KI-Gipfel in Neu-Delhi: Indien drängt auf globale Mitsprache bei künstlicher Intelligenz
Kurz & Knapp
- Indien ist nach den USA der zweitgrößte Markt für ChatGPT und Claude. Beim KI-Gipfel in Neu-Delhi will die Regierung ein „Global AI Commons" vorantreiben – ein Verzeichnis geteilter KI-Anwendungen für Bildung, Gesundheit und Landwirtschaft.
- Trotz großer IT-Industrie entwickelt Indien kaum eigene Sprachmodelle und setzt stattdessen auf den Ausbau als Rechenzentrumsstandort.
- Anthropic eröffnete ein Büro in Bengaluru und verbessert die Modellqualität in zehn indischen Sprachen.
Indien ist der zweitgrößte Markt für ChatGPT und Claude. Jetzt will das Land beim KI-Gipfel in Neu-Delhi auch politisch mitgestalten.
Indien hat 100 Millionen wöchentlich aktive ChatGPT-Nutzer und ist damit nach den USA der zweitgrößte Markt für OpenAI. Das schrieb CEO Sam Altman in der Times of India kurz vor dem India AI Impact Summit in Neu-Delhi. Auch für Anthropic ist Indien laut eigenem Blogpost der zweitgrößte Markt für Claude.ai.
Ab Montag treffen sich in Neu-Delhi über 20 Staats- und Regierungschefs, darunter Frankreichs Macron und Brasiliens Lula da Silva, sowie KI-Unternehmensführer wie Altman, Dario Amodei und Sundar Pichai. Laut der Financial Times will Indien internationale Einigung über ein "Global AI Commons" erzielen.
Was die indische Regierung darunter versteht, ist allerdings bescheidener, als der Begriff vermuten lässt. Abhishek Singh, Geschäftsführer der indischen KI-Mission, beschreibt das Vorhaben als ein Verzeichnis von KI-Anwendungsfällen in Schlüsselsektoren, die dann geteilt werden können. Indien wolle KI-Anwendungen interoperabel und für die globale Gemeinschaft verfügbar machen, damit sie breit verbreitet und in großem Maßstab eingesetzt werden. Die Priorität liege dabei auf Bereichen wie Bildung, Gesundheit und Landwirtschaft.
Weiter geht der KI-Forscher und Governance-Experte Jibu Elias, der mit der indischen Regierung zusammengearbeitet hat. "Frontier-KI wird von einer Handvoll Firmen und Staaten gebaut, trainiert und kontrolliert, vor allem in den USA und China", sagte er der Financial Times. Elias zufolge sei das "Commons"-Konzept für Indien und den globalen Süden ein Weg zu argumentieren, dass grundlegende KI-Fähigkeiten, Datensätze, Standards und Sicherheitsnormen nicht still und leise zur privaten Infrastruktur weniger Unternehmen werden sollten.
Viel Nutzung, wenig eigene Modelle
Trotz führender IT-Dienstleister wie Infosys, Wipro und TCS ist Indien bisher kein Vorreiter bei der Entwicklung großer Sprachmodelle. Die Modi-Regierung hat die 300 Milliarden Dollar schwere IT-Industrie dafür kritisiert, nicht in Produktinnovation zu investieren.
Stattdessen positioniert sich das Land bisher als Rechenzentrumsstandort. Google, Microsoft und Amazon kündigten im vergangenen Jahr Pläne für über 50 Milliarden Dollar KI-Investitionen an. Die Monetarisierung bleibt schwierig: OpenAI führte einen Sub-5-Dollar-Tarif ein, der später ein Jahr kostenlos angeboten wurde.
Anthropic setzt auf indische Sprachen und Partnerschaften
Parallel zum Gipfel eröffnete Anthropic sein Büro in Bengaluru, das zweite in Asien nach Tokio. Vor sechs Monaten startete Anthropic eine unternehmensweite Initiative zur Verbesserung der Modellqualität in zehn indischen Sprachen, darunter Hindi, Tamil und Urdu.
Im öffentlichen Sektor unterstützt Anthropic laut eigenen Angaben etwa die Organisation Adalat AI bei einer nationalen WhatsApp-Helpline für Indiens 50 Millionen anhängige Gerichtsfälle. Das indische Statistikministerium lancierte zudem mit Unterstützung der gemeinnützigen Organisation Bharat Digital den ersten offiziellen MCP-Server einer indischen Regierungsbehörde. Unternehmen wie Air India, CRED und Cognizant setzen Claude laut Anthropic bereits produktiv ein.
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