenAI-Führung. | Aus Meinungsverschiedenheiten wird ein Führungs- und Vertrauenskonflikt. |
| 2018–2019 | Streit um Kontrolle und Einfluss bei den Sprachmodellprojekten. | Der Konflikt verlagert sich auf Macht, Zuständigkeiten und Anerkennung. |
| 2019–2020 | Amodei fühlt sich laut Bericht wiederholt zurückgesetzt; Spannungen im Management eskalieren. | Persönliche Verletzungen und Statusfragen verschärfen den Bruch. |
| Ende 2020 | Dario und Daniela Amodei entscheiden sich mit weiteren Mitarbeitern zum Ausstieg. | Der interne Konflikt ist nicht mehr reparabel. |
| 2021 | Gründung von Anthropic. | Aus der internen OpenAI-Krise entsteht ein direkter Konkurrent. |
| bis heute | OpenAI und Anthropic bekämpfen sich um Markt, Talente und das AGI-Narrativ. | Die alte Trennung prägt weiterhin die KI-Branche. |
Konflikte halten bis heute an
Der Konflikt zwischen OpenAI und Anthropic schwelt bis heute offen weiter: als Konkurrenz um Talente, Kapital und Kunden, vor allem aber auch als Kampf um die Deutungshoheit darüber, wie KI entwickelt und vermarktet werden soll.
Intern soll sich Anthropic laut Hagey als „gesündere Alternative“ zu OpenAI verstehen; Sam Altmans Firma werde dabei mit der Tabakindustrie verglichen. Als OpenAI kürzlich einen Deal mit dem Pentagon bekanntgab, soll Amodei Altman intern als "verlogen" bezeichnet haben. Die Vorgänge deuteten auf ein "Verhaltensmuster, das ich bei Sam Altman schon oft gesehen habe", schrieb er dem Bericht zufolge.
Schon während Altmans kurzzeitiger Absetzung als CEO standen intern Vorwürfe im Raum, er habe manipulativ agiert und gelogen. Nach seiner Rückkehr wurde er jedoch in einer internen Untersuchung von den Anschuldigungen entlastet.
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