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Podcast über Künstliche Intelligenz und Wissenschaft
DEEP MINDS #12: Künstliche Intelligenz regulieren

Die Shakespeare-Forschung ist sich einig darin, dass der große englische Dramatiker manche seiner Stücke mit anderen Autoren zusammen schrieb. Umstritten ist, wer in welchem Umfang mitwirkte. Eine KI erlaubt neue Einblicke in das kollaborative Arbeiten Shakespeares.

Im Jahr 1850 stellte der englische Literaturgelehrte James Spedding die These auf, dass Shakespeare und sein Zeitgenosse, der damals ebenfalls berühmte Dramatiker John Fletcher, das Theaterstück Heinrich VIII. gemeinsam geschrieben hatten. Spedding war aufgefallen, dass das Stück durchsetzt ist von Stileigentümlichkeiten beider Dramatiker.

Diese These gilt heutzutage als belegt. Unklar ist, wie groß Fletchers Einfluss war. Manchen Theorien zufolge soll gar ein dritter Dramatiker, Philip Massinger, mitgewirkt haben.

Um eine Antwort auf diese Fragen zu finden, trainierte der tschechische Forscher Petr Plecháč ein künstliches neuronales Netz mit Shakespeare-Stücken, die um die gleiche Zeit wie Heinrich VIII. entstanden, darunter Coriolanus und Der Sturm. So lernte das Netz, Shakespeares damaligen Stil, seine Wortwahl sowie rhythmische Sprachmuster zu erkennen.

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KI erlaubt Feinanalyse

Anschließend tat Plecháč das Gleiche mit Werken von John Fletcher. In einem letzten Schritt ließ er Heinrich VIII. von der Spezialisten-KI analysieren.

Das Ergebnis stützt Speddings These von 1850: Der KI-Analyse zufolge hat Fletscher fast die Hälfte des Stücks geschrieben. Das künstliche neuronale Netz erlaubt darüber hinaus eine genauere Prüfung des Textes, kann einzelne Szenen den Autoren zuschreiben und Szenen identifizieren, an denen Shakespeare und Fletcher gemeinsam gearbeitet haben.

Dass auch Philip Massinger an Heinrich VIII. mitwirkte, dafür fand die KI wenig Hinweise. Eine Mitautorschaft sei „eher unwahrscheinlich“, schreibt Plecháč im Fazit seiner wissenschaftlichen Arbeit, die frei im Internet erhältlich ist.

Einen zweifelsfreien Beleg der Koautorschaft, zumindest stellenbezogen, bietet freilich auch die KI nicht: Schließlich könnten sich die Autoren beim Schreiben gegenseitig beeinflusst und imitiert haben.

Titelbild: Von William Shakespeare – Mr. William Shakespeares Comedies, Histories, & Tragedies, Gemeinfrei, Link, Quelle: MIT Technology Review

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Tomislav schreibt über Künstliche Intelligenz im Kontext der XR, Kunst und virtueller Wesen: Wie trägt KI zur Entwicklung von VR und AR bei, wie rekonstruiert und erweitert sie das menschliche Kunstschaffen und welche neue Formen des Geschichtenerzählens und der NPC-Interaktion ermöglicht sie?
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