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LeCun vor Meta-Abschied: Meta hat Llama-4-Benchmarks frisiert und die KI-Abteilung steckt in der Krise

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Kurz & Knapp

  • Yann LeCun, scheidender KI-Chefwissenschaftler bei Meta, räumt ein, dass Benchmark-Ergebnisse von Llama 4 geschönt wurden.
  • CEO Mark Zuckerberg habe daraufhin das Vertrauen in die Beteiligten verloren und die GenAI-Abteilung an den Rand gedrängt. Laut LeCun haben viele Mitarbeiter das Unternehmen bereits verlassen, weitere würden folgen.
  • LeCun gründet nun ein eigenes Startup namens "Advanced Machine Intelligence Labs", das auf eine Alternative zu großen Sprachmodellen setzt.

Metas scheidender KI-Chefwissenschaftler Yann LeCun übt in einem Interview scharfe Kritik an seinem langjährigen Arbeitgeber. Er spricht von manipulierten Benchmarks, einem verärgerten Zuckerberg und einem Exodus bei der KI-Einheit.

Yann LeCun, einer der einflussreichsten KI-Forscher weltweit, hat in einem Interview mit der Financial Times ungewöhnlich deutliche Kritik an Meta geäußert. Der 65-Jährige, der das Unternehmen nach mehr als einem Jahrzehnt demnächst verlässt und ein eigenes KI-Startup gründet, zeichnet das Bild einer KI-Abteilung in der Krise.

Im Zentrum steht Llama 4, Metas jüngstes großes Sprachmodell, das im April 2025 erschien. LeCun räumt ein, dass die veröffentlichten Leistungswerte nicht der Realität entsprachen. "Die Ergebnisse wurden ein wenig geschönt", sagt er. Das Team habe verschiedene Modelle für verschiedene Benchmarks verwendet, um bessere Resultate vorzuweisen. Diese Tatsache leakte schon unmittelbar nach dem Release von Llama 4.

Die Reaktion von CEO Mark Zuckerberg sei entsprechend ausgefallen: "Mark war wirklich verärgert und hat im Grunde das Vertrauen in alle verloren, die daran beteiligt waren. Und hat im Grunde die gesamte GenAI-Organisation an den Rand gedrängt." LeCun fügt hinzu: "Viele Leute sind gegangen, viele, die noch nicht gegangen sind, werden gehen."

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LeCun sagte kürzlich, dass er seit der Entwicklung des ersten Llama-Modells kaum mehr in das LLM-Projekt involviert gewesen sei.

"Du sagst einem Forscher wie mir nicht, was er tun soll"

Besonders deutlich wird LeCun bei seiner Einschätzung von Alexandr Wang, dem 28-jährigen ehemaligen CEO von Scale AI, den Meta im Juni 2025 zusammen mit einer 14-Milliarden-Dollar-Investition an Bord holte. Wang übernahm die Führung des neuen "TBD Lab" für Frontier-KI-Modelle und wurde damit auch LeCuns Vorgesetzter.

LeCun nennt Wang "jung" und "unerfahren": "Er lernt schnell, er weiß, was er nicht weiß… Es gibt keine Erfahrung mit Forschung oder damit, wie man Forschung praktiziert, wie man sie betreibt. Oder was für einen Forscher attraktiv oder abstoßend wäre."

Auf die Frage nach der neuen Hierarchie antwortet LeCun unmissverständlich: "Du sagst einem Forscher nicht, was er tun soll. Du sagst einem Forscher wie mir schon gar nicht, was er tun soll." Metas Strategie, Elite-Forscher von Konkurrenten mit Angeboten von bis zu 100 Millionen Dollar abzuwerben, kommentiert er lakonisch: "Die Zukunft wird zeigen, ob das eine gute Idee war oder nicht."

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LLMs als "Sackgasse"

Der Konflikt zwischen Meta und LeCun geht jedoch tiefer als Personalfragen. LeCun hält große Sprachmodelle für grundlegend begrenzt und bezeichnet sie als "Sackgasse" auf dem Weg zu Superintelligenz. Die neuen Mitarbeiter für Metas KI-Push seien hingegen "komplett LLM-pilled", also überzeugte Anhänger genau dieser Technologie.

"Ich bin sicher, es gibt viele Leute bei Meta, einschließlich vielleicht Alex, die möchten, dass ich der Welt nicht sage, dass LLMs im Grunde eine Sackgasse sind, wenn es um Superintelligenz geht", sagt LeCun. "Aber ich werde meine Meinung nicht ändern, weil irgendein Typ denkt, ich liege falsch. Ich liege nicht falsch. Meine Integrität als Wissenschaftler erlaubt mir das nicht."

Der Kommunikationszusammenbruch zwischen Forschung und Produktentwicklung habe sich bereits vor dem Llama-4-Debakel abgezeichnet. "Wir hatten viele neue Ideen und wirklich coole Sachen, die sie implementieren sollten. Aber sie gingen nur auf Dinge ein, die im Wesentlichen sicher und bewiesen waren", sagt LeCun. "Wenn man das tut, fällt man zurück." Das Bleiben bei Meta sei "politisch schwierig" geworden, so LeCun.

LeCuns neues Labor setzt auf World Models

Sein neues Unternehmen "Advanced Machine Intelligence Labs" wird von Alex LeBrun als CEO geführt. LeCun selbst fungiert als Executive Chair. Er sei als CEO zu alt und zu unorganisiert, seine Aufgabe sei die Inspiration, sagt LeCun.

Das Labor soll sich auf eine LLM-Alternative konzentrieren, die auf einer Architektur namens V-JEPA basiert. LeCun entwickelte sie während seiner Zeit bei Meta. Diese Modelle sollen die physische Welt verstehen, indem sie aus Videos und räumlichen Daten lernen, anstatt nur aus Text. Sie können planen, schlussfolgern und verfügen über ein persistentes Gedächtnis. LeCun nennt diese Art von Intelligenz "Advanced Machine Intelligence" (AMI), so wie sein Startup. Auch bei Meta wollte LeCun einst den Begriff Advanced Machine Intelligence etablieren.

Erste "Baby"-Versionen dieser Technologie sollen innerhalb von zwölf Monaten erscheinen, eine Skalierung auf größeren Maßstab innerhalb weniger Jahre. Das "weltweite" Unternehmen soll eine starke Verbindung zu Frankreich haben. Sogar Präsident Emmanuel Macron schickte LeCun nach Bekanntwerden der Nachricht eine WhatsApp-Nachricht, deren Inhalt LeCun jedoch nicht preisgeben wollte.

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Quelle: Financial Times