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KI übernimmt Freelancer-Jobs: Texter, Coder und Grafiker sind besonders betroffen

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Zhu et al.

Eine neue Studie zeigt erste Auswirkungen von ChatGPT auf den Arbeitsmarkt: Besonders betroffen sind Menschen in ohnehin oft schlecht bezahlten oder prekären Freelance-Jobs.

Laut einer neuen Studie von Harvard Business Review, die demnächst in der Fachzeitschrift Management Science erscheint, brach die Nachfrage in der Kategorie "leicht automatisierbare Tätigkeiten" um durchschnittlich 21 Prozent ein im Vergleich zu "manuell aufwendigen" Arbeiten.

Die Forscher analysierten nach eigenen Angaben knapp 1,4 Millionen Stellenanzeigen auf einer führenden Freelancer-Plattform zwischen Juli 2021 und Juli 2023.

Liniendiagramm: Veränderung der Stellenangebote für automatisierbare vs. manuelle Jobs nach ChatGPT-Launch, 2021-2023.
Der Launch von ChatGPT im November 2022 markiert einen Wendepunkt: Die Nachfrage nach automatisierbaren Jobs sank deutlich ab, während sich manuelle Jobs als resistenter erwiesen. | Bild: Zhu et al.

Am härtesten trifft es laut der Studie dabei freiberufliche Texter mit einem Minus von 30,37 Prozent. Software- und Webentwickler verzeichneten einen Rückgang von 20,62 Prozent, Ingenieure von 10,42 Prozent.

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"Im Vergleich zu früheren Automatisierungswellen sind die Auswirkungen dramatisch", schreiben die Studienautoren. Eine 20-prozentige Zunahme der Roboternutzung in der französischen Industrie habe beispielsweise nur zu einem Beschäftigungsrückgang von 3,2 Prozent geführt.

Die Forscher betonen, dass sich generative KI zudem fundamental von früheren Automatisierungstechnologien unterscheidet: Sie würde sich kontinuierlich verbessern und habe das Potenzial, praktisch alle Jobsektoren zu beeinflussen.

Auch Grafikdesigner verlieren Jobs an KI

Die Auswirkungen beschränken sich nicht nur auf Textarbeit: Nach der Einführung von KI-Bildgeneratoren wie Midjourney, Stable Diffusion und DALL-E brach die Nachfrage nach Grafikdesignern und 3D-Modellierern, die Bilder, Designs und Grafiken erstellen, um 17,01 Prozent im Vergleich zu manuell aufwendigeren Tätigkeiten ein. Eine Erholung des Arbeitsmarktes zeichne sich nicht ab.

Liniendiagramm: Entwicklung der Stellenangebote für Bildgenerierungs-Jobs vs. manuelle Jobs, 2021-2023.
Nach der Einführung von KI-Bildgeneratoren im Juni 2022 sank die Nachfrage nach Bildarbeit- und 3D-Modelling-Jobs kontinuierlich, während Jobs mit mehr manuellem Aufwand stabil blieben. | Bild: Zhu et al.

Mehr Konkurrenz um weniger Jobs

Die sinkende Nachfrage führe zu einem verstärkten Wettbewerb: Die durchschnittliche Anzahl der Bewerbungen pro Stelle stieg nach der Einführung von ChatGPT bei vermeintlich automatisierbaren Stellen um 8,57 Prozent. Die Anzahl der geforderten Fähigkeiten pro Stelle stieg leicht um 2,18 Prozent. Gleichzeitig stieg die Zahlungsbereitschaft der Auftraggeber um 5,71 Prozent.

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Je mehr in einer Branche nach KI-Tools wie ChatGPT gegoogelt wird, desto mehr Stellenangebote gibt es in dieser Branche. Bei manuellen Tätigkeiten wie Audio- und Videobearbeitung, bei denen das Interesse an KI-Tools gering ist, bleiben die Auswirkungen bisher jedoch überschaubar.

Säulendiagramm: Google-Suchvolumen für verschiedene Jobtypen nach ChatGPT-Launch, Automatisierungsanfällige vs. manuelle Jobs.
Die Einführung von ChatGPT führte zu einem deutlichen Anstieg der Google-Suchanfragen für vermeintlich automatisierungsanfällige Berufe wie Schreiben und Engineering. | Bild: Zhu et al.

ChatGPT wird zur Qualifikation

Während klassische Freelancer-Jobs wegbrechen, entstehen laut der Studie auch neue Arbeitsmöglichkeiten: Die Zahl der Stellenanzeigen, die ChatGPT-Kenntnisse voraussetzen, steigt seit Einführung des Chatbots kontinuierlich um durchschnittlich 0,68 Stellen pro Woche.

Die Forscher fanden in 903 Stellenanzeigen ChatGPT bereits als erforderliche Qualifikation. 88 Prozent dieser Stellen entfielen auf automatisierbare Tätigkeiten, davon 82 Prozent im Bereich Software- und Webentwicklung.

Laut den Forschern tut sich dabei eine geschlechtsspezifische Kluft auf: Frauen nutzen ChatGPT deutlich seltener am Arbeitsplatz als Männer in vergleichbaren Positionen.

Die Autoren der Studie empfehlen Unternehmen, insbesondere Geringqualifizierte im Umgang mit KI-Werkzeugen zu schulen. Hier seien die größten Produktivitätsgewinne zu erwarten. KI verschiebt den Schwerpunkt der Arbeit von vorhersehbaren Aufgaben hin zu Tätigkeiten, die menschliches Urteilsvermögen und Entscheidungsfindung erfordern.

"Manager müssen lernen, Aufgaben sinnvoll zwischen KI-Systemen und menschlichen Mitarbeitern aufzuteilen", schreiben die Studienautoren. Dabei gelte es, die jeweiligen Stärken von Mensch und Maschine optimal zu nutzen.

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