KI in der Praxis

Deepfakes: David Beckham spricht mit neun Stimmen

Matthias Bastian
In einer Kampagne gegen Malaria sprechen Betroffene durch den Fußballstar David Beckham. Umgesetzt wurde der Effekt mit KI-Technologie.

In einer Kampagne gegen Malaria sprechen Betroffene durch den Fußballstar David Beckham. Umgesetzt wurde der Effekt mit KI-Technologie.

Der Initiative "Malaria Must Die" leiht Fußballstar David Beckham seine Stimme und sein Gesicht. Letzteres im wahrsten Sinne des Wortes: Mit einer Variante der als "Deepfakes" bekannt gewordenen KI-gestützten Video-Software sprechen neun Malaria-Betroffene durch David Beckham zur Welt.

Zunächst erstellten die Entwickler ein 3D-Modell von Beckhams Gesicht. Mit Maschinenlernen übertrugen sie dann die Mimik der anderen Sprecher auf das digitalisierte Gesicht des Fußballers. Das Ergebnis: Beckham spricht in neun Sprachen.

Beteiligt an der Produktion war das auf KI-Videos spezialisierte Startup "Synthesia": Mitgründer Matthias Niessner arbeitete zuvor am Forschungsprojekt "Deep Video Portraits", einer fortschrittlichen Variante der Deepfakes-Software, die Ende 2017 durch unrühmliche Pornofälschungen mit prominenten Frauen bekannt wurde.

Das folgende Video zeigt, wie der Beckham-Fake entstand:

Der KI reicht etwas Trainingsmaterial, anhand dessen sie die Mundbewegungen einer Person beliebig animieren und sie so jedes Wort mit jeder Stimme in jeder Sprache sagen lassen kann.

So werden aus einem einzelnen Video hunderte Variationen - bei einem Bruchteil des Aufwands realer Dreharbeiten. Synhesia bietet beispielsweise an, mit dieser Methode Webseiten-Text durch Videos zu ersetzen.

Ein Reporter der US-Webseite Buzzfeed nutzte die KI-Software, um seiner Freundin einen Heiratsantrag in ihrer Muttersprache zu stellen.

Rob Bredow, Chef des bekannten Spezialeffektestudios Industrial Light & Magic, geht davon aus, dass Deepfakes und Co. die Film- und Videobranche in den zwei Jahren umkrempeln werden.

KI-Fake-Software nicht als freier Download

Die KI-Fälschung ist ethisch erst einmal fragwürdig: Immerhin kann die KI einen Menschen jeden beliebigen Satz sagen lassen. Das birgt große Risiken für die Person, die ihr Gesicht zur Verfügung stellt.

Man stelle sich zum Beispiel eine gefälschte Videonachricht mit einer extremistischen Aussage vor, die im Messenger per Videobotschaft an Arbeitskollegen verschickt wird.

Auf der eigenen Webseite nennt Synthesia ethische Richtlinien: Die KI-Software soll es nicht als öffentlichen Download geben und jeder nachgestellte Inhalt benötigt explizite Zustimmung des Gesichtsverleihers.

Außerdem arbeitet das Startup laut eigenen Angaben mit Medienunternehmen, Regierungen und Forschungseinrichtungen zusammen für beispielhafte Vorgehen und um über die Technologie aufzuklären.

Titelbild: Synthesia

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